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Schnucken gucken am Jakobusweg

Undeloh. Nach dem Neujahrstrubel ist Bewegung und frische Luft genau das richtige. Und der Jakobusweg durch die Lüneburger Heide ist ein ideales Ziel – auch wenn man nicht gleich pilgern will.

Historische Kirchen am Wegesrand laden zur Besinnung ein. Dort kann man innehalten, eine Kerze anzünden und sich auf das neue Jahr einstellen. Der Jakobusweg in der Lüneburger Heide bietet abwechslungsreiche Landschaft und Möglichkeiten zur Begegnung mit Schnucken. Ein Teil dieser Strecke führt durch den Landkreis Harburg und den benachbarten Heidekreis.

Balsam für 
die Seele

Das Wandern ist kostenlos, gesund und Balsam für die Seele. Der Jakobusweg ist Bestandteil des mittelalterlichen Pilgernetzweges in Europa zu christlichen Heiligtümern, wie zum Beispiel Santiago de Compostela, Rom und Jerusalem. Das 200 Kilometer lange Teilstück von Hittfeld bis Mariensee wurde im Jahr 2007 ausgeschildert. Auf dieser historischen Strecke waren schon in der Steinzeit Händler und Heere unterwegs.

Ganz so weit laufen müssen Spaziergänger jedoch nicht. Stattdessen kann man den elf Kilometer langen Abschnitt von Undeloh nach Niederhaverbeck erkunden. Start ist an der St. Magdalenen-Kirche aus dem 12. Jahrhundert in Undeloh. Mit ihren Feldsteinen und dem Fachwerkgiebel erinnert sie an eine Festung. Tatsächlich hatten die Altvorderen das Gotteshaus damals auch als Zufluchtsort von Feinden gebaut. Der freistehende hölzerne Glockenturm ist heute ein beliebtes Fotomotiv.

Die Muschel weist den Weg

Als Jakobusweg wird der Pilgerweg zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela bezeichnet. Das Pilgerzeichen ist die Jakobsmuschel.

Denn damals kauften die Pilger am Ziel in Santiago de Compostela eine solche Muschel. Diese diente als Beweis dafür, dass sie den Weg tatsächlich bewältigt haben. Später wurde die Muschel von einer Urkunde abgelöst.

Heute dient sie als Orientierungshilfe. Eine gelbe Muschel auf blauem Grund weist Wanderern den Weg. Das Emblem befindet sich nicht nur in der Lüneburger Heide, sondern auf der gesamten Pilgerstrecke an Wegweisern, auf Findlingen und an Baumstämmen.

Biblische Impressionen
Über die Wilseder Straße gelangen die Wanderer am idyllischen Dorfteich vorbei direkt auf die Heideflächen. Hier, im Naturschutzgebiet, ist das Autofahren verboten. Über einen mit Birken gesäumten Weg geht es immer geradeaus nach Wilsede. Unterwegs kann man mit etwas Glück den Schäfer mit seiner Herde treffen. Dabei entstehen biblische Impressionen. Genau so waren auch schon vor mehr als 2000 Jahren die Hirten unterwegs, um das neugeborene Jesuskind zu ehren.

Das kleine Dorf Wilsede, das bereits zum Heidekreis gehört, hat sich das Aussehen wie vor 170 Jahren bewahrt. Reetgedeckte Fachwerkhäuser, Findlingsmauern und Treppenspeicher stehen unter uralten Eichen.

Weiter Blick vom Wilseder Berg
Höchste Erhebung an der Strecke ist der Wilseder Berg, der 169 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Von hier geht der Blick bei klarer Sicht bis nach Hamburg. Die Landschaft bis Niederhaverbeck ist hügelig. Mannshohe Wacholder stehen am Weg. Wer nicht zu Fuß zurück nach Undeloh will, bestellt eine Kutsche. Die Adressen der Fuhrunternehmer stehen unter www.lueneburger-heide.de im Internet
Von Christa-M. Brockmann