Annette Wunsch, Jahrgang 1968, spielt die Rolle Doris Dahlmann. Ihren Text lernt sie gerne mal im Zug. „Wenn nicht gerade wieder ein Sitznachbar sein Handy auf Lauthören gestellt hat, funktioniert das gut“, sagt sie. Erstmals zu sehen ist sie nächsten Freitag. )Foto: be)

Mal Edeldame, mal Metzgerin

Lüneburg. Die Premiere war ergiebig und hinterließ Eindruck. Der Job hatte Annette Wunsch jetzt erstmals nach Lüneburg geführt, ein Engagement bei den Roten Rosen. Doch nach getaner Arbeit blieb auch noch Zeit, ausgiebig die Stadt zu erkunden – inklusive Historie. „Ich war total geflasht von Lüneburg“, beschreibt sie ihre ersten Eindrücke. „Nach Drehschluss habe ich mich auch spontan einer offiziellen Stadtführung durch das Senkungsgebiet angeschlossen.“ Und weil sie auch über die Atmosphäre am Set geradezu ins Schwärmen gerät, bilanziert die Wahl-Münchnerin für ihren Abstecher in den Norden: „Ich habe das richtig genossen.“

An der Seite von
Edgar Selge im „Polizeiruf“

Annette Wunsch spielt Doris Dahlmann, Mutter von Simon, die ihrer ausgebüxten Tochter Charlotte von Düsseldorf aus zum Sohnemann nach Lüneburg folgt, um dort „nach dem Rechten zu sehen“, wie sie selbst sagt. Was genau dabei herauskommt, möchte sie natürlich noch nicht verraten, aber zu ihrer Rolle sagt sie: „Es ist eine spannende Figur, erst mal nicht gleich Sympathieträgerin, aber sehr vielseitig geschrieben: eine extravagante Lady. Das hat mir gefallen, denn ich konnte einige Facetten zeigen. Außerdem spiele ich auch jene Figuren lieber, wo man nicht nur die Liebe sein muss. Das ist meist spannender. Deshalb hat mir die Arbeit bei den Rosen auch eine Menge Spaß gemacht.“

Die gebürtige Schweizerin, die ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart absolvierte, kann auf eine Menge Erfahrung in ihrem Beruf verweisen. Im Fernsehen hat sie unter anderem bei bekannten Reihen wie „SoKo München“, „Der Alte“, „Hubert und Staller“, „Der Bulle von Tölz“ und „Die Rosenheim-Cops“ mitgewirkt, war auch schon zweimal im Tatort zu sehen. Sie selbst erinnert sich vor allem gern an ihre Rolle im Münchner Polizeiruf an der Seite von Edgar Selge, wo sie eine Metzgerin spielte, aber auch an den Kurzflm „Moira“, in dem sie eine psychisch Kranke gab, die sich in ihren Arzt verliebte.

Schöne Erfahrung nach
zwei Jahren Trostlosigkeit

Ähnlich lang wie die Liste ihrer Auftritte vor der Kamera, ist die Liste ihrer Theaterengagements: St. Gallen, Wien, Zürich, München, Konstanz und Heidelberg lauten da einige ihrer vielen Bühnen-Stationen. „Im Theater war ich bislang vor allem auf Edeldamen spezialisiert, ich habe viele Königinnen und Kaiserinnen gespielt“, verrät sie. „Die Elisabeth in Maria Stuart war dabei eine der ganz tollen Rollen.“

Dass die Pandemie zuletzt kaum etwas zuließ auf den Bühnen dieser Republik, hat auch Annette Wunsch zu spüren bekommen – umso glücklicher ist sie, dass sie zuletzt im März und April wieder auf Tournee gehen konnte: „Mit dem Zwei-Frauen-Stück ,Nachwehen‘ von dem englischen Autoren Mike Bartlett, in dem es um den modernen Arbeitsmarkt und die Überwachungssysteme am Arbeitsplatz in großen Firmen geht. Darin habe ich die Personalmanagerin gespielt – eine sehr schöne Erfahrung nach den zwei Jahren Trostlosigkeit“, erzählt sie.

Wie die Rosen-Macher auf sie aufmerksam wurden, weiß sie übrigens selbst nicht genau. „Aber ich habe mich natürlich sehr darüber gefreut, dass es geklappt hat. Zwar erschrickt man erst ein bisschen, wenn man in die Studios kommt, weil es ein bisschen den Anschein einer Drehfabrik hat: Es ist so riesig, hat eine große Kantine – das hat man normalerweise am Set ja eher nicht. Aber die Atmosphäre war dann total nett und angenehm, obwohl alle unter einem großen Zeitdruck stehen.“ Zwar hat sie nur eine Woche in Lüneburg gedreht, aber das muss bei den scheinbar endlosen Rosen ja nichts Endgültiges sein, das weiß auch die erfahrene Darstellerin: „Ich hoffe schon, dass ich noch mal wiederkommen darf.“ Noch sei da zwar nichts konkret, „aber man weiß ja nie.“ Allein schon, um die reizvolle Stadt noch ein bisschen besser kennenzulernen.

Doch zunächst steht für sie wieder Theater an. Es warten „einige schöne Projekte in Deutschland und der Schweiz“ auf sie. Von Alexander Hempelmann