Um die Erweiterung der Kiesabbauflächen bei Tangendorf, Wulfsen und Garstedt gibt es Streit zwischen der Samtgemeinde und der Bürgerinitiative Auetal. (Foto: Archiv)

Salzhausen: Dialog über Kiesabbaugebiete auf der Kippe

Ende des Dialogs? Salzhausens Samtgemeindebürgermeister Wolfgang Krause ist unzufrieden mit dem Ton, den die Bürgerinitiative Auetal auf ihrer Homepage anschlägt. Jetzt droht er, den Dialog über die Kiesabbaugebiete abzubrechen.

Salzhausen/Tangendorf. Seit Monaten wird um den Kies gestritten. Doch geht es in der Samtgemeinde Salzhausen nicht um den Kontostand der Beteiligten, sondern um den Rohstoff in der Erde. Seit mehr als 20 Jahren baut die Firma Lütchens in Bereichen bei Tangendorf und Wulfsen und Garstedt Kies ab, der in unzähligen Bauprojekten unabdingbar ist. Seit bekannt wurde, dass der Betrieb nun 185 Hektar Abbaufläche erschließen möchte, ging die Bürgerinitiative (BI) Auetal dagegen an (WA berichtete).

Seither trafen sich Vertreter der betroffenen Kommunen, der Samtgemeinde und der BI zu Gesprächsrunden, die jedoch – spätestens seit der Sitzung des Samtgemeinderats in der vergangenen Woche – als relativ ergebnislos betrachtet werden dürfen.

Familienbetrieb möchte Zukunft sichern

Was war passiert? Wolfgang Krause echauffiert sich im WA-Gespräch über die Art und Weise der Bürgerinitiative Auetal, die über den Dialog auf ihrer Internetseite www.dieaue.de berichtet: „Vor einem Jahr haben wir ein Dialogverfahren eröffnet, in Gesprächsrunden unter durch Corona erschwerten Bedingungen.“ Es sollten Befürchtungen der Bürgerinnen und Bürger zerstreut werden, dass „Ruinen“ hinterlassen würden.

„Die handelnde Firma ist ein kleiner Familienbetrieb, der dort seine Zukunft absichern möchte“, erklärt der Bürgermeister der Samtgemeinde Salzhausen weiter. Die aus seiner Sicht konstruktiven Gespräche würden jedoch regelmäßig auf der BI-Homepage zynisch erläutert und auch Mitarbeiter des Rathauses angegriffen, so der Verwaltungschef.

Auf der jüngsten Ratssitzung habe Krause die Problematik wie er sie sieht, angesprochen und klar gemacht, was das für Folgen haben kann. „Wir haben darauf hingewiesen, dass das überhaupt nicht zielführend ist. Wenn das in 14 Tagen nicht aufhört, dann stelle ich den Dialog ein!“ Diese Worte sprach der Rathauschef am vergangenen Donnerstag. Insgesamt würde durch die BI ein sehr emotionales Horrorszenario gezeichnet, das die Wirklichkeit nicht widerspiegele.

BI dankt dem Bürgermeister

Johannes Bünger von der BI kann sich auf Anfrage des WA ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Wir sind Herrn Krause sehr dankbar, dass er uns so aus der Winterpause geholt hat.“ Bünger berichtet, der Bürgermeister habe für jedes Ratsmitglied einen Ausdruck der BI-Kolumne zur Verfügung gestellt. Mit der Kolumne ist eine Veröffentlichung mehrerer Texte über die eigene Homepage gemeint, in der die BI Stellung bezieht.

Diese ist in der Tat mit einigen Seitenhieben und leicht spöttischem Unterton verfasst, was Johannes Bünger aber entschieden verteidigt: „Ich bin ja selbst Journalist und so eine Kolumne darf ein paar Ecken und Kanten haben.“ Ohne den Einsatz Wolfgang Krauses hätte diese auch nicht den jetzigen Bekanntheitsgrad, so der BI-Sprecher. „Letztlich war das Werbung für uns.“

Darüber hinaus sagt Bünger: „Wir haben gar nichts gegen Kiesabbau im Allgemeinen, aber die geplante Dimension ist fragwürdig. Bei Wulfsen soll dafür das letzte Stück Wald verschwinden.“ Für den Tangendorfer steht fest, dass die Landschaft und die Lebensqualität der Einheimischen extrem darunter leiden würden. Zumal sich außerdem in der Mitte zwischen den geplanten Abbaugebieten ein sogenanntes Flora-Fauna-Habitat (FFH) befinde, das unter besonderem Schutz stehe. „Herr Krause behauptet, wir würden grundlos Panik verbreiten, doch die Folgen eines so extremen Eingriffs sind nicht ausreichend untersucht.“

Von Andreas Urhahn