Ein Roboter arbeitet seit Kurzem auf dem Betrieb von Moritz Lampe. Das Gerät soll selbstständig Gemüse säen und Unkraut hacken – ohne dabei auch nur einen Liter Sprit zu verbrauchen. (Foto: phs)

Ein Roboter übernimmt die Feldarbeit

Reppenstedt. Gut Brockwinkel hat einen neuen Auszubildenden. Seit wenigen Tagen befreit er einen Rote-Bete-Acker bei Reppenstedt von Unkraut – und zieht dabei Blicke auf sich. Denn der neue Kollege hat vier Räder, zwei Antennen und lauter bunte Blinklichter. Er ist der erste Roboter, der in Europa autonom ohne Zaun und Beaufsichtigung über die Felder rollen darf.
Bis zu 20 Hektar soll der „Droide“, wie er auf dem Betrieb genannt wird, eines Tages allein bewirtschaften können, Gemüse säen und Unkraut hacken – ohne dabei auch nur einen Liter Sprit zu verbrauchen. Ob das klappt? Das soll eine einjährige Probezeit bei Familie Lampe zeigen. Doch schon jetzt ist klar: Es lastet viel Verantwortung auf dem Solardach des dänischen Feldroboters. Er soll den Bio-Betrieb auf die Zukunft vorbereiten.

Denn der Gemüseanbau nach Demeter-Richtlinien, also ohne den Einsatz von Pestiziden, macht den Bauern mächtig Arbeit. Für den Kampf gegen Distel und Melde in den roten Rüben waren auf Gut Brockwinkel in der Vergangenheit bis zu 250 Arbeitsstunden pro Hektar angefallen. Per Hand musste das Unkraut aus dem Boden gezogen werden. Das kostet natürlich. „Und vor dem Hintergrund, dass Saisonarbeitskräfte immer schwieriger zu finden sind, wird die Situation nicht einfacher“, erklärt Moritz Lampe. Die Maschine soll den Menschen ersetzen oder zumindest entlasten: Lampe hofft, mit dem solarbetriebenen Roboter der Marke „Farmdroid“ den Arbeitseinsatz um drei Viertel reduzieren zu können.

Negative Schlagzeilen
aus dem Kreis Uelzen

In Oldendorf II im Landkreis Uelzen rollt bereits seit zwei Jahren ein Vorgängermodell der dänischen Erfindung mit dem Spitznamen „Alfons“ über die Felder und sorgte dort direkt nach seiner Ankunft für Schlagzeilen: „Roboter köpft 10.000 Rüben“, titelte die LZ damals. Da war ihm auf dem Probeacker ein böses Missgeschick passiert. Mal verstopften die Saatgutschächte, dann wieder war das Unkraut zu hoch; gelegentlich hielt der Roboter seine Chefs auch mit nächtlichen Hilferufen per SMS auf Trab.

Doch immerhin: Im zweiten Anlauf ging die Rechnung auf. 1500 Euro Personalkosten pro Hektar konnte Betriebsinhaber Reiner Bohnhorst im vergangenen Jahr einsparen. Unter diesen Voraussetzungen könnte sich die Investition von rund 75.000 Euro in fünf Jahren bezahlt machen, prognostizierte der Bio-Bauer schließlich im vergangenen Herbst.
Während Alfons im Nachbarlandkreis bereits 17 Hektar allein bewirtschaftet hat, wird sein jüngerer Bruder in Reppenstedt zunächst einmal auf einer kleineren Testfläche eingesetzt – sicher ist sicher. Dort drillt er in diesen Tagen die rote Bete, die im September geerntet werden sollen. Die Maschine kommuniziert dabei am laufenden Band mit einer Antenne am Scheunendach, merkt sich genau, wo sie jedes einzelne Saatkorn abgelegt hat. Durch kleine Öffnungen schießt der Roboter das Saatgut in den Boden, mit Messern hält er das Unkraut kurz. Wenn das unfallfrei klappt, könnte sich Moritz Lampe vorstellen, seinen Azubi im kommenden Jahr auch im Zwiebel- oder Karottenanbau einzusetzen.

Es ist Pionierarbeit, die der 33-Jährige auf seinen Flächen rund um Reppenstedt betreibt. In Norddeutschland sind laut Hans-Christian Andresen von der Vertriebsfirma „Solar-Energie Andresen“ lediglich fünf Exemplare des neuen Modells im Einsatz. Insgesamt rund 100 Farmdroiden fahren seinen Angaben zufolge deutschlandweit über die Äcker. Andresen selbst feilt unentwegt an der Weiterentwicklung des Roboters. Sein Ziel: „Wir wollen die Maschine eines Tages auch in konventionellen Betrieben einsetzen, weil der Spritzmitteleinsatz ja immer weiter eingeschränkt wird.“ Von Anna Petersen