Helmut Beuke ist Leiter der niedersächsischen Waldbrandüberwachungszentrale in Lüneburg. (Foto: t&w)

Es bleibt brandgefährlich

Lüneburg. Die niedersächsische Waldbrandüberwachungszentrale in Lüneburg ist derzeit im Dauereinsatz und verzeichnet einen neuen, traurigen Rekord: Bis Dienstag meldeten die Forstwirte in der Überwachungszentrale mithilfe ihrer Kamera- und Sensortürme 339 Brände in der Region an die Einsatzleitstellen zwischen Elbe und Heide. „Das sind weit über 100 Brände mehr bis Ende Juni als im Trockenjahr 2018“, sagt Leiter Helmut Beuke. 224 waren es damals. „Obwohl wir nicht durchgehend diese extremen Temperaturen haben, sind die Böden total ausgetrocknet. Wir haben lange nicht mehr so eine regenarme Zeit erlebt“, sagt Beuke. Und die brandgefährliche Hochsaison steht erfahrungsgemäß erst noch bevor.
Bereits Ende vergangener Woche war der Waldbrandgefahrenindex des Deutschen Wetterdienstes für den Raum Lüneburg zeitweise auf die höchste Warnstufe fünf hochgegangen. Damit wurde auch der Lüneburger Feuerwehrflieger zur Unterstützung und Überwachung angefordert, war Freitag, Sonnabend und Sonntag in der Luft, berichtet Kreisbrandmeister Torsten Hensel. Am Montag und Dienstag kamen jeweils Alarmstarts hinzu. Am Montag kam es zu einem Waldboden- sowie zu einem Böschungsbrand im Bereich Bad Bevensen. Am Dienstag stellte sich eine mutmaßliche Rauchfahne bei näherer Betrachtung aus dem Flieger als Staubwolke heraus, sagt Hensel. „Aber es bleibt gefährlich und wir sind auf der Hut!“ Für die ehrenamtliche Besatzung des Feuerfliegers waren es somit die ersten fünf Einsatztage in diesem Jahr. Die Waldbrandüberwachungszentrale war am Dienstag seit dem 9. März nun den 70. Tag im Einsatz, ein neuer Höchstwert.

Mehr Einsatztage und
noch mehr Brände

Helmut Beuke sagt: „Voriges Jahr hatten wir im gleichen Zeitraum nur 41 Einsatztage.“ 2020 waren es 62 Tage, 2019 54 und 2018 ebenfalls 62 Einsatztage. Allerdings registrierten die Brandbeobachter auf ihrer Bildschirmphalanx in ihrer Zentrale im Lüneburger Behördenzentrum in den Vorjahren wesentlich weniger Brände in Wald, Feld und Flur. Laut Beuke waren es 2021 mit 116 nicht mal die Hälfte des aktuellen Wertes. 2020 und 2019 waren es 139 beziehungsweise 133 Brände, zu denen die Feuerwehren der Region über die Überwachungszentrale gerufen wurden. Selbst das bisherige Rekordtrockenjahr 2018 beschäftigte die Überwachungszentrale mit 224 Bränden rund 100-mal weniger als die aktuelle Lage.
Beuke berichtet: „Neben dem fehlenden Regen ist die geringe Luftfeuchtigkeit ein weiteres kritisches Element sowie der relativ starke Wind, der die Böden zusätzlich ausgetrocknet. Bereits jetzt ist die Vegetation so weit runtergetrocknet wie sonst Mitte Juli.“ Es gab schon elf Waldbrände, zudem verzeichneten die Experten einige Gras- und Böschungsbrände und zwei Mal ging im Wald eine Holzerntemaschine in Flammen auf. Aber:„Hauptkunde mit rund 60 Prozent aller Brände ist weiterhin das Militär“, sagt Beuke, verteilt auf die Truppenübungsplätze Munster-Nord und -Süd, Bergen sowie den Schießplatz von Rheinmetall.
Die anhaltende Trockenheit verspricht auch für die kommenden Wochen nichts Gutes. Beuke: „Unser zweiter Hauptkunde ist die Landwirtschaft. Das geht richtig los, wenn im Juli die Gerstenernte beginnt.“ Dann könnte wieder vermehrt durch Steinschlag, ausgelöst von den Erntemaschinen, der zündende Funke überspringen und Maschinen- sowie Feldbrände verursachen.
Und auch im Wald ist weiterhin Vorsicht geboten: In Lüneburg galt am Dienstag noch die mittlere Gefahrenstufe 3, im Wendland lag sie beispielsweise bei 4. Auch dorthin richtet die Lüneburger Waldbrandüberwachungszentrale seit Jahren ihre Sensoren und Kameras auf der Suche nach Rauchsäulen während der trockensten Zeit. Zudem arbeitet die Zentrale derzeit daran, die länderübergreifende Brandüberwachung auszubauen. Derzeit stehen den Experten in Lüneburg laut Beuke 17 Türme mit 20 Sensoren zur Verfügung. Künftig sollen die Lüneburger nahe der Ländergrenzen auf weitere Messdaten zugreifen können, hinzukommen sollen so fünf Sensoren in Mecklenburg-Vorpommern, ein Überwachungsturm in Brandenburg sowie vier Standorte in Sachsen-Anhalt. Von Dennis Thomas