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Ministerin Wiebke Osigus und Landrat Rainer Rempe haben die Zukunft des Landkreises im Blick. Das Potenzial der Region sei groß, doch es müsse jetzt auch abgerufen werden. (Foto: he)

Das Rezept für die Zukunft der Region

Winsen. Alle drei Jahre werden im Prognos Zukunftsatlas die Zukunftschancen und -risiken aller 400 deutschen Kreise und kreisfreien Städte bewertet und miteinander verglichen. Im vergangenen Jahr gab es die bisher letzte Auswertung, die für den Landkreis Harburg ernüchternd war. Auf Platz 127 liegt der Landkreis zwar im oberen Drittel, doch er rutschte dabei um elf Plätze im Vergleich zu 2019 ab. Wie es künftig deutlich weiter nach vorne gehen kann, war am Montagabend Thema beim ersten Treffen der Zukunfsregion Süderelbe, bei dem auch die niedersächsische Ministerin Wiebke Osigus (SPD) mit dabei war.

Zunächst referierte Dr. Jonathan Eberle, Projektleiter bei Prognos, markante Zahlen der jüngsten Analyse für den Landkreis. So liegen das Bevölkerungswachstum mit 1,9 Prozent über dem Durchschnitt, der Anteil junger Erwachsener mit 11,5 aber deutlich darunter. „Die Bevölkerung wächst also dynamisch, wird aber immer älter“, fasste Eberle zusammen. Richtig schlecht steht der Landkreis in den Bereichen Arbeitsplatzdichte auf Rang 369 und Digitaler Impulsgeber auf Rang 353 dar. Erschreckend schwach ist im Winsener Kreisgebiet auch die Akademikerquote (10,5), die im Bundesdurchschnitt fast doppelt so hoch ist. „Um wirtschaftlich wachsen zu können, muss diese Quote zwingend erhöht werden“, machte Eberle deutlich.

Drei Tipps
vom Prognos-Fachmann

Doch er zeigte auch Bereiche auf, in denen sich der Landkreis nicht verstecken muss. So ist das Bruttoinlandsprodukt mit 17,1 deutlich höher als bundesweit (11,3), zudem hat sich die Gesamtbeschäftigung in nur knapp einem Dutzend anderen Kreisen besser entwickelt. Überdurchschnittlich ist auch die Zahl der Zukunftsbranchen im Kreisgebiet, was für Eberle eine enorme Chance bietet. „Der Landkreis Harburg gehört zu den Top-Wachstumsregionen in den Zukunftsbranchen und verfügt über eine überdurchschnittliche Kaufkraft“, lobte Eberle. Aus dem Zahlenwerk leitete der Prognos-Fachmann drei Tipps für die Region ab. Vorhandene Kompetenzen ausbauen und national sichtbar machen, unternehmerische Innovationsprozesse beschleunigen und die Attraktivität für Menschen und junge Leute erhöhen.
In der anschließenden Diskussion blickten Ministerin Wiebke Osigus, Landrat Rainer Rempe, Feldbinder-Geschäftsführerin Dr. Nina Kley und Dr. Eberle hinter die Zahlen. „Die Region rund um Hamburg hat ein riesen großes Potenzial, das wir bisher aber noch nicht heben konnten“, gestand Rempe. Für ihn sei es ganz entscheidend, dass sich die Zusammenarbeit mit der großen Hansestadt deutlich verbessen muss. „Die Kommunikation findet nicht auf Augenhöhe statt. Schleswig-Holstein ist da schon deutlich weiter. Mir leuchtet nicht ein, warum“, ärgerte sich der Landrat.
Wiebke Osigus, die seit November das Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und regionale Entwicklung leitet, weiß um die Probleme mit Hamburg. „Wir haben mit den Gesprächen mit Hamburg erst angefangen. Ich hoffe, dass Sie da bald Ergebnisse erwarten können“, so Osigus zu Rempe. Auch Eberle machte deutlich, welche Bedeutung ein gutes Miteinander hat. „Dort, wo erfolgreich gearbeitet wird, wird gut miteinander gearbeitet. Das ist die Aufgabe an die Politik, diese Basis auch hier in der Reigon zu schaffen.“

Bürokratie-Irrsinn
bremst Innovation aus

Als Vertreterin der Wirtschaft präsentierte Dr. Nina Kley, Geschäftsführerin der Firma Feldbinder aus Winsen, noch einige Probleme aus der Praxis. So fehle es beispielsweise an Pragmatismus. Innovative Prozesse seien in ihrem Unternehmen fast an der Tagesordnung, finanzielle Unterstützung gibt es dafür aber kaum. „Die Bürokratie rund um Fördermittel ist ein Irrsinn, bremst uns aus und führt zu Wettbewerbsverzerrung“, so die Feldbinder-Chefin. Auch die Rahmenbedingungen zum Leben in der Region könnten besser sein. „Ziel muss es werden, dass sich Menschen hier bei uns mit ihrer Familie gerne verwurzeln“, erklärte Dr. Nina Kley.

Für die Zukunftsregion und auch die Ministerin gibt es also noch reichlich zu tun. Doch es herrscht Optimismus. „Wenn wir das, was wir können, gut miteinander vermengen, wird daraus ein toller Kuchen“, so Wiebke Osigus. Auch Rempe gebe die Hoffnung nicht auf, langfristig die Top 50 im Zukunftsatlas angreifen zu wollen. Die Chancen dafür seien da, weiß Eberle: „Ich würde mir für die Region wünschen, dass sie bis 2040 eine Vorzeigeregion in Deutschland in den Zukunftsbranchen wird. Dann geht es im Ranking ganz automatisch nach vorne.
Von Dominik Heuer