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Es braucht Platz für die Flüchtlinge aus der Ukraine: Im Helbach-Haus in Meckelfeld soll der Betrieb demnächst starten, den Aufbau haben die Johanniter übernommen. (Foto: Johanniter)

Geflüchtete aus der Ukraine: Die nächste Herausforderung

Die Kreisverwaltung kommt angesichts der zahlreichen Ukraine-Flüchtlinge personell an ihre Grenzen. Laut Zuweisung des Landes werden jetzt weitere etwa 400 Flüchtlinge erwartet. Sporthallen werden mit Betten ausgerüstet.

Hittfeld. Der Bericht des Landrats beim Kreistag in der Burg Seevetal in Hittfeld war bestimmt von der Ankunft Geflüchteter aus der Ukraine. 1099 Menschen seien erfasst worden, 699 davon sind bereits bei der Kreisverwaltung in der Abteilung Migration registriert, so Rainer Rempe. 421 Flüchtende wurden dem Landkreis zur Unterbringung zugewiesen, rund 130 Menschen werden in den kommenden Tagen erwartet.

Rempe dankte insbesondere dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und den Johannitern für ihren Einsatz sowie den Städten und Kommunen für die gute Zusammenarbeit. Insgesamt gebe es im Kreisgebiet rund 640 Angebote zur Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge, wodurch mehr als 2000 Plätze zur Verfügung stünden.

Kreisverwaltung benötigt zusätzliches Personal

In Winsen werde die Stadthalle gerade zu einem lokalen Ankunftszentrum aufgebaut. Weitere Ankunftszentren sind die Schützenhalle in Buchholz sowie das Helbach-Haus in Meckelfeld. Dort allerdings starte der Betrieb erst demnächst, so Rainer Rempe.

In Neu Wulmstorf könne das ehemalige Seniorenheim am Marktplatz zur Unterbringung der Flüchtlinge genutzt werden. Rund 230 Plätze stünden dort zur Verfügung. Ein Bettenlager gebe es in der Sporthalle der Berufsbildenden Schulen in Winsen, ein weiteres sei geplant in der Sporthalle der Ernst-Reinstorf-Schule in Marschacht.

Gesundheitsamt nach wie vor hoch belastet

Die ohnehin bereits herausfordernde Lage würde noch erschwert durch die nach wie vor hohen Corona-Zahlen im Landkreis, das Gesundheitsamt sei hoch belastet. Die Kreisverwaltung benötige zusätzliches Personal, denn auch die Abteilungen Migration und Gebäudewirtschaft kämen jetzt an ihre Grenzen, so Rempe.

Tostedts Bürgermeisterin Nadja Weippert (Grüne) berichtete davon, dass die ehrenamtlichen Helfer an ihre Grenzen kämen. Zu wünschen wäre ein Schulungsangebot für diese Menschen. Zudem erklärte Weippert, dass die Gemeindeverwaltung Formulare für die Kriegsflüchtlinge in Ukrainisch übersetzt habe und schlug dies auch für den Landkreis vor.

Reiner Kaminski, in der Kreisverwaltung Leiter des Fachbereichs Soziales, erklärte, dass es einmal pro Woche mit festen Ansprechpartnern bei den Gemeinden einen Austausch zur aktuell Situation gebe. Auch an der Übersetzung ins Ukrainische arbeite man, da es beim Landkreis unterschiedliche Formulare gebe.

Rundum-Versorgung für ankommende Flüchtlinge

Kaminski schilderte auch das Verfahren für die Flüchtlinge. Diese würden nach der Zuweisung in Buchholz und einer ein- bis zweitägigen Rundum-Versorgung auf die freien Wohnungen verteilt. Eine Schwierigkeit bestehe darin, passende Wohnverhältnisse zu finden, da die Auskünfte zu Größe und Ausstattung der Wohnungen oft ungenau seien.

Das DRK regelt im Landkreis die Wohnraum-Vermittlung. Jan Bauer, Kreistagsabgeordneter für die CDU und DRK-Vizepräsident im Landkreis, gab an, dass man noch etwas Zeit brauche bei Aufnahme und Unterbringung der Flüchtlinge. In einigen Tagen würden die Abläufe funktionieren.

Nadja Weippert fragte nach, ob von Bund und Land finanzielle Unterstützung bei der Flüchtlingshilfe der Kommunen zu erwarten sei. Landrat Rainer Rempe berichtete, dass eine Finanzierung kommen solle, Personalkosten würden allerdings nicht erstattet. Die Kreisverwaltung erwarte zudem, dass man sich noch lange mit der Hilfe für Flüchtlinge aus der Ukraine und den finanziellen Auswirkungen beschäftigen werde. Dies würde sich auch auf den Haushalt für 2023 auswirken. Im Ansatz steht da momentan ein Minus von rund 2,9 Millionen Euro.

Von Björn Hansen