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Das Armaturenbrett ist ebenso ausgebaut wie das Lenkrad und die Mittelkonsole: Professionelle Diebe wissen genau, wie sie Autos ausschlachten müssen. Derzeit im Visier sind im Kreis Harburg hochwertige Fahrzeuge der Marke BMW. (Foto: Privat)

Die BMW-Bande kommt jede Nacht

Eine Diebesbande schlachtet im Kreis Harburg seit einer Woche hochwertige Fahrzeuge der Marke BMW aus. Und die Polizei ist machtlos

Landkreis. Sie suchen sich jede Nacht ein anderes Dorf, einen anderen Ortsteil aus. Und sie wissen genau, was sie tun müssen. Erst werden Lichtquellen wie Bewegungsmelder an Carports außer Gefecht gesetzt. Und dann geht es ans Fahrzeug. Mal wird ein Stoßfänger aufgeschnitten, um die Scheinwerfer ausbauen zu können, mal werden die vorderen Kotflügel aufgetrennt oder die Fahrertür brachial geöffnet. Seit einer Woche knacken Diebe im Landkreis Harburg systematisch hochwertige Autos der Marke BMW und schlachten diese regelrecht aus. Auf der Liste stehen mittlerweile sechs Fahrzeuge, der Schaden beläuft sich auf rund 70.000 Euro. Und die Polizei scheint dem Treiben machtlos zuschauen zu müssen.

Allein in einem Fall
25.000 Euro Schaden

Die beispiellose Serie begann in der Nacht zum 3. Dezember an der Straße Vor dem Haßel in Ramelsloh. Das Ziel der Begierde, ein BMW X5, stand in einem Carport am Wohnhaus. Die Unbekannten setzten einen Bewegungsmelder außer Gefecht und bauten anschließend Airbags und Scheinwerfer aus. Schaden: rund 10.000 Euro.
Weiter ging es in der Nacht zum 5. Dezember am Buchholzer Schlehenweg. Neben den Scheinwerfern wurden fast alle Einbauten aus einem BMW 650i entwendet. Schaden alleine hier: rund 25.000 Euro.
Eine Nacht später, an der Speckmannstraße in Maschen, bauten die Täter Scheinwerfer, Lenkrad, Schaltknauf und Navigationssystem aus einem BMW 520D aus. Schaden: rund 12.000 Euro. Nächstes Ziel war eine Nacht später die Straße Am Butterberg in Buchholz, die Diebe hatten es diesmal auf das Lenkrad, Cockpit, Armaturenbrett und Frontscheinwerfer abgesehen.
Und gleich zwei Taten wurden aus der Nacht zu Freitag, 9. Dezember aus Egestorf gemeldet. In der Straße Krähenberg machten sich die Unbekannten wieder über einen Wagen her, der in einem Carport stand und entwendeten Lenkrad, Frontschürze und Scheinwerfer. Und an der Straße „Im Orthof“ wurde der im Lenkrad eingelassene Airbag ausgebaut.

Die Spurenlage ist
mehr als dünn

Die Polizei ist sich sicher, dass es sich um eine professionelle Diebesbande handelt, die da derzeit im Kreis Harburg ihr Unwesen treibt. Vieles ist Spekulation, denn die Spurenlage ist mehr als dünn. „Wir sind darauf angewiesen, dass die Menschen in den Wohngebieten aufmerksam sind und Hinweise geben“, räumt Polizeisprecher Jan Krüger ein. Wem fremde Fahrzeuge oder unbekannte Personen verdächtig erscheinen, sollte umgehend den Notruf 110 wählen – „lieber einmal zu viel als zu wenig“, so Krüger.

Solche Serien werden immer wieder mal aus verschiedenen Regionen gemeldet, „die Täter haben die Masche professionalisiert“, weiß der Polizeisprecher. Sie zerstören zunächst Lichtquellen, um im Schutze der Dunkelheit die Fahrzeuge ausschlachten zu können. Logistisch bestens organisiert wird dann Kreis um Kreis abgegrast, bis der Fahndungsdruck womöglich zu groß wird. Dann geht es in das nächste Gebiet. Der Kreis Harburg bietet angesichts der Nähe zu mehreren Autobahnen beste Fluchtmöglichkeiten, „gut möglich, dass die Diebe in Hamburg untergekommen sind und von dort aus operieren“, erklärt Krüger. Wenn dann ein Container voll ist mit Diebesgut, wird er quasi als Ersatzteillager ins Ausland gebracht.

Ermittler kennen
kaum Hintergründe

Doch wirklich über die Hintergründe der aktuellen Serie wissen die Ermittler derzeit wenig. „Wir haben nicht einmal das Spurenaufkommen, um etwas über die Zahl der Täter sagen zu können“, muss der Polizeisprecher einräumen. Besitzern hochwertiger Fahrzeuge könne man nur empfehlen, das Entdeckungsrisiko für die Diebe zu erhöhen. Wer sein Auto nicht in einer Garage abstellen kann, sollte zumindest für Lichtquellen sorgen, die die Unbekannten nicht einfach zerstören können. „Ein Bewegungsmelder sollte nicht vom Weg aus erreichbar sein“, empfiehlt Krüger. Und wenn nachts nicht ein Zufallstreffer gelandet wird, gibt es nur eines: Hoffen, dass die Bande bald weiterzieht…

Von Thomas Mitzlaff