Anzeige
Cara Reiche (im Wurf) trug mit ihrer Antrittsschnelligkeit und ihren sieben Treffern maßgeblich zum Erfolg der Luchse im Heimspiel gegen Herrenberg bei. (Foto: rin)

Luchse: Kurskorrektur in der Halbzeitpause führt zum Sieg

Buchholz. Es bedurfte einer ordentlichen Halbzeitansage der Trainer, um die Handball-Luchse Buchholz 08-Rosengarten in die Spur zu kriegen. Doch das Trainergespann Dubravko Prelcec und Heike Axmann traf offenbar den richtigen Nerv bei seinem Team, das in den zweiten 30 Minuten aus dem knappen 13:11-Halbzeitvorsprung gegen die SG H2Ku Herrenberg einen am Ende deutlichen 33:24-Erfolg machte. Der Einstand ins Jahr 2023 in der 2. Bundesliga ist für die Luchse damit geglückt.

345 Zuschauer erlebten einen ordentlichen Start der Luchse gegen den Vorletzten der Tabelle. Die 6:0-Deckung funktionierte, Keeperin Mareike Vogel, die nach 45 Minuten mit über 44 Prozent gehaltener Würfe wieder einen starken Wert lieferte, war auf dem Posten; vorne wartete das Team geduldig auf eine gute Wurfmöglichkeit. Über 6:2 und 10:6 behaupteten die Luchse nach einer Viertelstunde die Führung.
Zutrauen nach Fehlern wie weggeblasen

Fehlwürfe verunsichern
Mannschaft völlig

Doch dann setze die alte Unsicherheit ein: Die Luchse ließen sich durch ein paar Fehlwürfe völlig von ihrer Marschroute abbringen und trafen bis zur Pause nur noch dreimal. Die Verunsicherung war in einer schlechten Körpersprache, einigen hektischen Aktionen im Angriff, die zu technischen Fehlern führten, und falschen Entscheidungen augenscheinlich. Statt den Weg in die Tiefe zu suchen, spielten die Luchse im Angriff viel quer; jeder schien plötzlich das Zutrauen in den Wurf zu fehlen.

Zudem beschäftigten sich die Gastgeberinnen mehr mit den Entscheidungen der Unparteiischen. Allerdings hatten beide Teams Probleme, sich auf die Marschroute der Schiedsrichter einzustellen. Herrenberg schaffte es allerdings einen Tick besser und traf eine Minute vorm Pausenpfiff durch die starke Marie-Christine Beddies zum 11:11-Ausgleich. Zwei schnelle Treffer durch Luisa Hinrichs und Levke Kretschmann in den letzten 30 Sekunden sorgten für die schmeichelhafte 13:11-Führung der Luchse.

Im zweiten Abschnitt zeigten die Gastgeberinnen dann aber ein anderes Gesicht: Jule Meisner übernahm nur die Position weit vorgezogen in einer aggressiven 5:1-Deckung, die kämpfte, sich gegenseitig pushte und für gelungene Deckungsaktionen feierte. Jule Meisner stellte laufstark Passwege zu und sorgte so für mehrere Fehlpässe der Gäste, die schlicht im Seitenaus landeten. Dahinter verdichteten ihre Teamkolleginnen gut und unterstützten sich prächtig. Die Luchse waren nun deutlich mobiler unterwegs und antizipierten die Situationen, sodass ihnen Steals gelangen und sie Stürmerfouls provozieren konnten. Die Torschützenkönigin der Liga, Lea Neubrander, war weitgehend ausgeschaltet und konnte in dieser Partie keine Akzente setzen. Die Luchse zogen auf 19:12 weg, das war die Vorentscheidung.

Die Gastgeberinnen setzten weiter auf Temposiel, fanden im Positionsangriff zur Geduld der Anfangsphase zurück und ließen den Ball zügig durch die Reihen laufen. Linksaußen Cara Reiche spielte ihre Schnelligkeit in Tempogegenstößen aus, aber auch alle andere strahlten Torgefahr aus: Sarah Lamp traf nach einem Wackler gegen die Hand, Hanne MorlandstØ zog aus der Mitte per Unterarmwurf ab – da kam die Deckung nicht hinterher. Auch Jule Meisner, die nur in der Abwehr eingesetzt wurde, belohnte sich für ihr starkes Defensivverhalten mit einem Kontertor.

Luchse strahlten 
Torgefahr aus

Als „Kuties“-Trainer Hans Christensen in der 48. Minute seine letzte Auszeit nahm, lagen die Luchse mit der 25:17 in Front. Der Schachzug der Gäste, die siebte Feldspielerin im Angriff zu bringen, fruchtete ebenfalls nicht. Dubravko Prelcec wechselte üppig durch, ohne das ein Leistungsabfall erkennbar war. Bis auf die nicht eingesetzte Nantke Ackmann und die nur kurz auf dem Parkett stehende Anna Ansorge konnten sich alle Feldspielerinnen in die Torschützliste eintragen: Rechtsaußen Marthe Nicolai zeigte einen schönen Heber, Antonia Pieszkalla besorgte das 30:21 fast von der eigenen Grundlinie mit einem langen Pass ins verwaiste Herrenberger Tor. Unter Standing Ovations feierten die Luchse den Erfolg mit seinem Siegertänzchen, während die „Kuties“ mit hängenden Köpfen von der Platte schlichen.

Gäste zeigen gute
erste Halbzeit

Das Urteil von Gästetrainer Christensen fiel deutlich aus: „Der Sieg der Luchse ist verdient. Wir haben eine gute erste Halbzeit gespielt und hatten einen Plan für die zweite Hälfte. Den haben wir haben nach einigen technischen Fehlern komplett aus den Augen verloren. Wir hatten heute nicht die Kraft und die Qualität, um hier zu bestehen. In einigen Situationen sind wir schlicht auch noch zu grün.“

„Die deutlich höhere Aggressivität in der zweiten Hälfte hat den Ausschlag zu unseren Gunsten gegeben“, machte sein Gegenüber „Dudo“ Prelcec deutlich, wie wichtig die Halbzeitpause für die Luchse gewesen war. Seine Co-Trainerin Heike Axmann habe auf die mit Mentaltrainerin Maike Koberg erarbeiteten Ziele verwiesen: „In der ersten Halbzeit waren nur leere Worthülsen da, doch diese Ziele muss man auch mit dem Herzen fühlen.“ Das waren offenbar der richtige Appell der Coachs, um die Leistungssteigerung herauszukitzeln. „Wir hatten in der zweiten Halbzeit eine ganz andere Körpersprache und haben mit viel mehr Leidenschaft gespielt.“ Prelcec unterstrich, dass man die Intensität im Training erhöht habe. Bei fünf Spielen im Januar liege das Augenmerk allerdings auch auf der richtigen Belastungsungssteuerung.
Von Kathrin Röhlke