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Ein Spürhund – hier ein Symbolbild – erschnüffelte unter den Schülern drei Drogenkonsumenten. (Foto: Elmar Gubisch/AdobeStock)  

Tatort Eckermann-Schule: Siebtklässler als Dealer  

Winsen.  Mit einem Spürhund hat die Polizei am Montag nach Rauschmitteln an der Eckermann-Realschule in Winsen gesucht. Und Sie wurde fündig.

Es gibt ein paar Dinge, die wollen Eltern ganz sicher nicht an der Schule haben, die ihre Kinder besuchen. Dazu gehören vor allem Drogen. Und daher lief Montagvormittag ein Drogenspürhund durch die Winsener Johann-Peter-Eckermann Realschule. Schulleiter Andreas Neises erklärte gegenüber dem WA, warum das aus seiner Sicht notwendig war und was die Aktion gebracht hat.

Seltsamer „Duft“ 
kam aus der Toilette 

Es sei nun drei bis vier Wochen her, als es von einer Toilette für die älteren Jahrgänge nach Cannabis roch. Für Andreas Neises ein Alarmsignal. „Wir sind aufgrund eines Hinweises in eine 10. Klasse gegangen, wo dann schnell ein Joint aus dem Fenster flog.“

Der Joint sei später sichergestellt worden. „Zwei Schülerinnen räumten den Konsum ein.“ Als sich der Vorfall unter der Schülerschaft verbreitete, habe es weitere Hinweise gegeben, die zu einem Siebtklässler führten.

Nachwuchs-Dealer
mit Tütchen und Geld

„Bei dem Jungen haben wir dann alles gefunden. Kleine Tütchen, Geld und was man so zum Verkaufen braucht“, berichtet der Schulleiter. Er erzähle das alles, weil er ganz offen und ehrlich Problematiken publizieren möchte. „Wir zeigen der Öffentlichkeit, dass wir handeln!“

Grenzüberschreitung
in der Schule

Diese Art der direkten Kommunikation herrsche auch innerhalb der Schule. „Es spricht für das offene Verhältnis zwischen Schülern und Lehrern, dass diese Hinweise eingegangen sind.“ Auch für die Kinder habe es eine Grenzüberschreitung gegeben. „Der Konsum und das mitbringen von Drogen in die Schule wird nicht akzeptiert.“ Andreas Neises kontaktierte die Polizei. „Ich wollte, dass da ein Deckel drauf gemacht wird und fand, das sollten die Beamten machen.“ Diese planten in der Folge den Einsatz mit Spürhund.
Drogen wurden am Montag keine gefunden. Doch drei mutmaßliche Konsumenten habe der Vierbeiner erschnüffeln können. Die Reaktionen der Betroffenen seien dabei ganz abgeklärt gewesen – wohl zu recht. Denn der Einsatzleiter der Polizei, der namentlich nicht genannt werden möchte, erklärt auf Nachfrage: „Der Konsum an sich ist nicht strafbar und da nichts gefunden wurde, sehen wir von einer Anzeige ab.“ Und doch seien die Schüler sensibilisiert, dass Lehrer und Polizei ihr Augenmerk auf sie haben.

Signal in
verschiedene Richtungen

„Wichtig“, so Andreas Neises, „ist das Signal in verschiedene Richtungen gewesen.“ Man habe den Eltern gezeigt, dass reagiert wird und den Schülern klar gemacht, welche Konsequenzen drohen. Die zwei Zehntklässlerinnen sowie der Siebtklässler seien beispielsweise vom Unterricht suspendiert worden. Die Aktion wird auch vom Vorsitzenden des Schulelternrates begrüßt. Christian-Otto Sander wurde zuvor durch Andreas Neises informiert und sagt: „Es ist wichtig, dass hier reagiert wurde und Prävention mit dahinterstehender Aufklärung durchgeführt wird. Die Schüler müssen vor den wenigen geschützt werden, die Unsinn machen.“ Seitens der Eltern sei man froh, dass so durchgegriffen wird. „Wir müssen den Kindern zeigen, dass das nicht gut und nicht richtig ist.“
Neises vermutet, dass an der Buskehre vor der nicht weit entfernten BBS Drogen ihren Weg über die verschiedenen Busse in die Schulen im Stadtgebiet finden. Der Polizeikommissar kann das nicht bestätigen: „Dafür liegen uns konkret keine Hinweise vor. Es gibt auch in Winsen kein besonderes Drogenproblem an den Schulen.“ Es gebe nicht mehr Vorkommnisse als in anderen ländlichen Gebieten.
Von Andreas Urhahn