Tostedts Dorothee Kröger (im Wurf) versenkte im Derby gegen Hollenstedt 10 Würfe im gegnerischen Gehäuse. (Foto: rin)

Derby war Werbung für den Handball

Mit einem rasanten Handball-Derby begeisterten die Oberliga-Teams aus Tostedt und Hollenstedt ihre Fans. Am Ende trennte man sich leistungsgerecht mit 31:31.

Tostedt. Herzschlagfinale beim Lokalderby: In Tostedt stand die Halle kopf, als die Unparteiischen mit der Schlusssirene auf den Siebenmeterpunkt deuteten. Dorothee Kröger schnappte sich den Ball und verwandelte bombensicher für die Gastgeberinnen zum letztlich sportlich wohl gerechten Endstand von 31:31 (18:14) im Oberliga-Derby gegen Hollensdtedt.

Was für den MTV ein gewonnener Punkt war, war für die Gäste natürlich genau das Gegenteil. „Diese Führung darfst du schon auch durchbringen“, meinte Hollenstedts Coach Thorsten Wrobel nach dem Abpfiff. „Aber letztlich fiel der Anschlusstreffer zum 30:31 für Tostedt zu früh.“ Sein Team kam dadurch zwar noch einmal in Ballbesitz. Im Zeitspiel zog Wrobel die Grüne Karte just in dem Moment, als sich Nantke Ackmann, A-Jugendliche mit Doppelspielrecht vom Buxtehuder SV, durchgetankt und erfolgreich abgeschlossen hatte. Doch das Time-out-Zeichen ertönte, bevor der Ball im Tor war. Pech!

Nur 20 Sekunden für den Ausgleich

Direkt nach der Auszeit blieben Hollenstedt nur noch zwei Pässe. Die Mauer formierte sich zum Schild für die lange Buxtehuderin, die den Ball gegen den Pfosten ballerte. Tostedt hatte also noch knapp 20 Sekunden für den Ausgleich. Sarah Völckers setzte fünf Sekunden vorm Ende ihre ganze Routine auf Rechtsaußen ein und holte eine Zeitstrafe gegen Hollenstedt raus. Sie passte den anschließenden Freiwurf auf Natalie Mencke, die die plötzlich völlig frei stehende Kreisläuferin Friederike Kröger bediente: „Rieka“ Kröger konnte nur noch unfair gebremst werden, so dass die Unparteiischen direkt auf Strafwurf entschieden. „Dodo“ Kröger bewies Nerven aus Drahtseilen.

Selten war ein Derby zwischen beiden Teams so rassig und von hohem Tempo geprägt wie dieses Spiel. Beide Mannschaft zeigten Handball auf gutem Oberliga-Niveau, setzten über 50 Minuten auf flottes Angriffsspiel und begeisterten mit feinen Torabschlüssen. Dabei nahm die Partie mehrmals rasante Wendungen.
Denn den besseren Start erwischte Hollenstedt. 3:1 und 6:4 legte die Gäste vor, die zunächst auch über eine gute Abwehr punkteten: Immer wieder konnten die halben Verteidigerinnen Tostedts Mitte massiv und früh attackieren und den Spielfluss unterbrechen. „Doch urplötzlich haben wir das richtige Timing verloren“, urteilte Wrobel.

Pause hat MTV aus dem Tritt gebracht

Tostedt drehte das Spiel auf 13:10. Hatte in der Anfangsphase noch Hollenstedts Sandra Nickel mit erstklassigen Schlagwürfen und gutem Auge das Spiel diktiert, so spielte nun Tostedts Justine Daniel ihre unglaubliche Antrittsschnelligkeit aus, markierte Kontertore, eroberte aber auch lange Abwürfe des TuS in der Rückwärtsbewegung. Zudem erwischte Tostedts Dorothee Kröger einen glänzenden Tag und brach mehrfach über die Halbposition durch. Die Vorarbeit leistete dafür Tostedts rechte Angriffsseite, die Hollenstedt nicht sauber stoppen konnte, sodass der Ball noch weitergepasst werden konnte.

„Die Pause hat uns ein bisschen aus dem Tritt gebracht“, fand MTV-Trainerin Catrin Köhnken nach der Partie. Der Vier-Tore-Vorsprung vom 18:14 schmolz schnell, weil Hollenstedt nun über den Rückraum traf: Sowohl Laura Nickel als auch Anna-Lena Herrmann, die auf halbrechter Position mit starken Schlagwürfen in die kurze Ecke abzog, tauten auf.

Bis eine Viertelstunde vor Schluss behauptete Tostedt noch die knappe Führung, doch Mia Leun traf vom Kreis zu 26:26-Ausgleich. Da halfen auch die zwei letzten Auszeiten von Tostedt innerhalb von fünf Minuten wenig: Hollenstedts Nantke Ackmann besorgte die 28:27-Führung. Aber selbst eine Zwei-Tore-Führung zum 31:29 eine gute Minute vorm Abpfiff sollte dem TuS letztlich nicht zum Sieg reichen.

Handball mit höchstem Unterhaltungswert

„Das war sicher Handball mit höchstem Unterhaltungswert für die 100 zugelassenen Zuschauer“, waren sich beide Trainer einig. Beiden Teams war die Freude am Spiel volle 60 Minuten anzumerken, beide glaubten an das Mögliche und zeigten tolle Körpersprache. Hollenstedt bleibt damit in diesem Jahr ungeschlagen und warf zum dritten Mal über 30 Buden. Und auch mit Tostedt dürfte weiter zu rechnen sein.

Für Tostedt trafen Dorothee Kröger (10/5), Sarah Völckers und Justine Daniel (je 7) am besten. Bei Hollenstedt waren Sandra Nickel (7), Anna-Lena Herrmann (5) sowie Vanessa Wolter, Laura Nickel und Mia Leun (je 4) am erfolgreichsten.

Von Kathrin Röhlke