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Eine Vielzahl von Veranstaltungen bietet die 16-Tage-Kampagne im Landkreis Harburg. Alle Angebote zeigt eine Broschüre, die es unter anderem in öffentlichen Einrichtungen und Beratungsstellen gibt. (Foto: LK Harburg)

Gewalt gegen Frauen kennt viele Abgründe

LK Harburg. Gerade im eigenen Zuhause droht Frauen Gefahr. Meistens und durch den Partner oder Ex-Partner. Jeder vierten Frau in Deutschland ist betroffen. Gewalt, das sind Schläge, aber auch Bedrohungen, Beschimpfungen und auch Kontrolle.  Rund um den  Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen am Freitag, 25. November organisieren die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Harburg die 16-Tage-Kampagne „Gegen Gewalt an Frauen“, die bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember, stattfindet.

Frauen ermutigen,
Hilfe zu holen

„Mit der 16-Tage-Kampagne wollen wir das Thema aus der Tabuzone holen, die Gesellschaft sensibilisieren und auf Hilfsangebote aufmerksam machen. Vor allem aber wollen wir Frauen ermutigen, sich Hilfe zu holen“, sagt Andrea Schrag. Denn sie weiß: Gewalterfahrungen sind in vielen Fällen kein einmaliges Erlebnis. Gerade bei häuslicher Gewalt erleiden die Frauen oftmals ein jahreslanges Martyrium, bis sie sich Hilfe holen. „Die Misshandlungen geschehen nicht aufgrund eines einmaligen Kontrollverlustes, sondern dienen dazu, Macht und Kontrolle über das Opfer auszuüben“, so die Erfahrung der Gleichstellungsbeauftragten.

Von den Vereinten Nationen initiiert, geht dieser Internationale Gedenktag auf die Ermordung der drei Schwestern Mirabal zurück, die am 25. November 1960 in der Dominikanischen Republik vom militärischen Geheimdienst nach monatelanger Folter getötet wurden. Sie waren im Untergrund tätig und hatten sich an Aktivitäten gegen Diktator Rafael Leónidas Trujillo beteiligt. Ihr Mut motiviert bis heute Frauen und Männer, gegen Unrecht und Unterdrückung einzutreten.

Mehr als 160.000 Anzeigen
bundesweit in einem Jahr

Die Zahlen zeigen deutlich, wie nötig das ist: Bundesweit kamen vergangenen Jahr 160.921 Fälle von Partnerschaftsgewalt zur Anzeige (2020: 140.755), quer durch alle Gesellschaftsschichten. Und immer wieder kommt es sogar zum Femizid: Jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann, seine Partnerin zu töten. An jedem dritten Tag gelingt es.

Kommt es im Landkreis Harburg wegen häuslicher Gewalt zu Polizeieinsätzen, stellt diese den Kontakt zur Beratungsstelle BISS her. Die BISS hatte 2021 zu 316 Frauen im Landkreis Harburg Kontakt. Doch dort kann nur eine Erstberatung stattfinden, für weitergehende umfassende Unterstützung und als Ansprechpartnerin gibt es seit November 2019 eine Beratungsstelle für alle Mädchen und Frauen, unabhängig vom Zeitpunkt und der Art der erlebten Gewalt. 123 Fälle verzeichnet die Einrichtung im vergangenen Jahr. Zuflucht im Frauenhaus haben im vergangenen Jahr 32 Frauen mit 40 Kindern gefunden. „Das zeigt, wie wichtig dieser internationale Tag gegen Gewalt an Frauen ist“, so Andrea Schrag. „Die Dunkelziffer ist noch um einiges höher, da viele Betroffene aus Angst oder vor Scham lieber schweigen, anstatt sich gegen ihre Peiniger zu wehren, die meistens im direkten Umfeld zu finden sind.“

Programm zum
Tag der Menschenrechte

Rund um den Tag findet im Landkreis Harburg die 16-Tage-Kampagne „Gegen Gewalt an Frauen“ statt. Dazu gibt es bis zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember ein beeindruckendes Veranstaltungsprogramm. Institutionen, Vereine und Einrichtungen sowie die Gleichstellungsbeauftragten bieten unter dem Motto „Frauenrechte sind Menschenrechte“ Workshops, Vorträge und Veranstaltungen.

