BU: Eine geforderte Umgehungsstraße bei Erschließung eines Gewerbegebietes zwischen Tangendorf und Thieshope würde bis zur Anschlussstelle der A7 reichen. (Foto: he)
BU: Eine geforderte Umgehungsstraße bei Erschließung eines Gewerbegebietes zwischen Tangendorf und Thieshope würde bis zur Anschlussstelle der A7 reichen. (Foto: he)

Augen zu und durch

Ohne Einigung: Gemeinderat beschließt Gewerbegebiet bei Tangendorf – am Landkreis vorbei.

Toppenstedt. „Wir haben eigene Vorstellungen und wollen das nicht so hinnehmen, wie der Landkreis uns das hingeworfen hat.“ Es waren scharfe Worte, die Benedict Dudda am Dienstagabend auf der Sitzung des Toppenstedter Gemeinderats wählte. „Zahlreiche Verhandlungsversuche haben kein Ergebnis gebracht. Wir wollen jetzt einen Entschluss zur Umsetzung treffen“, erklärte der Sozialdemokrat. Es ging um das mögliche Gewerbegebiet, das die Gemeinde gerne zwischen Tangendorf und Thieshope errichten möchte (WA berichtete). Gefordert ist im Zusammenhang jedoch auch der Bau einer sehr teuren Umgehungsstraße, welche Toppenstedt keinesfalls alleine finanzieren könnte.

Umgehungsstraße bei großer Lösung

„Es ist ein heikles Thema“, begann Bürgermeister Stefan Isermann von der Offenen Liste Toppenstedt/Tangendorf (OLTT) seine Ausführung zur Problematik. In mehreren langen Sitzungen sei über das Thema diskutiert worden, um zu erörtern, wie es weitergehen könnte. „Wir haben mit dem Landkreis gesprochen und deutlich gemacht, dass eine Umgehungsstraße zu teuer ist“, so der Bürgermeister weiter. Die Kostenschätzung von rund 20 Millionen Euro sei zudem zwei bis drei Jahre alt, sodass die tatsächlichen Kosten sehr viel höher sein dürften, erklärte Isermann. „Der Grundstückserwerb für ortsansässige Firmen wäre unmöglich, müssten wir diese Straße mit dem Verkauf der Flächen finanzieren. Handwerker können sich das nicht leisten.“

Das bestätigte Ratsmitglied Thomas Kaiser: „Ich habe das mal ausgerechnet. Wenn wir 20 Millionen Euro auf den Quadratmeterpreis umlegen, kommen 57 Euro pro Quadratmeter raus.“ Das sei ohne Erschließungskosten, so der CDU-Mann. Stefan Isermann ergänzte: „Der Quadratmeterpreis wäre am Ende über 100 Euro. Da wir aber über die Jahre schon gut zwei Millionen Euro an Planungskosten investiert haben, muss jetzt auch mal etwas passieren.“

Hintergrund ist, dass das ins Auge gefasste Gebiet von 45 Hektar zwischen Tangendorf, Thies-hope und A7 zwar im Regionalen Raumordnungsprogramm als „Sondergebiet Logistik“ ausgewiesen ist, das aber nur in Verbindung mit einer Umgehungsstraße, die den Ort Thieshope entlasten soll, entstehen darf. Zumindest in der Größenordnung. Die Gemeinde Toppenstedt legt ihrerseits offenkundig mehr Wert auf die Ansiedlung von heimischem Gewerbe, weniger auf große Logistik-Hallen. Diese wolle jedoch der Landkreis, heißt es einvernehmlich aus dem Rat. Johannes Bünger (ZUSammen) brachte es auf den Punkt: „Der Kreis will Gewerbeflächen schaffen und die Umgehungsstraße komplett darauf umlegen. Doch so eine Entlastung ist für Thieshope schon längst notwendig und kann nicht nur mit dem Gewerbegebiet begründet werden.“

Hoher Bedarf an Gewerbeflächen

Auch der Bürgermeister stellt noch einmal fest: „Der Bedarf an Gewerbeflächen im Landkreis ist hoch, und man will die Abwanderung von Betrieben verhindern.“ Deshalb habe der Gemeinderat einen Forderungskatalog an den Landkreis ausgearbeitet. „Das Plangebiet steht nur zur Verfügung bei einem zugesagten Ausbau der K 6 (zwischen Thieshope und Tangendorf, Anmerkung der Redaktion) mit dem dazugehörigen parallel verlaufenden Radweg zwischen Toppenstedt und Tangendorf, die Kosten werden vom Landkreis Harburg übernommen. Der Radweg soll bis 2025 fertiggestellt werden. Der Landkreis Harburg muss zusagen, dass die Umgehungsstraße nur von der Autobahnabfahrt bis zum Anschluss an die K 6 anteilig durch die Gemeinde Toppenstedt bezahlt werden wird. Der Landkreis Harburg muss sich verpflichten, das notwendige Regenrückhaltebecken an der L 215 nach Erneuerung der Auebrücke zu bezahlen.“

Zudem fordere man, dass mindestens 50 Prozent kleine und mittlere Unternehmen angesiedelt werden und maximal 20 Prozent Logistikbetriebe. Bei einer Gegenstimme wurde im Anschluss das Gewerbegebiet im Fall erfüllter Bedingungen beschlossen. Doch es sollte noch ein Plan B abgestimmt werden.

„Sollte der Landkreis dem nicht bis zum 30. September zustimmen, werden wir ein kleines Gewerbegebiet ganz ohne Logistik mit einfachem Anschluss an die K 6 erstellen“, sagte Stefan Isermann. Auch dieser Antrag wurde bei einer einzigen Gegenstimme vom Gemeinderat beschlossen.

Von Andreas Urhahn