Illegale Abfallhaufen sind im Jagdrevier Tönnhausen vermehrt vorgekommen. Ein schnelles Handeln von Pächter und Landkreis ist wichtig, um die Tiere vor dem Tod zu bewahren.
Illegale Abfallhaufen sind im Jagdrevier Tönnhausen vermehrt vorgekommen. Ein schnelles Handeln von Pächter und Landkreis ist wichtig, um die Tiere vor dem Tod zu bewahren. Foto: jhk

24 Rehe qualvoll verendet

Im Jagdrevier Tönnhausen wurde Kirschlorbeer illegal entsorgt. Das wurde zwei Dutzend Tieren zum Verhängnis.

Winsen. Grünabfälle illegal im Wald oder der Feldmark zu entsorgen, ist vielerorts gängige Praxis. Im Revier Tönnhausen in der Winsener Marsch wurden vorige Woche gleich mehrere Berge Schnittgut entdeckt. Unter den Abfällen stellten die zuständigen Jagdpächter auch Kirschlorbeer fest – und das hatte für 24 Rehe in der Marsch tödliche Folgen.

Günther Härtel ist Jagdausübungsberechtigter im Revier Tönnhausen und schildert die Situation, als die ersten Schnitthaufen entdeckt wurden. „Am Freitag, 4. Februar, haben wir bei normalen Revierarbeiten die ersten toten Tiere gefunden. Für uns was das ein echter Schock“, erinnert sich der Jäger.

Kirschlorbeer ist hochgiftig für Rehe

„Für uns war es wichtig, dass wir schnellstmöglich handeln, da wir wussten, dass der Kirschlorbeer hochgiftig für die Rehe ist“, erklärt Günther Härtel. Und die Sorge war berechtigt: Nach genauerer Absuche des gesamten Revieres fand der Jagdpächter insgesamt zwölf Haufen mit illegalem Schnittgut, die für acht Tiere tödliche Auswirkungen hatte. Und es sollten nicht die einzigen Fälle bleiben.

Jagdpächter Heinrich Blecken brachte die ersten Abfallberge selbst auf die Deponie, und auch der Landkreis handelte schnell. „Ich habe beim Landkreis Harburg angerufen und darum gebeten, dass diese Abfälle schnellstmöglich beseitigt werden müssen, da jede weitere Nacht für die Tiere tödlich sein kann“, schildert Härtel. „Ich bin seit Jahrzehnten in Revieren unterwegs, aber derartiges habe ich bisher noch nicht erlebt“, sagt der 70-Jährige.

Diese Woche kamen weitere Haufen dazu

In der Nacht zu Donnerstag dieser Woche wurden dann weitere Haufen abgeladen. Die Menge lässt darauf schließen, dass jemand mit einem Anhänger vorgefahren ist. „Für mich ist das komplett unverständlich, dass die Leute ihren Abfall nicht in der Deponie in Drage entsorgen. Wir haben doch die lokale Möglichkeit“, beklagt der Jäger. Das Entsorgen von kleineren Mengen Grünabfall ist auf dem Kompostplatz Drage bis zu einem Kubikmeter kostenlos, ab dann kostet jeder weitere 17 Euro.

Das ist eine vergleichsweise geringe Gebühr. Denn drastisch sind die Bußgelder, die bei einer illegalen Grünfallentsorgung zu zahlen sind. In Niedersachsen werden für einen kleinen Eimer Grünabfall schon 20 bis 40 Euro fällig. Für Anhängerladungen und größere Mengen gehen die Strafen bis 1500 Euro. „Eine ordnungsgemäße Entsorgung sollte selbstverständlich sein“, appelliert Günther Härtel. Er geht davon aus, dass „manche vielleicht auch nicht wissen, dass sie mit illegaler Abfallentsorgung das Leben der Rehe in Gefahr bringen.“

Direkte Totfunde neben dem Kirschlorbeer

Neben den Totfunden im Revier Tönnhausen sind weitere verendete Tiere entdeckt worden. „In den angrenzenden Jagdrevieren lagen ebenfalls tote Rehe. Insgesamt sind es 24 Tiere, die allem Anschein nach an Vergiftungen gestorben sind“, berichtet Härtel. Einige Totfunde gab es im direkten Nahbereich von Kirschlorbeeren. „Eine Ricke und zwei Kitze lagen nicht mal 50 Meter weit weg von den Grünabfällen tot im Gras.“
Trotz der Kontrolle, die mehrfach täglich stattfindet, ist es zu diesen Vorfällen gekommen. Günther Härtel dazu: „Wir fahren mindestens drei Mal am Tag das Revier ab. Mehr können wir nicht tun. Wir müssen jetzt einfach an die Vernunft der Menschen appellieren.“

Von Jan-Hendrik Koch

Hintergrund

Tödliches Kirschlorbeer

Die reifen Kirschen des Lorbeeres schmecken süß, sind allerdings auch bitter im Nachgeschmack. In den Blättern und Früchten der Lorbeerkirsche lagern cyanogene Glykoside. Diese chemischen Substanzen setzen beim Zerkauen der Pflanzenteile Blausäure frei. Kühe, Schafe und Wild gehören immer wieder zu den Opfern von Kirschlorbeerkonsum. Daher ist der Lorbeer zum Bepflanzen von Weiderändern und Koppelzäunen ungeeignet.