Die Regionalliga-Fußballerinnen des VfL Jesteburg haben es geschafft: NFV-Frauenausschussvorsitzende Karen Rotter (links) und Pokalspielleiter Thomas Eilers überreichten erstmals den Landespokal an Mannschaftsführerin Laura Jungblut (hinten, Mitte), die die gläserne Trophäe in die Höhe reckt.
Die Regionalliga-Fußballerinnen des VfL Jesteburg haben es geschafft: NFV-Frauenausschussvorsitzende Karen Rotter (links) und Pokalspielleiter Thomas Eilers überreichten erstmals den Landespokal an Mannschaftsführerin Laura Jungblut (hinten, Mitte), die die gläserne Trophäe in die Höhe reckt. (Foto: Olaf Hübner)

DFB-Pokal, wir kommen!

Jesteburgs Regionalliga-Fußballerinnen gewinnen erstmals den Niedersachsenpokal! Der 3:1-Finalerfolg bedeutet den Einzug in den DFB-Pokal.

Jesteburg. Im fünften Anlauf hat es endlich geklappt. Die Fußball-Frauen des VfL Jesteburg haben zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den Niedersachsenpokal gewonnen und ziehen damit in die erste Runde des DFB-Pokalwettbewerbes ein. Das Team setzte sich am Sonnabend in Barsinghausen mit 3:1 (2:0) im Finale gegen Oberligist FC Geestland durch.

Den ersten Gänsehautmoment erlebten die Regionalliga-Fußballerinnen des VfL schon vorm Anpfiff. Trainer Marcel Hagemann hatte eine Audiodatei zusammengeschnitten, die er in der Kabine abspielte. „Ich habe Stimmen von Fans und anderen Teams aus dem Verein gesammelt, die uns ihre besten Wünsche mit auf den Weg gegeben haben“, erzählte der Coach. Es war der ultimative Motivationsschub für seine Elf, die vom Anpfiff weg fokussiert in die Begegnung ging. „Klar hat man die Anspannung gespürt, aber eben auch die Überzeugung, dass wir heute mal dran sind“, sagte Hagemann.

Auf dem großen Platz in Barsinghausen wählte der VfL eine offensive Spielweise. In den ersten 20 Minuten liefen die Jesteburgerinnen hoch an, zwangen die Gegnerinnen dadurch immer wieder zu Ballverlusten und nutzten die freien Räume, um selbst gefährlich zu werden. Die frühe Führung (11. Minute) war die logische Konsequenz der starken VfL-Anfangsphase: Nach einer Kombination durchs Mittelfeld folgte der Pass auf Lina Appel, die an ihrer Gegenspielerin vorbeizog und von halblinks zum 1:0 einschob.

„Das war stark gespielt“

Für das 2:0 nutzte Nele Heins einen Fehler im Aufbauspiel der Geestländerinnen. Sie eroberte den Ball, sah, dass die gegnerische Keeperin zu weit vorm Tor stand, und lupfte die Kugel sauber über die Torhüterin (32.). Der VfL war zu diesem Zeitpunkt immer noch feldüberlegen. Vom FC Geestland kam offensiv sehr wenig in Halbzeit eins.

Das Trainerteam um Marcel Hagemann hatte die Mannschaft in der Pause noch gewarnt, trotz der Führung in der Konzentration nicht nachzulassen. Aber direkt nach dem Wiederanpfiff mussten die Jesteburgerinnen das 1:2 schlucken. „Wir haben eine 3:3-Situation vorne schlecht gelöst“, schilderte Hagemann. Geestlands Alicia Kersten bekam den Ball, legte ihn über VfL-Verteidigerin Annalena Otto in den Raum und verwandelte (47.). „Das war stark gespielt“, erkannte der VfL-Trainer an.

Doch seine Mannschaft blieb durch Konter weiterhin gefährlich. Weil aber auf beiden Seiten diverse Großchancen ungenutzt blieben, hielt die Spannung bis in die Schlussphase an. Dann erlöste Laura Vetter, die gerade erst für Lina Appel ins Spiel gekommen war, die Jesteburgerinnen in der 88. Minute mit dem 3:1 nach einem Konter. „Ich bin völlig losgelöst aufs Feld zur Jubeltraube meiner Mannschaft gestürmt“, erzählte Marcel Hagemann vom für ihn emotionalsten Moment des Spiels. Wenig später folgte der Abpfiff.

„Die Mädels haben sich diesen Erfolg so verdient“

„Ehrlich gesagt, gingen meine ersten Gedanken in Richtung Gegner. Geestland hat ein starkes Finale und eine unglaublich gute Saison gespielt und ist nur hauchdünn am Regionalliga-Aufstieg gescheitert“, sagte Marcel Hagemann. Aber dann sei er auch schnell bei seinem Team gewesen: „Die Mädels haben sich diesen Erfolg so verdient. Was die Mannschaft in der Rückrunde geleistet hat, ist großartig. Wir standen schon fast mit dem Rücken zur Wand, haben uns aber weder von Corona noch durch Verletzungen aus dem Tritt bringen lassen. Von der Einstellung und der Moral her war das großartig. Der Pokalsieg setzt der Saison die Krone auf.“

„Wir wollten den Pokal unbedingt, und ich bin glücklich, dass wir uns belohnen konnten“, freute sich Mannschaftsführerin und Torhüterin Laura Jungblut direkt nach dem Spiel und gab die Marschroute vor: „Jetzt wird gefeiert bis morgen früh. Das haben wir uns verdient.“

Während das Team sich beim offiziellen Bankett auf die Pokalparty einstimmte, gab es für die 130 mitgereisten Fans draußen ein kleines Grillfest. Das hatte das Team im Vorfeld organisiert. Die Rückfahrt mit den Fans im Doppeldeckerbus war dann Party pur. Im Vereinsheim wurde bis in den frühen Morgen weitergefeiert.

In der kommenden Saison greift der VfL Jesteburg damit in der ersten Runde des DFB-Pokals an. Diese wird auf regionaler Ebene ausgespielt, bevor die Erstligisten in den Wettbewerb einsteigen. Und dann könnten die ganz großen Namen wie VfL Wolfsburg oder FC Bayern München winken.

Von Jan-Hendrik Koch