Die Stadtwerke Winsen wollen beim Betrieb des Freizeitbades „Die Insel“ künftig sechs bis acht Prozent Energie einsparen. (Foto: dre)
Die Stadtwerke Winsen wollen beim Betrieb des Freizeitbades „Die Insel“ künftig sechs bis acht Prozent Energie einsparen. (Foto: dre)

Gradwanderung auf der Insel

Stadtwerke senken Becken- und Außentemperaturen im Freizeitbad. Eine Sauna im Sommer geschlossen.

Winsen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat der Bundesrepublik deutlich vor Augen geführt, wie abhängig das ganze Land von Energielieferungen vom aktuellen Aggressor ist. Vor allem ist Erdgas betroffen, das in ganz Deutschland zum Heizen und zur Stromerzeugung eingesetzt wird. Seit Beginn der Invasion im Februar gehen die Preise durch die Decke, sodass Privatleute und Unternehmen ihr Einsparpotenzial auf Herz und Nieren prüfen müssen. Die Stadtwerke Winsen haben als Reaktion deshalb die Temperaturen im Winsener Freizeitbad „Die Insel“ verringert.

Die Besucher soll es nicht stören, hofft man beim Grundversorger der Luhestadt. Was erstmals im Rahmen der Auftaktveranstaltung zur Fortschreibung des Winsener Klimaschutzkonzeptes am 26. April durch den Geschäftsführer Hans-Georg Preuß angekündigt wurde, ist mittlerweile umgesetzt.

Warten auf reale Zahlen

Das Sportbecken (von 28 auf 27 Grad), Lehrschwimmbecken (von 32 auf 31 Grad), der Whirlpool und das Warmbecken (von 35 auf 34 Grad) sowie das Kinderbecken (von 33 auf 32 Grad) wurden je um einen Grad Wassertemperatur abgesenkt. Im Außenbecken kommt der Schritt noch drastischer – statt der bisherigen 32 Grad müssen Badegäste sich nun mit 28 Grad zufriedengeben. Dieser Schritt liegt wohl darin begründet, dass Wärmeverluste außerhalb geschlossener Gebäude weit höher zu Buche schlagen.

„Wir gehen von einer Einsparung von insgesamt sechs bis acht Prozent an Energiekosten aus. Die realen Zahlen werden wir erst am Ende des Abrechnungszyklus wissen“, erklärt Pressesprecher Markus Laudahn auf Nachfrage des WA. Der Leiter Marketing und Vertrieb versicherte außerdem, dass noch keine Beschwerden von Gästen bekannt geworden seien. Auch auf der Homepage des Badebetriebes wird über die Sparmaßnahmen informiert: „Diese Maßnahme wird für Sie und Ihre Familie beim nächsten Inselbesuch kaum spürbar sein. Sie schränkt das Wohlbefinden von Besucherinnen und Besuchern nicht ein, hilft uns jedoch gemeinsam Energie zu sparen – unmerklich, aber wirkungsvoll“, steht dort zum Beispiel geschrieben.

Zum Ausgleich belässt das Unternehmen die Regulierung nicht auf die Becken beschränkt, sondern steuert weiter nach: „Da die Lufttemperatur in der Regel zwei Grad über der Wassertemperatur liegen sollte, verringern wir sie im gesamten Gebäude um einen Grad“, steht im Online-Auftritt geschrieben. Als ergänzende Maßnahme sei seit dem 15. Mai die die gasbetriebene Banja-Sauna geschlossen. Eine Nutzung des Angebots wird vor dem 16. September nicht mehr möglich sein.

Stadtwerke sehen weitere Einsparpotenziale

„Darüber hinaus planen wir bis Herbst 2022 die Anschaffung einer Abdeckung über dem Außenbecken. Da die Verdunstung von der Wasseroberfläche in diesem Anlagenteil besonders groß ist, können hier entsprechend große Mengen an Wärmeenergie eingespart werden“, gibt Laudahn noch einen Ausblick auf die nahe Zukunft. Ob und wie sehr sich diese Investitionen und Maßnahmen für Betrieb und Kunden lohnen werden, bleibt abzuwarten.

Von Andreas Urhahn