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Kerzen, Blumen und ein kleiner weißer Engel zeugen von der Tragödie, die sich hier am Dienstagnachmittag auf der Kreisstraße 4 ereignet hat. Freunde und Nachbarn der getöteten Reiterin hatten sich zu einer kleinen Trauerfeier getroffen.
Kerzen, Blumen und ein kleiner weißer Engel zeugen von der Tragödie, die sich hier am Dienstagnachmittag auf der Kreisstraße 4 ereignet hat. Freunde und Nachbarn der getöteten Reiterin hatten sich zu einer kleinen Trauerfeier getroffen. (Foto: Andre Lenthe Fotografie)

Eyendorf: Stille Trauer am Straßenrand

Nach dem Tod einer 61-jährigen Reiterin werden die Rufe nach einer Entschärfung dieses Straßenabschnitts lauter. Denn dort sind häufig Reiter unterwegs.

Eyendorf. Sie wollen ihre Trauer und ihr Entsetzen zum Ausdruck bringen an jenem Ort, an dem eine 61-jährige Frau jäh aus dem Leben gerissen wurde: An der Kreisstraße 4, kurz vor Eyendorf, wo am Dienstagnachmittag ein Autofahrer mit seinem Wagen eine Reiterin und deren Pferd erfasst und getötet hatte, kamen am Donnerstag mehrere Freunde und Bekannte zusammen, um des Opfers zu gedenken. Jetzt stehen dort im Gras Kerzen und ein Engel, wo vor vier Tagen Rettungskräfte vergeblich um das Leben eines Menschen kämpften.

Die Frau galt als erfahrene Reiterin

Während die Polizei den Ablauf der Tragödie mittlerweile weitgehend rekonstruieren konnte und für Details nunmehr auf die Expertise eines Gutachters wartet, gibt es in den Ortschaften rund um den Unfallort auch in den Tagen danach nur ein Thema. Denn die 61-Jährige wohnte in unmittelbarer Nachbarschaft in Eyendorf, sie galt als sehr erfahrene und langjährige Reiterin.

Die Polizei geht davon aus, dass die Frau ordnungsgemäß am rechten Fahrbahnrand der K4 auf ihrem Schimmel ritt, als ein 76-jähriger Autofahrer beide von hinten erfasste und meterweit durch die Luft schleuderte. Bremsspuren gibt es am Unfallort nicht, die Ermittler vermuten, dass der Senior am Steuer schlichtweg unaufmerksam war und Pferd und Reiterin nicht bemerkt hatte. Der Autofahrer selbst schweigt bislang zu dem Unfall.

Dass die 61-Jährige allein unterwegs war, war offenbar ursprünglich nicht geplant. Aber eine Freundin, mit der sie zusammen ausreiten wollte, hatte kurzfristig abgesagt.

Häufig Reiter hier  auf der Straße

Dieser Straßenabschnitt der Kreisstraße 4 wird viel von Reitern genutzt, sie müssen rund 300 Meter auf der Fahrbahn zurücklegen, wenn sie von den Feldwegen zurück auf die Weide wollen. Dorthin wollte offenbar auch das Opfer das Pferd nach einem Ausritt gerade bringen. Besonders tragisch: Der Zugang zur Weide war nur noch rund 20 Meter entfernt, als das Auto das Pferd erfasste.

Weil die Straße relativ schmal ist und viel von Reitern frequentiert wird, verlange man schon seit Längerem vom Landkreis ein Tempolimit oder zumindest entsprechende Warnschilder, heißt es in Reiterkreisen. Denn erlaubt sind auf diesem Abschnitt 100 Stundenkilometer. Diese Forderung werde man nun mit Nachdruck verfolgen.

Gedenkfeier nur in Reiterkreisen

Im Winsener Kreishaus ist dieser Straßenabschnitt derweil nicht als besonders gefährlich geführt: „Diese Thematik ist bei uns bislang nicht dokumentiert worden“, erklärt Kreissprecherin Katja Bendig. Zwar könne sie nicht ausschließen, dass sich mal ein Bürger telefonisch an das Kreishaus gewendet habe. „Aber niemand ist an uns heran getreten und hat zum Beispiel eine Begutachtung vor Ort beantragt.“

Für viel Unmut sorgten derweil in den Tagen nach dem tödlichen Unfall auch die Reporter eines Boulevardblattes, die auf der Suche nach möglichst vielen privaten Details des Opfers in Eyendorf von Haustür zu Haustür zogen. Daher beschloss man, die kleine Gedenkfeier am Fahrbahnrand nur in Reiterkreisen mitzuteilen.

Unfallfahrzeug wurde beschlagnahmt

Während die Angehörige und Bekannte trauern, ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung gegen den Unfallfahrer. Sein SUV war von den Ermittlern beschlagnahmt worden. Der 76-Jährige ist der einzige Mensch, der noch erklären kann, warum es zu der Tragödie kam am Dienstagnachmittag um 15.30 Uhr auf der Kreisstraße 4 kurz vor Eyendorf.

Von Thomas Mitzlaff