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Der Grenzturm an der Elbe bei Bleckede ist eingepackt und wird saniert. (Foto: jj)

War da am Grenzturm an der Elbe etwa ein Christo-Jünger am Werk?

Bleckede/Elbe. Es sieht so aus, als wäre ein Christo-Jünger in Neu Bleckede an der Elbe am Verhüllen. Der Grenzturm am Strom ist seit Wochen verpackt und schillert in der Wintersonne. Tatsächlich entsteht dort eine neue Bleckeder Attraktion. Der Turm wird saniert.

Bis Ende April muss das DDR-Relikt außen fertig sein, das sehen die Förderrichtlinien vor. „Sportlich, aber sportlich können wir“, sagt Bürgermeister Dennis Neumann. Gerade spricht sich die Gemeinde mit den Denkmalschützern über den genauen Farbton der Fassade ab. Denn der Turm ist ein Denkmal – wenn auch aus dunkler Zeit.

Drei Grenztürme
werden saniert

Und es ist nicht der Neu Bleckeder Turm allein, der angefasst wird, es ist ein Trio:  „In Darchau sind wir schon ein Stück weiter, in Popelau geht es nur um eine Teilsanierung.“ Insgesamt gut 720.000 Euro werden investiert. Doch durch üppige Fördermittel des Hamburg-Niedersachsen-Fonds und der Europäischen Union über die N-Bank liegt der Eigenanteil der Stadt Bleckede nur bei gut 57.000 Euro.
In Neu Bleckede wird im Turm eine Ausstellung zur Grenzgeschichte einziehen. Die geteilte Stadt, die Tragödien der Familien werden unter anderem thematisiert. Die Schau wird zurzeit konzipiert. Neben dem Turm wird auch ein Erdbunker wieder eingebuddelt. Der war anfangs zu DDR-Grenz-Zeiten in der Regel bestückt mit technischen Anlagen und bot Platz für eine schnelle Eingreiftruppe.  Beides wurde später in den größeren Grenztürmen  des Typs BT 4×4″ wie in Neu Bleckede integriert. „Die Teile des Erdbunkers waren zwar eingelagert, aber nach den vielen Jahren schwer zu orten. Zwischen Neu Wendischtun und Bleckede sind wir fündig geworden“, sagt Bürgermeister Neumann.

Scheinwerfer des 
Turms wieder da

Wenn alles fertig ist, dann hat Neumann auch das i-Tüpfelchen für den Wachturm. „Nach der Grenzöffnung ist nachts ein Bleckeder im Einheitsrausch mit einem Kumpel auf den Turm geklettert und hat den großen Suchscheinwerfer abgebaut.“ Der wurde angeworfen, wenn Republikflüchtlinge über die Elbe wollten. Meistens handelte es sich allerdings nur Wild in den Grenzanlagen. Der Scheinwerfer als Einheits-Trophäe geriet bald in Vergessenheit. Jetzt hat sich der Bleckede bei Neumann gemeldet. Turm komplett.
Hans-Herbert Jenckel
Der Bleckede Turm BT 4×4
Bei Wikipedia ist zu diesem Typ Turm zu lesen:
„Ab etwa 1980 wurden als Ersatz für die alten unterirdischen Führungsstellen größere Beobachtungstürme errichtet. Mit den quadratischen Außenmaßen von etwa vier Meter hatten sie eine Höhe von rund neun Meter. Diese Türme hatten mehrere Etagen.
Die obere Etage war nicht nur ein Beobachtungsposten, sondern mit entsprechend ausgerüsteten Signal- und Kommunikationsanlagen ausgestattet. Ständig besetzt, konnte von hier ein bestimmter Grenzabschnitt überwacht werden. In der mittleren Etage war Platz für eine Alarmgruppe. Im Untergeschoss und in der Kellerebene befanden sich weitere technische Anlagen. Auf dem Dach war ebenfalls ein Suchscheinwerfer angebracht.“