 

Programm im Überblick

  • Ein Kurs WenDo – Selbstverteidigung und Selbstbehauptung für Frauen findet am 25. und 26. November im Familienzentrum Meckelfeld statt (Anmeldung: Telefon 04181 – 2197921). Schutz vor der Opferrolle – darum geht es auch beim Gewaltpräventions- und Selbstverteidigungskurs für Frauen ab 16 Jahren wird am 26. November in Winsen (Anmeldung: ).
  • Eine weitere Einführung in die Selbstverteidigung für Frauen gibt der TuS Fleestedt am 6. Dezember um 18.30 Uhr (Anmeldung: ) .
  • „Wir sagen Nein zu Gewalt gegen Frauen“ heißt es beim Gottesdienst am 25. November ab 19 Uhr in St. Marien in Winsen. Literarisch gegen Gewalt geht es ebenfalls am 25. November um 19.30 Uhr in der Stadtbücherei Buchholz zu: Dort sind Märchen gegen Gewalt gegen Frauen unter dem Motto „Aber Signy wusste einen Gegenfluch“ zu hören (Anmeldung: ).
  • Unter dem Motto „Jede Frau braucht einen sicheren Platz“ verteilt das Aktionsbündnis für ein Buchholz ohne Gewalt am 26. November von 10 bis 13 Uhr an der Buchholz-Galerie Adventsplätzchen.
  • Gewaltverhalten wird erlernt – und kann auch wieder verlernt werden. Um Täterarbeit „vom Aufnahmegespräch bis zum Abschlusszertifikat“ geht es bei einer Veranstaltung für Fachkräfte am 28. November ab 9.30 Uhr im Marstall Winsen (Anmeldung: ).
  • Cybermobbbing, -stalking oder Verunglimpfungen – Gewalt in digitalen Medien nimmt zu. Shitstorms, Hate Speechs und Anfeindungen stehen im Mittelpunkt einer Online-Veranstaltung am 29. November ab 10 Uhr (Anmeldung: ).
  • Wie sich Politikerinnen sich in der jungen Bundesrepublik gegen Männer durchsetzen mussten, erzählt der Kinofilm „Die Unbeugsamen“. Er wird am 29. November um 17.30 Uhr im Movieplexx-Kino Buchholz gezeigt.
  • „Wer schlägt, muss gehen“: Informationen rund um das Gewaltschutzgesetz gibt es bei der Online-Veranstaltung am 29. November ab 19 Uhr (Anmeldung: oder ).
  • Zum Frauenfrühstück im Mehrgenerationenhaus Courage in Neu Wulmstorf wird am 30. November um 9 Uhr eingeladen. Dann ist auch Gelegenheit, sich über Hilfeangebote zu informieren.
  • „Raus aus der Opferrolle – jetzt nehme ich die Zügel selbst in die Hand“ lautet das Thema der Online-Veranstaltung am 30. November um 9.30 Uhr (Anmeldung: ).
  • Ein Informationsstand „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ ist anlässlich des internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am 30. November von 11 bis 13 Uhr auf dem Marktplatz in Neu Wulmstorf aufgebaut.
  • Menschen kommunizieren zu über 90 Prozent nicht durch Worte, sondern mit dem Körper. „Die Macht der wortlosen Sprache. Körpersprache: Raum einnehmen, Grenzen setzen“ ist daher Thema am 1. Dezember. Beginn ist um 14 Uhr im Lim’s in Buchholz (Anmeldung: ).
    Das Projekt „Pro Beweis“ stellt sich am 1. Dezember ab 19 Uhr im Krankenhaus Buchholz (Cafeteria) vor. Pro Beweis bietet die Möglichkeit, Spuren erfahrener Gewalt auch ohne Anzeige gerichtsfest sichern zu lassen.
  • Um Täterarbeit und Rückfallprävention geht es am 19. Dezember. Dann stellt sich um 19 Uhr in einer Online-Veranstaltung die Beratungs- und Interventionsstelle Wendepunkte vor. (Anmeldung: oder ).
  • Mit einem Infostand auf dem Buchholzer Wochenmarkt beteiligt sich die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen am 3. Dezember ab 10 Uhr an der Kampagne.
  • Hintergründe und Methoden im Umgang mit Gewalttätern in der pädagogischen Arbeit vermittelt Anti-Aggressivitätstrainer Volker Zubke in seinem Vortrag am 5. Dezember um 10 Uhr in der Reso-Fabrik Winsen (Anmeldung: ).
  • Zu Gewalt im Alter und in der Pflege beraten Expertinnen und Experten vertraulich und anonym am 6. Dezember. Sie sind von 8 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 17 Uhr zu erreichen: Telefon 04171 – 6932384 ; 04171 – 693533, Telefon 04171 – 6932383 und Telefon 04171 – 6933566.

    Infos zu allen Veranstaltungen gibt es unter https://www.landkreis-harburg.de/16-tage-kampagne .