Niklas Keßler leitet das Co-Working-Space-Projekt Freiraum in Winsen. (Foto: rin)

Co-Working: Die Arbeitsplätze der Zukunft

Es ist ein Modell, das in Homeoffice-Zeiten noch einmal einen Schub erhalten hat: Arbeitgeber mieten bei externen Anbietern Büros an. Erstmals gibt es diese Bürogemeinschaften jetzt auch in Winsen.

Winsen. Die Arbeitswelt hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt. Das hat die Stadt Winsen schon 2019 erkannt. „Da war von Corona noch keine Rede“, erinnert sich Bürgermeister André Wiese jetzt in der Winsener St.-Georg-Kapelle. Aber man habe sich schon damals mit neuen Organisationsformen moderner Arbeit beschäftigt. Ein Resultat dieser Überlegungen ist nun Realität geworden: Im alten Fachwerkhaus an der St.-Georg-Straße und in der angrenzenden St.-Georg-Kapelle eröffnet am 1. April der Co-Working-Space Freiraum.

Dass der Teilchenbeschleuniger Pandemie gerade die Arbeitswelt umgekrempelt hat, ist heute längst klar. Fortschreitende Digitalisierung gibt den nächsten Ausschlag dafür, dass längst nicht mehr jeder jeden Tag in Präsenz im Büro sitzen muss. Homeoffice war die letzten beiden Jahre für viele die Lösung, die allerdings häufig mal so gar nicht ins häusliche Umfeld mit Familie und Raumnot passte. Co-Working-Spaces zeigen neue Wege: Angeboten werden moderne Arbeitsplätze in Bürogemeinschaften mit allem, was dazu gehört wie Teeküche, Toiletten, Seminarräumen und jeder Menge Ansprechpartnern – für technische Probleme, interdisziplinären Austausch oder nur so zum Klönschnack.

Unternehmen bereits in Lüneburg vertreten

Das Unternehmen Freiraum weiß, wie Co-Working-Spaces funktionieren. Seit zehn Jahren bietet es Büroräumlichkeiten in Lüneburg an. Mitarbeiter Niklas Keßler ist mit der Projektleitung für Winsen beauftragt, der ersten Zweigstelle der Lüneburger.

In Winsen bietet Freiraum 18 Arbeitsplätze, ausgerüstet mit High-Speed-Internet, an, davon acht in geschlossenen Räumen. 15 weiteren Personen kann Freiraum im Obergeschoss Arbeitsbereiche stellen. Dazu gibt es Seminarräume für verschiedene Gruppengrößen, bis zum 80 Personen finden Platz in der dazugehörigen Kapelle. Die Arbeitsplätze werden vermietet – entweder für halbe oder ganze Tage oder auch längerfristig.
Geöffnet ist Freiraum Winsen von 9 bis 18 Uhr. „Solange ist auch unser Concierge vor Ort, der bei Fragen unterschiedlichster Art weiterhilft“, berichtet Keßler. Wer langfristig mietet, hat sogar rund um die Uhr Zugang zu seinem Arbeitsplatz bei Freiraum. Interessierte müssen zunächst noch über die Homepage ihren Arbeitsplatz mieten, angestrebt ist aber die Buchung über eine App.

Anfragen sind bereits vorhanden

Und die Nachfrage? „Momentan haben wir vier Plätze vermietet. Anfragen waren aber schon deutlich mehr da. Viele wollten flexibel reagieren, abwarten bis wir wirklich geöffnet haben. Und unsere Plakatkampagne in der Stadt läuft ja auch erst an“, erzählt Niklas Keßler. Wegen der Bahnhofsnähe sei der Co-Working-Space in Winsen nicht nur für Menschen aus dem Stadtbereich interessant. „In Lüneburg sind wir an der Kapazitätsgrenze. Von daher ist Winsen auch für Leute von dort durchaus interessant“, sagt Keßler.

Die Erfahrungen in Lüneburg bringen die Freiraum-Macher auch in Winsen mit ein. Durch Co-Working-Spaces können sich Arbeitnehmer und Selbstständige aus der Arbeitsisolation durch das Homeoffice befreien. „In Lüneburg haben sich fast familiäre Bürogemeinschaften gebildet, die immer an den gleichen Wochentagen zusammen da sind. Der Synergieeffekt des firmen- und disziplinübergreifenden Arbeitens hat einen absoluten Mehrwert. Man kann sich problemlos austauschen, bekommt schnell neuen Input. In Lüneburg haben wir beispielsweise einen Fotografen und Webdesigner im Freiraum. Die stehen anderen immer gerne mit kreativen Ideen zur Seite“, schildert Keßler den Büroalltag in einem Co-Working-Space.

„Zukunftsräume Niedersachsen“

Realisierung über Förderprogramm

Zur Eröffnung von Freiraum Winsen waren nicht nur Winsens Bürgermeister André Wiese und CDU-Landtagsabgeordneter André Bock anwesend, sondern auch Staatssekretär Matthias Wunderling-Weilbier kam aus Hannover. Denn das Land hatte maßgeblichen Anteil an der Realisierung des Co-Working-Space: Über das Programm „Zukunftsräume Niedersachsen“ erhielt Winsen eine Förderung in Höhe von 300 000 Euro.

Für dieses niedrigschwellige Programm bedankte sich Bürgermeister Wiese gleich doppelt beim Staatssekretär – einmal dafür, dass Winsen überhaupt bedacht wurde, dann dafür, „dass es uns mithilfe fachlicher Unterstützung Dinge frei denken ließ“, betonte Wiese.

Wunderling-Weilbier erklärte, dass das Programm kreative Prozesse und innovative Konzepte unterstützen wolle und Zuschüsse relativ unbürokratisch zu beantragen sind. Denn: „Corona hat wie ein Brennglas gewirkt. Insbesondere im ländlichen Räum haben sich die Herausforderungen an die Arbeitswelt dramatisch verschärft“, unterstrich der Staatssekretär. Und er teilte ein Lob an das Team im Winsener Rathaus aus: „Es ist eine sehr mutige Entscheidung von Ihnen, in eine kleine Stadt wie Winsen einen Co-Working-Space zu implementieren.“

Von Kathrin Röhlke