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Auch der Trainer spürt den scharfen Wind in der neuen Liga

Ashausen. Wenn Nils Bengelsdorf auf das Jahr 2022 zurückblickt, dann teilt er es gerne in zwei Hälften. Trotzdem: „Es war insgesamt sehr, sehr erfolgreich und auch sehr, sehr emotional“, sagt der Coach des Handball-Verbandsliga-Aufsteigers HSG Seevetal/Ashausen.

Die Wolves feierten zum Sommer einen fulminanten Saisonabschluss in der Landesliga: Lediglich bei einem Unentschieden gab die Mannschaft einen Punkt her, gestaltete die übrigen 17 Partien aber siegreich und trat mit der sensationellen Tordifferenz von 600:412 souverän den Aufstieg in die Verbandsliga an. Der Start dort fiel allerdings ernüchternd aus: Unmittelbar vor Saisonbeginn zog sich Kreisläufer und Stammkraft Henri Fasterling einen Kreuzbandriss zu, die Wolves stiegen mit zwei Niederlagen in die Spielzeit ein.

„Da haben wir schnell gemerkt, dass in der Verbandsliga ein ganz anderer Wind weht“, sagt Bengelsdorf. Es gebe viel mehr Auflagen und Richtlinien, die man in dieser Spielklasse erfüllen müsse. Live-Videos müssen auf einer Plattform hochgeladen, Ordner gestellt und den Schiris eine eigene Kabine gestellt werden – alles Neuland für die Aufsteiger von der HSG Seevetal/Ashausen.

Echte „Kanten“ von
zwei Metern in jedem Kader

Die Aussage gelte allerdings auch für die sportlichen Aspekte der Verbandsliga: „Das Tempo ist eindeutig höher, die Körperlichkeit größer und das taktische Niveau besser“, urteilt Bengelsdorf. „Vom Tempo her kann mein Team mithalten“, glaubt Bengelsdorf. „Aber körperlich sind wir oft unterlegen. Du hast in der Verbandsliga fast in jedem Team Kanten von zwei Metern, die einfach richtig fest zupacken.“ Und was die Taktik angehe, schiebt er nach: „Durch die Möglichkeit der Videoanalyse kann man sich ganz anders auf die Gegner einstellen. Allerdings spielen alle Mannschaften extrem gute Auslösehandlungen.“

Die Stimmung bei den Wolves – hier vor ihrem Fanklub – ist weiterhin prächtig. (Foto: rin)

Trotzdem lief die Akklimatisierung in der neuen Spielklasse danach gut weiter. Denn die Wolves konnten ziemlich schnell die Lücke von Fasterling am Kreis adäquat füllen: Gleich beim ersten Auftritt von Jan Niclas Keßler in Reihen der HSG gab es einen Sieg, vier weitere und ein Remis sollen folgen. „Jan Niclas ist für uns ganz schnell zu einem immens wichtigen Spieler geworden“, bestätigt Bengelsdorf. „In Sachen Einstellung ist er ein absolutes Vorbild und in der Deckung eine echte Bank, die den Verbund zusammenhält.“

Derby-Eigendynamik
kostete zu viele Körner

Dann folgte das Lokalderby in Eyendorf, das die Wolves teuer mit Verletzungen von Stammspielernbezahlen mussten. „Und auch mental haben wir da viel zu viele Körner gelassen. Dieses Derby entwickelte eine Eigendynamik unter den Spielern, die niemand stoppen konnte.“ In den letzten drei Spielen des Jahres musste die HSG mit einer Rumpftruppe und unterstützt durch Akteure aus der Zweiten, die allerdings einen guten Job machten, auflaufen. Ein Punkt sprang dabei heraus. „Die Ausfälle der Verletzten Moritz Holm, Jan Niclas Keßler, Philip Pape und des erkrankten Leon Petersen konnten wir aber nie kompensieren. Die Grippewelle tat ein Übriges, sodass wir fast zwei Monate echt angeschlagen waren“, sagt Bengelsdorf. „Da war von allen, aber insbesondere auch vom Trainerteam Leidensfähigkeit gefordert.“ Positiv fiel dem Coach allerdings auf, dass insbesondere die Spieler aus der zweiten Reihen, die nun viele Spielanteile hatten, sich sehr positiv entwickelt haben.

Im Februar
wieder alle fit

Dass die Verletzten zum Start 2023 am 14. Januar wieder an Bord sind, damit rechnet der Wolves Trainer nicht: „Ich denke, dass wir erst ab Februar wieder alle an Bord haben.“ Bis dahin soll an den ausgemachten Baustellen gewerkelt werden. Die Abläufe greifen Bengelsdorf nicht gut genug. Vor allem das Timing stimme nicht, sagt der Coach. Und auch mit dem Überzahlspiel ist der Trainer nicht zufrieden. „Sobald eine Säule der Stammsieben raus ist, wackelt unser Konstrukt“, sagt er. Die Lösung: Training, Training und noch mal Training – und damit die Erkenntnis: „Wir haben in den letzten Wochen nicht gut genug trainiert. Da müssen wir kontinuierlich mehr geben und in jede Trainingseinheiten mit 110 Prozent gehen.“

Fazit: Mi dem jetzigen Tabellenplatz 7 unter 15 Teams ist der Aufsteiger mehr als zufrieden. Oberstes Ziel der HSG-Wolves bleibt natürlich der Klassenerhalt. Aber Bengelsdorf denkt auch schon weiter: „Wichtig ist, dass wir gute Stimmung im Kader halten.“ Sein Plan: „Ich möchte bitte nicht mit dem Team in eine Abstiegsschlacht verwickelt sein.“ Sein Wunsch: „Wir möchten den Kader auch für die nächste Saison so zusammenhalten.“
Von Kathrin Röhlke