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Der frisch gewählte und bestätigte Vorstand der Baugewerken-Innung: Lehrlingswart Bertram Struwe (von links), Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit Jan Groth, stellvertretender Kassenführer Rainer Cassens, Obermeister Christian Effinger, Kassenführer Carsten Schumacher, stellvertretender Obermeister Christian Beecken-Erhorn und Schriftführer Florian Schulte. (Foto: ks)

Die Lage am Bau wird schwieriger – Innung in Sorge

Hanstedt. „Dunkle Wolken“ sieht Christian Effinger, Obermeister der Baugewerken-Innung im Landkreis Harburg, über die Branche ziehen. Steigende Zinsen und Baukosten sowie das Wegbrechen von Förderungen, zumindest im Neubau, machten die Lage schwierig. Dabei ist sich Effinger sicher: „Es ist viel Kapital, das zurückgehalten wird.“ Er hofft, das dies eingesetzt wird, wenn der Winter überstanden ist. Seiner Meinung nach werde es Bedarf an Wohnungen geben. Aus der Versammlungsrunde der Baugewerken-Innung kamen allerdings auch weniger optimistische Meinungen, da es wieder Alternativen gebe, Geld anzulegen. „Das wird nicht in Betongold sein.“
Zudem fühlen sich viele Handwerker von der Industrie „veräppelt“. Diese hätte die Chance der allgemein steigenden Preise genutzt, um sich die Taschen vollzumachen. Ein Unternehmer berichtete über die Folgen: Er habe einige Aufträge zum Festpreis abgeschlossen, dann stiegen die Kosten.

Lange 
Wartezeiten

Ein weiterer Kritikpunkt war die immer längere Bearbeitungszeit der Bauanträge, vor allem beim Landkreis. Die Schuld sehen die Bauspezialisten aber nicht unbedingt bei den Behörden: Es müssten immer mehr Institutionen eingebunden und Vorschriften erfüllt werden. So gebe es für manche Förderanträge kaum Ingenieurbüros, die die Umsetzungen von Regelungen überhaupt begleiten könnten. „Deutschland regelt sich zu Tode“, hieß es aus der Runde. Es gab aber auch andere Beispiele: Zum Beispiel in Winsen laufe es, zumindest bei kleineren Objekten, reibungslos.
Laut der Unternehmer kommt der Massivbau im Vergleich zur Holzrahmenbauweise schlecht weg. Letztere habe auch Nachteile, wenn ein Wasserschaden spät festgestellt wird oder in Bezug auf die Brandgefahr. Es wurde betont, dass bei einem Abriss 98 Prozent des Massivhauses recycelt werden könne. Allerdings gibt es aus Sicht „der Massivbauer“ in der Praxis gegenläufige Tendenzen. So werde im Straßenbau nicht mehr Beton recycelt, sondern teilweise von weither angefahrener Naturschotter verwendet.

Nachwuchs
macht Sorgen

Sorgen macht der Innung auch der Nachwuchs. Im Sommer stellen sich zwölf junge Menschen der Gesellenprüfung, danach werden die Zahlen sinken. Gerade an der Lehrerversorgung der Berufsbildenden Schulen in Winsen mangelt es schon länger. Zudem wird ein weiter sinkendes Niveau der Auszubildenden bemängelt.
Obermeister Christian Effinger berichtete von acht Zugängen und drei Abgängen: So ist die Innung jetzt 47 Mitglieder stark.
Bei den Wahlen wurde Christian Effinger als Obermeister wiedergewählt. Sein Stellvertreter Christian Beecken-Ehrhorn, Schriftführer Florian Schulte, Lehrlingswart Bertram Struwe und Jan Groth als Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit erhielten ebenfalls wieder das Vertrauen. Neuer Kassenführer ist Carsten Schumacher. Sein Vorgänger Wolf-Dietrich Witt stellte sich nicht erneut zur Wahl.

Von Karsten Schaar