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Dr. Erhard Schäfer von den Grünen plädierte unter anderem dafür, dass man nachhaltiger vorgehen sollte und auch in bereits bestehenden Gewerbegebieten Potenziale erkennen müsse. Unser Foto zeigt das Gewerbegebiet an der Boschstraße in Winsen. (Foto: rin)

Künftige Gewerbeflächen: „Wir können nicht jeden nehmen“

Winsen. Im Planungsausschuss der Stadt Winsen wurden zwei Gutachten vorgestellt: eines zur Entwicklung der städtischen Bevölkerung und des Wohnraumbedarfs und eines zum Bedarf an Gewerbeflächen.

Uwe Mantik vom Institut CIMA führte in seinem Gutachten zu den städtischen Flächen an, dass momentan kaum Areale zur Verfügung stünden. Die Stadt wolle allerdings handlungsfähig sein und Betrieben, die sich in Winsen ansiedeln wollen, Flächen anbieten können. Bereits ansässige Betriebe erhielten außerdem die Möglichkeit, sich bei Bedarf zu vergrößern. Im Fokus bei der Suche seien neben der Erschließung neuer Gewerbeflächen ebenfalls Grundstücke, die einer neuen Nutzung zugeführt werden können.

Da die Bevölkerung Winsens überdurchschnittlich wachse, gebe es mehr Arbeitsplätze im Stadtgebiet als noch 2011. Damalige Erhebungen kamen zu dem Ergebnis, dass rund 3000 Beschäftigte mehr aus- als einpendelten. Aktuell sei die Bilanz von Ein- und Auspendlern fast ausgeglichen. Die Verwaltung wünschte sich aufgrund des Berichts ein Maximal-Szenario von 62,7 Hektar, die der Planungsausschuss empfehlen möge.

Betriebe sollen
wachsen können

Michael Schulze von der SPD kommentierte das Vorgetragene zuerst: „Wir sind attraktiv und ich bin mir sicher, wir würden das alles vollbauen. Doch wir müssen gucken, ob das auch gesund ist. Arbeitnehmer würden aktuell auf knappem Wohnraum treffen.“

Man sollte sich zuerst noch einmal mit diesen Zahlen beschäftigen, bevor man eine Entscheidung treffen könnte, so der Sozialdemokrat weiter. Auch Dr. Erhard Schäfer von den Grünen konnte sich dem anschließen: „Wir haben sicherlich einen großen Flächenbedarf im Speckgürtel von Hamburg. Und der wächst. Aber die Fläche, die uns zur Verfügung steht, wächst nicht mit.“ Man müsse überlegen, welche Gewerbe für Winsen noch wünschenswert seien. „Wir können nicht alles nehmen.“ Schäfer plädierte noch dafür, dass man nachhaltiger vorgehen sollte und auch in bereits bestehenden Gewerbegebieten Potenziale erkennen müsse.

Dr. Cornell Babendererde von der CDU hob die Wichtigkeit hervor, Betrieben die Möglichkeit zum Wachstum zu geben. „Wir sollten aber unbedingt darauf achten, dass der ländliche Charakter unserer Umgebung erhalten bleibt.“ Schulze meldete sich erneut zu Wort: „Mir fehlt momentan die Folgenabschätzung meiner Entscheidung.“ Harald Horster von der Stadtverwaltung erklärte: „Wir wollen das in der Hinterhand haben, damit wir schnell reagieren können. Wir sind auch nicht in der Lage, für so eine Fläche gleichzeitig Bauleitverfahren anzustrengen.“ Die Parteien einigten sich einstimmig darauf, das Gutachten vorerst für weitere Beratungen zur Kenntnis zu nehmen und keine Empfehlung auszusprechen.

Soziale Verantwortung
der Stadt

Für das Institut GEWOS stellte Lena Bruce die Ergebnisse zur Ermittlung des zukünftigen Wohnraumbedarfs in der Luhe-Stadt vor. Ausschlaggebend für die Ergebnisse sei die Annahme, dass gerade durch vermehrt ältere Mitbürger kleinere aber dafür mehr Wohneinheiten benötigt werden. In einem mittleren Szenario würde das einer Gesamtfläche von 35,1 Hektar entsprechen. Erneut fand Michael Schulze die ersten Worte: „Hier sehen wir das Ergebnis der Politik der letzten 40 Jahre. Wir haben unser Land verkauft.“

Erbpacht könnte ein Weg sein, der Familien in der Finanzierung des Eigenheims entlaste und das Grundstück könne nach entsprechender Nutzungsdauer neu überplant werden. „Investoren können beim Kauf immer mehr als Familien zahlen und die bauen dann teure Mietwohnungen. Wir müssen unserer sozialen Verantwortung als Stadt gerecht werden. Zusammen mit Verwaltung und Experten sollte man gucken was geht“, meinte der SPD-Mann abschließend. Auch Babendererde pflichtete dem bei und sagte: „Um hier einmal weiter zu kommen in der Thematik, werden wir der Beschluss Vorlage zustimmen.“ Der Planungsausschuss erteilte daraufhin eine einstimmige Empfehlung.
Von Andreas Urhahn