Maxi Feiling (links) und Simone Pflug befüllen den Fairteiler in der Winsener Innenstadt. ( Foto: mhe)

Foodsharing in der Kreisstadt: Mehr Aktive, mehr Betriebe, mehr Nutzer

Winsen. Immer wieder bleiben Menschen stehen und schauen neugierig, was für Lebensmittel Simone Pflug in den Fairteiler am Gemeindehaus der St.-Marien-Gemeinde in Winsen räumt. „Bedienen Sie sich gerne!“, ruft sie ihnen zu. Denn je mehr jetzt schon mitgenommen wird, desto mehr passt in den Schrank rein. Der ist bereits brechend voll. Der Rest der gerade erst geretteten Lebensmittel wird vermutlich privat verteilt – oder über die Facebook-Gruppe „Foodsharing – Fairteiler Winsen (Luhe)“.

110 aktive Foodsaver (Lebensmittelretter) gibt es in Winsen und der Umgebung inzwischen. „In elf Betrieben im Bezirk retten wir Lebensmittel vor der Tonne“, berichtet Maxi Feiling dem WA. Sie, Simone Pflug und Nadine Sonnemann sind ehrenamtliche Foodsharing-Botschafter und vor eineinhalb Jahren in Winsen aktiv geworden (der WA berichtete). Seitdem vergrößert sich die Aktion immer weiter. Neben dem Standort Reso-Fabrik, mit dem großen Kühlschrank, der für Lebensmittel, die gekühlt werden müssen, genutzt wird, gibt es inzwischen auch den Fairteiler für haltbare Lebensmittel an der Kirche in der City. „Im letzten halben Jahr haben wir auch drei große neue Kooperationen dazu bekommen“, freut sich Maxi Feiling.
Aber nicht nur das. Die Facebook-Gruppe, die am Anfang immerhin 350 Mitglieder hatte, ist auf 720 Nutzer angewachsen. „Wir haben bisher ungefähr neun Tonnen Lebensmittel in 660 Einsätzen gerettet“, weiß Maxi Feiling.

Für die Rettungseinsätze gibt es feste Tage und Uhrzeiten, die über eine Online-Plattform koordiniert werden. Zu den Kooperationspartnern zählen Gemüsegroßhändler, Supermärkte und Kantinen. Gerettet wird übrigens erst nachdem die Tafel bereits vor Ort war. Jeder Foodsaver entscheidet selber, wie er die Lebensmittel verteilt, dazu gibt es beispielsweise WhatsApp-Gruppen, die Facebook-Gruppe oder eben die Fairteiler. Diese werden manchmal zwei bis drei Mal am Tag befüllt, manchmal auch nur alle zwei Tage. Mehrmals die Woche wird gereinigt.
„Die Sachen aus dem Fairteiler sind in der Regel schnell weg, innerhalb von drei bis vier Stunden“, berichtet Maxi Feiling. „Uns ist es wichtig, dass fair verteilt wird – Fairteiler eben –, wir können es aber nicht kontrollieren. Wir würden da schon gerne manchmal Mäuschen spielen“, sagt sie.

Nicht immer wird in der Facebook-Gruppe über die Befüllungen der Fairteiler informiert, trotzdem ist das Essen immer schnell weg. Der Fairteiler ist immer geöffnet, jeder kann etwas hineinlegen oder herausnehmen. Dabei gilt es aber einiges zu beachten: Wichtig ist, dass am Gemeindezentrum St. Marien keine kühlpflichtigen Lebensmittel hinterlegt werden, außerdem müssen die Produkte deklariert sein, sodass klar ist, was enthalten ist. Ein selbstgebackener Kuchen ohne Angaben zum Beispiel, darf nicht über den Fairteiler weitergegeben werden, privat schon. Ein überschrittenes Mindesthaltbarkeitsdatum ist wiederum kein Problem. Die genauen Regeln sind auch direkt am Schrank nachzulesen.
Eine bestimmte Zielgruppe hat die Foodsharing-Aktion nicht. Jeder kann sich bedienen und Lebensmittel teilen. „Die Leute freuen sich, viele posten auch bei Facebook, was sie aus den Sachen zubereitet haben“, erklärt Maxi Feiling. „So wird man auch kreativer und probiert mal was Neues aus!“

Für die Foodsharing-Botschafterin ist das Retten und Verteilen der Nahrungsmittel inzwischen zum festen Hobby geworden. „Es ist schon ein Aufwand. Aber man lernt viele Leute kennen, die ähnlich denken – außerdem verpflichtet man sich zu nichts!“, betont sie. „Alle beteiligen sich, wie es passt.“

Wer Foodsaver werden möchte, kann sich über die Internetseite unter www.foodsharing.de anmelden. Dort folgt dann ein kleines Quiz zum Umgang mit Lebensmitteln. Bei einer Probeabholung begleitet man dann einen anderen Foodsaver, danach können die Abholungen selbstständig erfolgen. Weitere Infos gibt es per E-Mail an . Von Marieke Henning