Alexander Bai springt über 2,12 m zu neuer persönlicher Bestleistung.
Alexander Bai springt über 2,12 m zu neuer persönlicher Bestleistung. (Foto: Ralf Görlitz)

Alexander Bai: Mit Blackout über 2,12 m

In ungeahnte Höhen sprang der 20-jährige Alexander Bai (MTV Hanstedt) jetzt bei den Deutschen Meisterschaften der U23-Leichtathleten. 2,12 m katapultierten den Studenten auf Rang 2.

Hanstedt. Was zwei Schritte mehr Anlauf im Sport ausmachen können, erlebte Hochspringer Alexander Bai vom MTV Hanstedt jetzt hautnah: Bei den Deutschen U 23-Meisterschaften der Leichtathleten servierte der 20-Jährige einen einwandfreien Wettkampf und katapultierte sich mit neuer persönlicher Bestleistung von 2,12 m zur Silbermedaille!

Noch vor wenigen Wochen musste der damals auch gesundheitlich leicht angeschlagene Maschinenbaustudent den „Salto nullo“ bei den Deutschen Meisterschaften der Männer verarbeiten. „Ich bin damit klargekommen, aber ich wusste auch, dass es irgendwo hakt“, schildert Alexander. Nur wo? Auf diese Fragen fanden sein Coach Wolfgang Striezel und er zunächst keine Antwort. Dann halfen vielleicht auch die Klausurenphase im Studium und ein Einfall des Trainers dem jungen Sportler wieder in die Spur. „Wir haben es mal mit zwei Schritten mehr Anlauf probiert“, erzählt Alex. Zehn Schritte Anlauf aus dem Stand waren tatsächlich der Brustlöser, mit dem plötzlich der Schalter umgelegt war und vieles einfacher ging.

Faires Abklatschen mit Berliner Konkurrent

„Von den letzten Trainingsleistungen her hatte Alexander für die U 23-DM locker Höhen um 2,05 m drauf“, berichtet Striezel, der seinem Schützling eine Höhe von 2,10 m durchaus zugetraut hatte. Schon beim Einspringen in Wattenscheid lief dann alles nach Plan. „Ich war irgendwie gar nicht so nervös wie sonst und bin auch während des Wettkampfes nicht so viel herumgetigert“, sagt Alexander Bai lachend. Von der Anfangshöhe 1,90 m bis 2,08 m, seiner Bestleistung, meisterte er alle Höhen im ersten Versuch. Da waren längst nur noch er und der Berliner Chima Ihenetu im Rennen. „Wir haben uns abgeklatscht und uns gegenseitig Glück gewünscht“, lebt auch der junge MTVer den unter Hochspringern zuletzt demonstrierten fairen Sportsgeist.

Als der Berliner im ersten Versuch die 2,12 m riss, war beinahe klar: Schafft Alexander Bai diese Höhe, dann hat er den Titel fast schon in der Tasche. „Das hab ich mir auch gesagt, und dann weiß ich nichts mehr“, gesteht der 20-Jährige. Voll im Tunnel meisterte er Anlauf, Absprung und Lattenüberquerung. Der Blackout endete erst auf der Matte, und dort brauchte der Hanstedter erst mal ein Ventil, um die Anspannung rauszulassen: Er ballte die Fäuste und schrie seine Freude laut raus.

Doch das Schnuppern am Titel dauerte nur kurz: Ihenetu meisterte tatsächlich die 2,12 m noch im dritten Versuch. 2,15 m war die nächste Höhe, und die riss Bai im ersten Versuch denkbar knapp. „Ich war fast schon wieder auf der Matte, als die Latte zunächst nur wackelte und dann aber doch noch fiel. Danach war bei mir dann ein bisschen die Luft raus“, berichtet Alexander Bai. Wiederum im dritten Versuch überquerte allerdings der Berliner die Höhe und wurde damit U 23-Titelträger.

Verzicht gehört zum Leistungssport

„Ich bin kein Stück enttäuscht, dass es nicht zum Titel gereicht hat“, sagt der 1,97 m große Leichtathlet. „Ich bin nur happy!“ Ob es nun der völlig unübliche Burger zum Essen am Abend vorher war oder das Telefonat mit seiner Mutter, „meine persönliche Seelsorgerin, ohne die gar nichts funktionieren würde“, oder vielleicht doch die sportliche Leistung – Alexander Bai war’s egal. „Als Leistungssportler musst du auf so viel verzichten. Das fällt mir zwar überhaupt nicht schwer, aber das steckt eben so viel mehr dahinter als nur hartes Training“, sagt der ruhige und nachdenkliche 20-Jährige. Das ist übrigens auch eines seiner Probleme: Das viele Grübeln über Probleme hemmt der Sportler eher, als dass es ihn weiterbringt. Er wird dann schlicht zu verkopft.

Allerdings ist Alexander Bai wohl ein Athlet, den jeder Coach gerne im Training hat. „Alex lebt für den Sport“, bestätigt sein Trainer Wolfgang Striezel. „Wenn Training ist, dann ist er auch da, komme, was wolle.“ Von daher haut der Erfolgscoach, früher selbst Top-Hochspringer, sogar einmal ein Lob raus: „Alexander hat in den letzten drei Jahren so extreme Leistungssprünge gemacht. Bei unserem Saisonhöhepunkt, der U 23-DM, hat er einen blitzsauberen Wettkampf hingelegt und sich toll verkauft. Alle Achtung, da ziehe ich den Hut!“

Und wo geht die Reise nun hin? Stabile Sprünge zwischen 2,05 und 2,10 m sind das Ziel. „Wäre super, wen ich mich in dem Bereich festsetzen kann“, sagt Bai. „Und bloß nicht nachdenken, sondern alles locker auf mich zukommen lassen!“

Von Kathrin Röhlke