Das Rathaus von Buchholz. (Foto: Stadt Buchholz)

Der schwierigste Wendepunkt für Buchholz

Buchholz.  „Wir wollen heute ein halbes Jahrhundert zurückgehen, in das Jahr 1972“, stimmte der Bürgermeister von Buchholz, Jan-Hendrik Röhse, die Gäste in der Empore auf eine Zeitreise ein. „Wir wollen zurückschauen und uns fragen – was war gut, was war problematisch? War die Gemeindereform ein Glück – oder auch nicht? Hat die Identität der kleinen Gemeinden gelitten, sind sie im Dunstkreis der großen Stadt Buchholz untergegangen?“ Mit einem Vortrag und einer Podiumsdiskussion erinnerte die Stadt Buchholz an die Gemeindegebietsreform, die fast auf den Tag genau vor 50 Jahren in Kraft trat.

Antworten auf diese Fragen gab Prof. Dr. Götz von Rohr in seinem Vortrag, der auf seinem neuen Buch „Wie Buchholz eine richtige Stadt wurde. 50 Jahre Gebietsreform 1972. Ihre Vorgeschichte und ihre Folgen“ fußte, das am selben Abend noch zahlreiche Abnehmer fand. Götz von Rohr erzählte vom „verblüfften Staunen“ im Umland, dass ausgerechnet dieser „hässliche und missglückte Ort“ aufgewertet werden sollte. Davon, wie Buchholz durch die Reform über Nacht zum Titel „zersiedelster Ort Deutschlands“ kam. Und dass das alles kein Zufall war, sondern der Nordheideort, der Anfang der 70er noch mehr Dorf als Stadt war, in der Regionalplanung des Landes bereits seit Jahren als gleichberechtigt mit den Nachbarn Winsen und Buxtehude gedacht wurde.

Jugend setzt
sich durch

Gewürzt mit Anekdoten – die sich alle in seinem Buch finden – benannte von Rohr einige Meilensteine der Entwicklung von Buchholz seit 1972: Etwa die Jugendzentrumsbewegung, die 1976 mit der Eröffnung des Juz am Ziel war. Die Debatte ums Rathaus, die 1980 im Abriss des Altbaus am heutigen Empore-Teich einen ersten Höhepunkt erreichte. Oder den Bau von Fußgängerzone (1986 bis 1987), CityCenter (1986, heute Buchholzer Höfe), Empore (1991) und der Buchholz Galerie (2012), die das Bild der Innenstadt komplett veränderten. „Wer 1972 Buchholz verließ und heute zurückkehrt, der findet sich hier nicht mehr zurecht – alles hat sich verändert“, bilanzierte von Rohr. Anders formuliert: Die Gemeindegebietsreform von 1972 war der entscheidende Wegpunkt in der Buchholzer Geschichte, der einen Ort, der sich zwar Stadt nannte aber noch Dorf war, zur größten Stadt im Landkreis Harburg wachsen ließ.

Gebietsreform bietet bis heute
Stoff für Diskussionen

Im anschließenden Podiumsgespräch mit von Rohr (Moderation) kamen Bürgermeister Röhse sowie die Zeitzeugen Ingo Engelmann, Klaus Fink und Ingrid Schmidt zu Wort. Tenor der Debatte: Ein schwieriger Start und ein paar Umwege führten schließlich zu einem gedeihlichen Miteinander. Auch wenn die Folgen der Gebietsreform im Verhältnis zwischen Stadt und Ortschaften bis heute  immer wieder mal Anlass für Diskussionen bieten.

Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse dankte in seinem Schlusswort von Rohr für dessen Idee, über das bedeutende Thema Gebietsreform ein Buch zu schreiben. Es sei nicht nur ein faktenreiches Werk über Buchholzer- und Landkreisgeschichte, „sondern auch ein Buch für die Zukunft“, betonte Röhse. Denn es sei immer wichtig zu wissen, wo wir herkämen, wie es damals gewesen sei. „Wenn Vergangenes nicht dokumentiert wird, gerät das schnell in Vergessenheit.“ Das darf man wohl als Leseempfehlung verstehen.

Ausstellung des Stadtarchivs Wie die Buchholzerinnen und Buchholzer das Jahr 1972 erlebten, zeigt eine Ausstellung des Stadtarchivs mit Dokumenten und Fotos aus diesem Jahr. Zur Veranstaltung waren die zehn geschichtsträchtigen Schautafeln im Foyer der Empore aufgebaut. Wer die Veranstaltung verpasst hat, kann sich die Ausstellung in der Stadtbücherei ansehen. Hier ist sie noch bis Donnerstag, 11. August, zu sehen.

Wie Buchholz eine richtige Stadt wurde — 50 Jahre Gebietsreform 1972. Ihre Vorgeschichte und ihre Folgen

PD Verlag Heidenau 142 Seiten, 19.80 Euro Erhältlich in allen Buchholzer Buchhandlungen