Schnucken und Ziegen, aber auch die Johanniter-Reiterstaffel (hinten links) und die Polizeireiter tummeln sich in den nächsten Wochen in der Heide. Zur Heideblüte werden viele Gäste erwartet. Foto: rin

Hervorragende Heideblüte starte – Neun Naturwächter hätten nichts gegen Verstärkung

Niederhaverbeck. Die Heide steht kurz vor der Blüte. Ab 8. August färbt sich die Landschaft wieder für gut vier Wochen im Naturschutzgebiet Lüneburger Heide violett. Und dann erwarten die Verantwortlichen des Vereins Naturschutzpark (VNP) wieder volles Haus. Denn seit Corona steht das Erholungsgebiet vor den Toren Hamburgs bei Vielen hoch im Kurs.
Marc Sander, kaufmännischer Leiter beim VNP, prognostiziert eine außergewöhnlich gute Blüte der Heide in diesem Sommer: „Der zu kühle, aber im Gegensatz zum Vorjahr niederschlagsreiche Frühling hat für eine gute Entwicklung der Heidetriebe gesorgt. Die Besenheide honoriert das ausreichende Wasserangebot durch kräftige Blütentriebe.“ Und eben genau wegen diesem farbenprächtigen Naturschauspiel dürfte es dieses Jahr wieder voll werden in der Lüneburger Heide.
Wer auf der Suche nach besonderen Plätzen innerhalb des Naturschutzgebietes ist, findet in den Naturwächtern des VNP genau die richtigen Ansprechpartner. Die sogenannten Heideranger sind mit ihren Fahr­räder in der Heide unterwegs, halten Informationen satt zu Tier- und Pflanzenwelt, aber auch zu Einkehrmöglichkeiten, Sehenswürdigkeiten und mehr parat.
Neun Heideranger auf der  Suche nach Verstärkung
Neun ausschließlich männliche Naturwächter tun in diesem Jahr wieder ihren Dienst. Warum es keine interessierten weiblichen Heideranger gibt, können sich die radelnden Herren nicht erklären. Warum es kaum Nachwuchs gibt, schon eher. „Naja, wir bekommen eine kleine Aufwandsentschädigung. Das kann man hier eigentlich erst machen, wenn man in Rente ist und die Natur kennt und mag“, meint Heinz-Jürgen Stein aus Heidenau. Seine geschmeidigen 75 Jahre sieht man ihm ebenso wenig an wie dem Salzhäuser Hans-Heinrich Putensen seine 77 Jahre. Ja, die Heideranger sind schon ein bisschen in die Jahre gekommen, profitieren deswegen aber auch von einem unglaublichen Erfahrungsschatz.
Was die beiden Naturwächter verbindet? Beide waren früher im Polizeidienst und haben auch jetzt noch ein paar Befugnisse mehr als ihre Naturwächter-Kollegen, dürfen zum Beispiel Personalien aufnehmen. „Wir sind quasi als Hilfspolizisten eingesetzt“, sagen die beiden schmunzelnd. Durch ihren jahrzehntelangen Dienst am Bürger kennen sie den Umgang mit Menschen aus dem Effeff.
Wo Wiedehopf und Co. ihre Kinderstube haben
Und fast genauso gut kennen sie ihre gefiederten Freunde in der Heide. Die beiden Vogelliebhaber wissen, wo der Turmfalke seine Kinderstube hat, wo man den selten gewordenen Wiedehopf trifft und wo der Steinschmätzer brütet. Gerne steuern beide die Weseler Heide und den Töps an. Da sei nicht so viel los, sagen sie. Und ein Blick ins Besucherbuch der Jakobi-Hütte sei auch immer mal ganz nett.
Eilig haben es die Oldies längst nicht mehr. Stein ist wohl der letzte der Heideranger, der noch mit Fahrrad mit Acht-Gang-Schaltung unterwegs ist. Die Kollegen sind auf E-Bikes umgestiegen. Kein Wunder: Wer den ganzen Tag im Sattel und strampelnd unterwegs war, weiß abends, was er getan hat.
„Wir arbeiten da, wo andere Urlaub machen“, holt Putensen den alten Slogan aus der Kiste. „Wir tun was für unsere sportliche Fitness und dienen zugleich der Natur. Der Kontakt zu den Besuchern ist eigentlich immer klasse. Die Leute sind vernünftig, hören zu, nehmen Hinweise dankend an. Wobei der Großteil der Besucher ohnehin weiß, was erlaubt ist und was nicht“, geraten der Salzhäuser und sein Heidenauer Kollege regelrecht ins Schwärmen. Die beiden lieben eben ihren Job, und die Touristen lieben ihre Heideranger! Von Kathrin Röhlke

Hintergrund Einzigartige Blühareale Rund 5000 Hektar Heideflächen finden sich zwischen Schneverdingen und Egestorf, Hanstedt und Behringen. Damit bietet das Naturschutzgebiet Lüneburger Heide die größten zusammenhängenden Reste binnenländischer Zwergstrauchheide Mitteleuropas. Besonders rund um den Wilseder Berg finden sich violette Blühareale. 400 Kilometer Wander- und 300 Kilometer Reitwege – darunter der inzwischen in der Beliebtheitsskala der Wanderer hoch im Kurs stehende Heidschnuckenweg – schlängeln sich durchs Naturschutzgebiet und sorgen auch dafür, dass man sich auch aus dem Weg gehen kann.