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Luk Boving (links) und sein Freund David Ilievski präsentierten am Donnerstagabend im Foyer der Burg Seevetal ihr Geschäftsmodell der Drohnen-Reparatur. Rechts auf dem Monitor sind die Bilder einer Wärmebildkamera zu sehen, die Drohnen auf die Erde senden und mit denen etwa verschüttete und verletzte Menschen ausfindig gemacht werden können. (Foto: tm)

Der Drohnen-Doktor von Buchholz

Hittfeld. Seine erste Drohne kaufte er sich im Alter von 13 Jahren, neun Jahre später ist aus dem Hobbybastler ein Jungunternehmer mit Kundschaft aus halb Europa geworden: Donnerstagabend wurde der 22-jährige Luk Boving aus Buchholz in der Burg Seevetal mit dem Gründungspreis 2022 im Landkreis Harburg ausgezeichnet.

Unkompliziert, herzerfrischend und voller Begeisterung für sein Geschäftsmodell – so präsentiert sich der junge Preisträger den rund 400 Gästen. Sein Konzept: Er repariert Drohnen und zwar in der Regel innerhalb von 24 Stunden. Und die Kundschaft rennt dem 22-jährigen Betreiber der „Dr.Ohnen Praxis“ die Türen ein: „Schon 1200 Aufträge habe ich allein in diesem Jahr abgearbeitet“, schildert Luk Boving dem WA. Die Anfragen kommen aus Italien, der Schweiz und der Ukraine, aber auch aus New York und dem Inland.

Vor allem Unternehmen
sind Luks Kunden

Zumeist handelt es sich um Unternehmen, die die Flugkörper kommerziell einsetzen und die sie bei einem Schaden schnell repariert zurück brauchen. „Die Feuerwehr Hamburg nutzt Drohnen, um bei Bränden und unübersichtlichen Rettungseinsätzen sich bei unübersichtlichen Einsatzlagen einen Überblick aus der Luft zu verschaffen“, schildert der Jungunternehmer. Doch auch im Handwerk werde diese Technik zunehmend eingesetzt: „Beim Bau von Solaranlagen werden die Dächer aus der Luft mit Drohnen ausgemessen, die mit einem Laser ausgestattet sind.“
Und Kundschaft kommt auch aus dem Sport: So setzt Fußball-Zweitligist Hamburger SV Drohnen ein, um die Qualität des Rasens aus der Luft zu inspizieren. Und auch der 1. FC Nürnberg ist Kunde der Buchholzer: „Der Trainer ist auf mich zugekommen, weil er Drohnen zur Spielanalyse von oben nutzt“, berichtet Boving. Auch große Straßenbauunternehmen hat der 22-Jährige in seinem Auftragsbuch.

Das Hobby
wurde zum Beruf

Dass der Buchholzer sein Hobby schließlich zum Beruf gemacht hat, ist eher Zufall, schildert er. Bastler an Dampfmaschinen oder mit Modelleisenbahnen sei er schon immer gewesen. Nach dem Kauf der ersten Drohne mit 13 Jahren musste es ein Jahr später eine technisch interessantere sein. „Doch als Schüler hat man natürlich keine 1500 Euro übrig.“ Also kaufte sich der Gymnasiast zwei kaputte Flugkörper und setzte sie zu einem zusammen – und dann nahm die zunächst ungeplante Karriere früh ihren Lauf. Während der Schulzeit verdient sich Luk ein Taschengeld mit kleineren Reparaturarbeiten „und nach dem Abitur habe ich mich dann gefragt, warum ich eigentlich eine Ausbildung machen soll und stattdessen nicht einfach das tue, was ich kann“.

Also bietet er im Internet seine Dienste als „Dr.Ohnen Praxis an“ – und die Nachfrage explodiert geradezu. Selbst aus der Ukraine kommen Nachfragen, das kriegsgeplagte Land braucht dringend einsatzbereite Rettungsdrohnen mit Wärmebildkameras, um in bombardierten Gebäuden Verletzte ausfindig zu machen. Aber auch Fernsehteams, die etwa aus der Luft die richtigen Lichtverhältnisse für die Aufnahmesituation ausloten, brauchen zeitnah ihre abgestürzten oder mit einem technischen Defekt ausgefallenen Drohnen wieder für den Einsatz.

Neue Mitarbeiter
schwer zu finden

Luk sucht Mitarbeiter, doch die sind schwer zu finden: „Schließlich ist das ja kein Ausbildungsberuf und wer kann schon wie ich acht Jahre Erfahrung mit Drohnenreparaturen nachweisen.“ Unterstützung erfährt er schließlich durch seinen Freund David Ilievski. Der 26-Jährige ist selbst ein Tüftler und hilft, wann immer kann. Dritte im Bunde ist Luks Cousine Sofia Müller (18), die sich unter anderem um Verpackung und Versand kümmert.

Das Trio der Dr.Ohnen Praxis präsentiert sich Donnerstagabend wie die anderen Betriebe, die es in die Endausscheidung für den Gründungspreis geschafft haben, im Vorfeld des Festaktes im Foyer der Burg. Und ihr Stand ist ständig umlagert. Luk Boving wird nicht müde, die grenzenlos schier grenzenlos scheinende Perspektiven für sein Kleinstunternehmen zu erklären. „Derzeit gibt es 400.000 privat und 50.000 gewerblich eingesetzte Drohnen in Deutschland. Und dieses Verhältnis wird sich bald drehen.“ Denn die kleinen wendigen Flugkörper werden in immer mehr Bereichen unersetzbar sein. „Deshalb müssen sie schnell wieder einsatzbereit sein.“ Dass der Job seine Berufung ist, sei doch logisch, erklärt Luk seinen Zuhörern: „Wir sind ja alle Männer und wollen basteln.“
Von Thomas Mitzlaff