Der Container füllt sich schnell: Vorarbeiter Christian Schröder (Mitte) und sein Team kommen beim Müllsammeln in Winsen kaum hinterher. An sechs Tagen ist der städtische Bauhof mittlerweile an den neuralgischen Punkten unterwegs. (Foto: tm)
Der Container füllt sich schnell: Vorarbeiter Christian Schröder (Mitte) und sein Team kommen beim Müllsammeln in Winsen kaum hinterher. An sechs Tagen ist der städtische Bauhof mittlerweile an den neuralgischen Punkten unterwegs. (Foto: tm)

Die Schattenseiten des Homeoffice

In Winsen wächst der Ärger über die zunehmende Vermüllung der Stadt. Bauhof jetzt auch sonntags im Einsatz.

Winsen. Es ist gerade mal 9.30 Uhr am Vormittag. Doch auf der Ladefläche des Pritschenwagens, den Andreas Prokopp gerade auf den städtischen Bauhof steuert, stapeln sich bereits die Müllsäcke. Einen nach dem anderen entsorgt das Team um Vorarbeiter Christian Schröder in einem großen Container. Dann geht es wieder los, auf „Müllstreife“. Denn die Stadt beklagt immer mehr Müllsünder und -berge. Und so rücken die Einsatzteams des Bauhofs ab sofort auch sonntags aus, um den Dreck zu beseitigen, den andere Menschen einfach so irgendwo hingeworfen haben.

Ein Brennpunkt ist der Luhespielplatz

Überquellende Container, zerschlagene Flaschen, wild abgelagerter Sperrmüll und achtlos weggeworfene Kaffeebecher – die Vermüllung von Innenstädten ist keine Winsener Besonderheit, sondern vielmehr bundesweit zu beobachten. Und die Städte müssen immer mehr Steuergelder in die Reinigung von Plätzen und Straßen investieren. Die Stadt hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um das Müllchaos nicht ausarten zu lassen. „Wir haben da unsere Hotspots, wo wir besonders häufig tätig werden müssen“, schildert Bauhofleiter Ronny Bäumer.

Ein besonderer Brennpunkt ist da der Luhespielplatz, auf dem Glasscherben und weggeworfene Verpackungsreste längst zum Alltag gehören. Dieses Gelände zu vermüllen, scheint für manche Gruppen längst zum „Alltagssport“ geworden zu sein. Weitere Problembereiche sind die Industriegebiete, in denen Lkw-Fahrer übernachten und dort zum Teil auch ihre Notdurft verrichten, sowie die Osttangente, auf der Verkehrsteilnehmer ihren Müll einfach aus dem Fenster werfen.

Tatort-Reiniger auch sonntags im Einsatz

500 Mülleimer und rund 50 Hundetoiletten fährt das Team des Bauhofs regelmäßig ab. Bis zu 20 Container voll mit Hausmüll kommen so jährlich zusammen, die von der Stadt entsorgt werden müssen. Oftmals gibt es auch Beschwerden über überquellende Mülleimer. „Das liegt aber zum Teil daran, dass Anlieger einfach ihren Hausmüll darin entsorgen“, sagt Bäumer. Dazu kommen die Bauarbeiten in der Fußgängerzone, durch die die Zahl der Mülleimer vorübergehend reduziert werden musste. Um der „Vermüllung“ entgegen zu wirken, war 2019 die Schnelle Einsatzgruppe installiert worden. Diese so genannten „Tatort-Reiniger“ kontrollieren hochfrequentierte Plätze in Winsen und beseitigen dort den Müll. Seit vergangenem Wochenende sind sie jetzt auch sonntags im Einsatz.

Illegale Entsorgung im Portal melden

Die Corona-Pandemie ist nach Einschätzung der Stadtverwaltung neben dem geänderten Alltagsverhalten einer der Hauptgründe für das erhöhte Abfallaufkommen, das sich unter anderem auch beim Sperrmüll abbildet. Homeoffice und mehr Zeit zu Hause hätten den privaten „Müllausstoß“ in die Höhe getrieben. Hinzu komme eine immer mehr um sich greifende Unsitte namens „Littering“, also das Wegwerfen von Abfällen im öffentlichen Raum oder das Liegenlassen von Müll, anstatt die dafür vorgesehenen Mülleimer zu nutzen. Ein Trend, der auch Bürgermeister André Wiese gewaltig stinkt. „Unsere Stadtreinigung leistet viel, um für ein sauberes Winsen zu sorgen. Erfolge werden sich aber nur einstellen, wenn jeder Einzelne einen Beitrag zur Sauberkeit leistet“, lautet sein Appell.

Wer illegale Müllplätze oder auch Verursacher melden will, kann dies rund um die Uhr im so genannten Bürgertipps-Portal der Stadt unter buergertipps.winsen.de tun.

Von Thomas Mitzlaff