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Svea Geist (dunkles Trikot) sah gegen die robuste Göppinger Abwehr kaum einen Stich. In dieser Szene stoppten Louisa De Bellis (links) und Sina Ehmann die Luchse-Kreisläuferin. (Foto: ks)

Lehrstunde für die Luchse

Buchholz. Uff, das tat mal richtig weh: Der geplante fröhliche Jahresausklang endete für die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten in einem Jammertal. Zu klar dominierten die Gäste von Frisch Auf! Göppingen das Spitzenspiel in der 2. Bundesliga. Sie traten am Mittwochabend mit einem verdienten 32:21-Kantersieg (17:11) die Heimreise an.

Bis zum 7:7 (14.) verlief die Partie für die Gastgeberinnen vor 427 gut gelaunten Fans aus beiden Lagern auf Augenhöhe. Da hatte Keeperin Mareike Vogel die Luchse mit einer Doppelparade nach einem Konter inklusive des freien Nachwurfs im Spiel gehalten und die Fans zu Jubelstürmen hingerissen. Aber schon in dieser Phase offenbarte sich: Das Luchse-Spiel war an diesem Abend viel zu fehlerbehaftet. Und das nutzte Göppingen im Stil einer zukünftigen Erstliga-Mannschaft brutal aus. Diverse Kreisübertritte, Fang- und Prellfehler summierten sich am Ende zu stolzen 15 technischen Fehlern – ein indiskutabler Wert selbst für die 2. Bundesliga.

Überzahlspiel
icht genutzt

Nach dem 7:7 sollten fünf Minuten ohne Treffer für die Luchse folgen. Da richtete selbst eine Auszeit von Luchse-Trainer Dubravko Prelcec wenig aus. Auch die erste von insgesamt vier Zeitstrafen gegen Göppingen fiel in diese Zeit. Doch statt der Luchse netzte die Ex-Kollegin Lisa Borutta für Göppingen in Unterzahl ein.

Erst in der 20. Minuten konnte Wiebke Meyer wieder für die Luchse ein Tor markieren. Doch dem Team fiel es immer schwerer, Antworten auf die sehr aggressive und körperlich starke Frisch Auf!-Deckung zu finden. Bis zum 10:12 (23. Minute) hielten die Luchse noch Anschluss. Dann nahm Göppingens Trainer Nico Kiener seine erste Auszeit und kitzelten die letzten Körner bei seinem Team raus.

Fantastische Kreisanspiele, Pässe vom halben Rückraum zur Außenspielerin auf der gegenüberliegenden Seite, einfache Körpertäuschungen, Rückraumwürfe von zehn Metern – bei Göppingen klappte alles. Die Luchse liefen sprichwörtlich nicht nur den Toren der Gäste hinterher, sondern immer auch dem Ball. Weder in der 5:1- noch in der 6:0-Deckung bekamen die Gastgeberinnen Zugriff, und auch das Rückzugsverhalten war schwach.

Kein Tempo
hinter dem Ball

Vorne sorgte Göppingens starke Torfrau Anne Bocka dafür, dass bei den Luchsen zunehmend Verzweiflung aufkam. In der Offensive war kaum etwas vom Laufspiel ohne Ball zu sehen. Insgesamt bekamen die Luchse nie Tempo hinter den Ball, sodass sich die Göppinger Deckung gut positionieren und die Gegnerinnen hart, aber herzlich in Empfang nehmen und das Spiel unterbinden konnte. Fast immer versuchten die Luchse den Durchbruch nach Kreuzaktionen über die Mitte. Ein Abbruch mit Richtungswechsel, Einläufer von außen oder Wackler gegen die Hand – alles blieb Fehlanzeige.

Mit einer intensiveren Halbzeitansprache versuchte Luchse-Coach Prelcec, sein Team wieder in die Spur zu bringen. „Mich hat immens geärgert, dass nichts von dem, was wir uns vorgenommen hatten, umgesetzt wurde“, bestätigte Prelcec nach der Partie. Sarah Lamp besorgte zwar noch das 12:17 – endlich einmal ein Tempotor aus der zweiten Welle –, doch damit war das leichte Aufglimmen der Luchse schon wieder erstickt.

Auf einen Treffer der Gastgeberinnen antworteten die Gäste nun regelmäßig mit drei oder mehr Toren am Stück. Göppingen baute seinen Vorsprung dadurch nach Herzenslust und fast ohne Gegenwehr aus. Einzig Luchse-Torhüterin Danique Trooster sorgte mit einer Reihe starken Paraden dafür, dass der Rückstand nicht noch schneller anwuchs. Trotzdem lagen die Gäste schon nach 50 Minuten mit zehn Buden (28:18) deutlich und an diesem Tag uneinholbar in Front.

Die Luchse wirkten im Angriff und in der Abwehr an diesem Tag indisponiert bis hilflos. Da halfen weder Tipps und Anweisungen des Trainerstabs noch die lautstarke Fanunterstützung. In den Abschlüssen fehlte ihnen die Überzeugung. Frisch Auf!-Keeperin Anne Bock, aber auch die stark verteidigende Göppinger Abwehr hatten den Luchsen den Schneid abgekauft. Und so verlor das Team jegliches Konzept, ließ sich zu Würfen aus schlechten Winkeln oder unvorbereiteten Abschlüssen hinreißen.

Liga durch den Sieg 
wieder spannend

Göppingen war im Kopf und in den Aktionen klarer strukturiert und stets den berühmten Schritt schneller. Am Ende feierten die Fans trotzdem lautstark ihre Teams. Doch während die Gäste ihr Siegertänzchen aufführten, standen die Luchse bedröppelt und mit hängenden Köpfen verloren da. Immerhin hat Göppingen das Rennen um die Aufstiegsplätze in der 2. Bundesliga durch diesen Erfolg wieder richtig spannend gemacht: Die ersten fünf Teams trennt nach elf Partien nur ein Punkt!
Von Kathrin Röhlke