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Seevetal macht das Licht aus – Kritik als Echo

Hittfeld. Um Energie zu sparen, gehen in vielen Gemeinden im Landkreis Harburg die Straßenlampen jetzt nachts früher aus. Teilweise brennt auch nur noch jede zweite Lampe. Zuletzt hat die Gemeinde Salzhausen diesen Beschluss einigermaßen geräuschlos gefasst. In der Gemeinde Stelle wird bereits seit Ende Oktober das Straßenlicht in der Woche für fünf Stunden und den Wochenenden für drei Stunden im gesamten Gemeindegebiet abgeschaltet. Beiden Gemeinden wollen vor allem in diesen Zeiten Energie einsparen.
In der Gemeinde Seevetal dagegen ist über die Vor- und Nachteile der Abschaltung des Straßenlichts eine heftige Diskussion entbrannt. Laut Ratsbeschluss werden voraussichtlich ab Februar von 23 bis 5 Uhr rund 2100 Leuchten an 270 Straßen ausgeschaltet. Früher gehe es nicht, denn die Schaltkästen müssten noch entsprechend umgerüstet werden.
„Die Maßnahme ist vorerst auf vier Monate begrenzt“, sagt Gemeinde-Pressesprecher Andreas Schmidt. „Danach überprüfen wir die Wirksamkeit. Auf Hauptverkehrsstraßen und Kreuzungen, an Einmündungen sowie an Fußgängerüberwegen bleibt das Licht an.“

Viele Kommunen
drehen am Schalter

Bürgermeisterin Emily Weede hat Verständnis dafür, dass die Abschaltung für manche Menschen eine Umstellung bedeutet. Sie hält den Weg aber für vertretbar: „Schon in den Vorjahren wurden Bitten an uns herangetragen, die Beleuchtung nachts abzuschalten, teilweise sogar weit umfangreicher als jetzt vorgesehen.“ Viele andere Kommunen seien diesen Weg bereits schon gegangen. 23Die CDU/FDP-Gruppe im Gemeinderat hatte gegen diesen Beschluss gestimmt. „Auch bei uns stehen Klimaschutz und Energieeinsparung oben auf der Agenda“, betont Gruppenvorsitzender Frank Schmirek (CDU). Bei der teilweisen Nachtabschaltung der öffentlichen Straßenbeleuchtung sei aber auch das subjektive Sicherheitsempfinden der Seevetaler Bürger zu bedenken. „Wir müssen Rücksicht nehmen auf die Menschen, und es sind nicht wenige, welche sich nicht mit dieser Maßnahme einverstanden erklären.“

Übrigens seien nur Teile des Gemeindegebietes betroffen, diesem uneinheitlichen Vorgehen könne man sich nicht anschließen, so Schmirek. Das Geld für die Umsetzung der Nachtabschaltung ließe sich sinnvoller zur Energieeinsparung einsetzen.

Warnung vor
Stürzen im Dunkeln

Die Christdemokraten und die Liberalen möchten nicht, dass Bürger, die spätabends mit dem Hund noch Gassi gehen oder Berufstätige, die früh morgens zur Arbeit müssen, im Dunkeln stürzen. „Gerade in der heutigen Zeit ist es der falsche Weg, ganze Ortsteile und Wohngebiete komplett zu verdunkeln“, warnt der FDP-Fraktionsvorsitzender Wolfgang Ivens. „Statt 50 000 Euro in einem zweifelhaften Versuch zu versenken, sollte das Geld in die schnellere Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LEDs investiert werden.“

Aktuell verfügten rund 55 Prozent aller Straßenlaternen in Seevetal über LED. Jedes weitere LED-Licht würde Energie sparen und gleichzeitig die Sicherheit auf Seevetals Straßen gewährleisten.
„Es sind viele Bevölkerungsgruppen, die unter der Abschaltung leiden“, argumentiert CDU-Ratsherr Markus Warnke. „Ich denke hauptsächlich an Frauen aller Altersklassen. Ihnen fällt es am schwersten, den Mut aufzubringen, bei absoluter Dunkelheit sich noch allein auf den Fußwegen Seevetals aufzuhalten.“

Gruppe CDU/FDP beruft
sich auf viele Gespräche

Bereits im Wege- und Verkehrsausschuss der Gemeinde Seevetal im November fiel die Zustimmung mit 6:5-Stimmen denkbar knapp aus. Zwischenzeitlich hatte sich auch der Verwaltungsausschuss ebenfalls für die zeitweise Abschaltung des Straßenlichts ausgesprochen.

Wie aber kommt die Gruppe CDU/FDP zu ihren Erkenntnissen, dass „viele Bevölkerungsgruppen“ und „Frauen aller Altersklassen“ unter der Abschaltung des Straßenlichts in Teilen des Gemeindegebiets leiden würden? Markus Warnke, der auch Pressesprecher der Gruppe ist, antwortet darauf im WA-Gespräch. Gespräche mit Bürgern und Fraktionen aus anderen Gemeinden sowie die Rückmeldungen in sozialen Netzwerken hätten dieses Meinungsbild ergeben. Eine Umfrage habe es nicht gegeben.

„Ich kenne keinen, der diese Idee gut findet“, sagt Warnke und verweist darauf, dass Seevetal eben auch die größte Gemeinde im Landkreis Harburg sei. Dagegen halten kann man, dass weniger als die Hälfte der Straßenlichter abgeschaltet werden sollen. Warnke sieht das anders: „Wer spät in Meckelfeld am Bahnhof ankommt, der würde schnell in dunklen Nebenstraßen landen.“ Zudem sei auch die Qualität der Gehwege nicht überall gut genug.

Von Christa-M. Brockmann und Björn Hansen