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Die Hanstedterin Silke Fiehn richtet an jedem ersten Freitag des Monats einen Trauerstammtisch im Gemeindehaus der St.-Jakobi-Kirche aus. (Foto: Fiehn)

Der Tod beschäftigt ein Leben lang

Hanstedt. Für Silke Fiehn sind die Themen Trauer und Tod lebensbegleitend. Seit ihrer Jugend beschäftigt sie sich mit der Verarbeitung persönlicher Verluste. Um anderen Menschen dabei zu helfen, hat die gebürtige Hamburgerin in Hanstedt einen kostenlosen Trauerstammtisch eingerichtet. An jedem ersten Freitag im Monat treffen sich Betroffene von 19 bis 21 Uhr im Gemeindehaus der St.-Jakobi-Kirchengemeinde.

Umfangreiche
Ausbildung

„Mitte der 1970er-Jahre habe ich die ersten Bücher von der Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross verschlungen und ich wusste, dass ich in diesem Bereich einmal arbeiten wollte“, erklärt Silke Fiehn. Nach dem Abitur hab die heute 62-Jährige erst einmal Betriebswirtschaft studiert. Bis heute arbeite sie in diesem Beruf, aber: „Nebenbei habe ich an Fortbildungen im Bereich der Kineosologie und von Reiki teilgenommen und, was für mich ganz wichtig ist, das Ho’opono pono. Dieses hawaiische Vergebungsritual hat mein Leben unglaublich bereichert.“ Während die ersten beiden Konzepte aus der Alternativmedizin stammen und auf die Gesundheit von Körper und Geist abzielen, dient letzteres eher der zwischenmenschlichen Ebene.

„Ich bin verheiratet und habe drei Kinder an der Hand und zwei Kinder im Herzen, ich habe Verlust und Trauer selbst erfahren“, verrät Silke Fiehn. Daher habe sie 2013 einen Befähigungskurs zur ehrenamtlichen Hospizhelferin im ambulanten Kinderhospiz „Familienhafen“ absolviert und in der Folge mit der Begleitung einer Familie begonnen. Den Entschluss zum nächsten Schritt auf der umfassenden Bildungsreise ins Reich der Trauer fasste die engagierte Hanstedterin dann 2019, nachdem sie das Buch „Geschichten, die das Leben erzählt, weil der Tod sie geschrieben hat“ von Mechthild Schroeter-Rupieper gelesen hatte. „Dieses Buch hat mich in seinen Bann gezogen und danach wusste ich: Ich muss die Ausbildung zur Kinder-, Jugend- und Familientrauerbegleiterin machen.“

Im Jahr 2020 konnte Silke Fiehn die Ausbildung bei der Akademie der Hamburger Sternenbrücke absolvieren. Die erlernten Inhalte orientieren sich an den Zielen des Bundesverbands Trauerbegleitung. „Es ist mir sehr wichtig, auf eine fundierte Ausbildung zurückgreifen zu können und mich stets weiter zu bilden.“ Die Trauerbegleiterin hat das große Ziel, einmal ein Haus für Familientrauerbegleitung aufzubauen, um Familien in diesen herausfordernden Zeiten zu unterstützen. Mit einem vielfältigen Angebot, etwa verschiedene Kinder- und Jugendtrauergruppen sowie einem Trauerstammtisch, ausgerichtet an den Bedürfnissen der Teilnehmer, würde dies ein lebendiges Haus sein, wo das Leben mit all seinen Facetten wohne.

Traum
vom Trauerhaus

Teilziele ihres ambitionierten Traums hat Silke Fiehn bereits verwirklicht. In Hamburg hat sie ein Trauercafé beim DRK eingerichtet und jetzt in Hanstedt den Trauerstammtisch. Zum Auftakt am 6. Januar waren bereits einige Leute dort und man habe einen guten Abend zusammen verbracht, berichtet die Initiatorin. „Ich danke dem Kirchenvorstand, dass ich diesen Raum nutzen darf.“ Für die nahe Zukunft sind auch Themenabende geplant, zu denen sich im Anschluss in geselliger Runde ausgetauscht werden kann. Verschiedene Getränke und Snacks werden kostenlos gereicht, doch sind Spenden zur Finanzierung willkommen. Zur Erweiterung des Angebotes sucht Silke Fiehn außerdem qualifizierte Unterstützung.
Der nächste Trauerstammtisch findet am Freitag, 3. Februar, von 19 bis 21 Uhr statt. Vorherige Anmeldungen sind aus organisatorischen Gründen erwünscht an oder unter Telefon (0160) 92 02 19 60. Weitere Infos gibt es online unter www.fiehn.net
Von Andreas Urhahn