Die Autohäuser in Winsen und Umgebung fühlen sich weiter gebraucht. Der Showroom bleibt erhalten. (Foto: dre)
Die Autohäuser in Winsen und Umgebung fühlen sich weiter gebraucht. Der Showroom bleibt erhalten. (Foto: dre)

Eine Branche im Wandel

Die Autohäuser im Raum Winsen sehen die Veränderung und wollen sie annehmen.

Winsen/Wulfsen. Die Autohäuser der Luhe-Stadt waren mal mehr. Opel Rüdiger machte schon vor mehr als zehn Jahren zu, in der jüngeren Vergangenheit schlossen noch die Betriebe Fuhrmann (Kia und Seat) und Klapperstück (Nissan). Letzterer ist noch als Werkstatt aktiv. Müssen die Winsener um die verbliebenen Händler fürchten und werden diese überhaupt noch benötigt? Oder liegt es wie bei so vielen an der Pandemie? Doch auch der Online-Handel in der Kfz-Branche befindet sich im Aufschwung. Der WA hat bei den Häusern nachgefragt.

Vorbereitung auf Veränderungen

Ralf Maack ist Inhaber von Opel Maack in Wulfsen und macht sich Gedanken: „Die neue Generation kauft anders. Das Kaufverhalten verlagert sich mehr ins Internet.“ Und der Online-Handel habe natürlich seine Vorteile für die Kunden. Preise seien niedriger, da die Händler keinen teuren Showroom unterhalten müssten. „Der Nachteil ist natürlich die Preistreiberei, aber das ist ja nicht nur bei Autos so“, sagt Maack. Der 43-Jährige mache seinen Job gerne. „Ich will das noch lange machen, doch läuft das in zehn Jahren noch so wie heute?“ Ralf Maack hat keine Panik, möchte aber vorbereitet sein: „Opel hat ja schon die Prospekte abgeschafft. Also können Kunden sich die Autos vorab nur im Internet ansehen, das geht schon alles in die Richtung.“ Das neue Elektro-Modell von Opel sei jedenfalls nur online zu erwerben.

Kontakt auch während der Pandemie

Andere, wichtigere Probleme als der Online-Handel seien für seinen Betrieb Lieferprobleme und die Verkehrswende. „Es ist immer irgendwas. Zuerst Corona, dann versperrt der Frachter da den Suez-Kanal und hier kommt nichts an.“ Mittlerweile seien die Modelle wieder lieferbar, doch hier und da fehlen Ersatzteile. „Die wenig durchdachte Sache mit den E-Autos ist auch schwierig. Wenn man zu viele Verbrenner verkauft, muss Strafe gezahlt werden“, moniert Maack und spielt auf den sogenannten CO2-Flottenwert an.

Auch Maik Radloff von B&K Winsen sieht den Online-Handel insgesamt skeptisch, aber generell nicht wirklich als Konkurrenz. „Unsere Kunden suchen den persönlichen Kontakt und Beratung.“ So sei auch 2021 das erfolgreichste Jahr der ganzen B&K-Gruppe gewesen. „Wir waren während der gesamten Pandemie für unsere Kunden da. Haben auf Vertrauensbasis Probefahrten ermöglicht – mit kontaktloser Schlüsselübergabe. Das hat sich ausgezahlt“, resümiert der Chef des BMW-Autohauses. Auch Neuwagen habe der Betrieb kontaktlos zu den Kunden vor die Haustür geliefert. „Die Einweisung erfolgte dann im 3D-Livestream.“ Zwischenzeitlich habe es wie überall die Lieferprobleme gegeben, doch der Hersteller habe flexibel reagiert. „Gewisse Ausstattungen sind momentan nicht erhältlich, doch dafür können wir Liefertermine garantieren. Das kommt gut an.“

Trend zur Digitalisierung

„Wir wollen uns nicht beklagen. Wir sind sehr gut aufgestellt“, sagt Corinna Wolperding. Die Geschäftsführerin von Wolperding Automobile in Winsen versichert, dass ihr Unternehmen insgesamt gut durch die Pandemie gekommen sei. „Wir waren immer erreichbar und unsere Werkstatt hatte die ganze Zeit geöffnet.“ Als Lieferzeit für klassische Verbrenner gibt sie drei Monate an. Das sei normal. „Der Trend geht auch bei uns zur Digitalisierung. Es gibt aber die Zusage von VW, dass dies Seite an Seite mit uns umgesetzt werde.“ Die Kundenzufriedenheit steht da ganz oben. Käufer würden sich zwar schon gerne vorab online informieren. „Aber der letzte Tick passiert hier bei uns. Sie wollen das Auto ja auch fahren und das geht nur hier“, weiß Wolperding.

Veränderung werde es immer geben, hat es immer gegeben. Und auch wenn viele gerne das Internet nutzen, ist Corinna Wolperding sich doch sicher: „Es kommen wieder Leute nach, die uns brauchen werden.“

Von Andreas Urhahn