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Auch die Grundschule Bendestorf platzt aus allen Nähten. Ab dem Jahr 2026 wird auch noch die Ganztagsbetreuung gesetzlich verpflichtend. Die UWG Jes! fordert unverzügliches Handeln. (Foto: cb)

Jesteburg backt kleine Brötchen

Jesteburg. Neue Schulen und Feuerwehrgebäude und viel Geld für den Umweltschutz: Pläne für die Zukunft gab es in der Samtgemeinde Jesteburg reichlich. Samtgemeindebürgermeisterin Claudia von Ascheraden forderte außerdem eine Rathauserweiterung für knapp fünf Millionen Euro. Mehr als 40 Millionen Euro hätte das alles gekostet. Jetzt kam im Samtgemeinderat das böse Erwachen. Die Kassen sind leer, die Parlamentarier sind ratlos.

Bis Ende Juni 2023 sollen Arbeitsgruppen, bestehend aus Mitgliedern von Rat und Verwaltung, Experten und Lehrern, Minimallösungen finden. Die Vorschläge werden anschließend in den Fachausschüssen beraten, damit der Rat dann das Investitionsvolumen für das Jahr 2024 festlegen kann.

Einigkeit über
Kunststätte Bossard

Ratsherr Hansjörg Siede von der UWG Jes! ist verärgert: „Weiterhin setzt die Ratsmehrheit überwiegend auf Worthülsen und schiebt jede Verantwortung für dieses Finanzchaos von sich. Die Ergebnisse der bisherigen Haushaltsberatungen versagen jedem Anspruch an eine solide und nachhaltige Finanzpolitik. Einigkeit zwischen den Parteien herrscht nur darüber, dass die Förderung der Kunststätte Bossard weiterhin nicht angetastet werden soll.“

Seit Jahren bezahle Jesteburg Gelder für unzählige Gutachten und Planungen, so Siede. Den Bürgern würde wider besseres Wissen das Blaue vom Himmel versprochen, doch wenn es zum Schwur kommen solle, werde nicht gehandelt.

Der größte Investitionsstau bestehe bei den Schulen, informiert Siede. Wenn die Lernbedingungen zumindest den heutigen Standards entsprechen sollen, müsse die Kommune in die Bendestorfer und Jesteburger Grundschule investieren. Natürlich sei auch der UWG bewusst, dass aufgrund der zusätzlichen Herausforderungen durch den Ukrainekrieg Haushaltsmittel im erheblichen Umfang für Geflüchtete eingesetzt werden müssten.

Trotzdem gelte es, die Probleme vor Ort endlich anzupacken. Durch pragmatische Lösungen ließen sich die Kosten von mehr als 40 Millionen auf unter 10 Millionen Euro reduzieren.

Grundschulen
sind zu klein

Wie berichtet, ist ein kompletter Neubau für die Jesteburger Grundschule bereits vom Tisch. Die UWG regt eine schrittweise Modernisierung beider Schulen an. Auch die Räumlichkeiten der Feuerwehren und Verwaltung seien entsprechend den Arbeits-, Unfall- und Brandschutzvorgaben zu sanieren.

„Wir müssen dort beginnen, wo der größte Handlungsbedarf besteht“, sagt Hansjörg Siede. „An der Jesteburger Grundschule fehlen über 50 Prozent der notwendigen Flächen, um zumindest zeitgemäß unterrichten zu können. Deshalb stimmen wir den Empfehlungen der Architekten für einen Anbau zu. Wir sind überzeugt, dass dieser erste Schritt bis zum Schuljahrbeginn 2024/2025 umgesetzt werden kann.“

Doch auch das kostet viel Geld. „Woher wollen sie es nehmen?“ fragen Bürger in den sozialen Medien. Andere kritisieren das ständige Hereinholen von Gutachten. Von dem Geld hätte man auch schon den einen oder anderen Klassenraum bauen können.

Von Christa-M. Brockmann