Kultusminister Grant Hendrik Tonne (von links), Kreisrat Josef Nießen und Landtagsabgeordneter André Bock ließen sich den Lernroboter von Winsener Schülern erklären. (Foto: he)
Kultusminister Grant Hendrik Tonne (von links), Kreisrat Josef Nießen und Landtagsabgeordneter André Bock ließen sich den Lernroboter von Winsener Schülern erklären. (Foto: he)

Da wird der Tonne zum Tüftler

Kultusminister ließ sich Robotik-Unterricht an der Eckermann-Realschule vorführen.

Winsen. Von dieser Kooperation ist sogar der Kultusminister begeistert: In Zusammenarbeit mit Cornelsen Experimenta nahm die Johann-Peter-Eckermann-Realschule in Winsen jetzt das Fach Robotik auf den Stundenplan. Grant Hendrik Tonne (SPD) schaute jetzt persönlich in der Kreisstadt vorbei und ließ sich das vielversprechende Projekt mit den kleinen Lernrobotern von den Schülern erklären.

„Es war kein leichter Weg zu dieser Kooperation“, berichtete Nicolas Domann, Geschäftsführer von Cornelsen Experimenta, über die vergangenen Monate. Dabei ist er vom Erfolg dieser Zusammenarbeit überzeugt. „Jeder hat heutzutage kleine Roboter in seiner Hosentasche, auch die meisten Schüler. Wir versuchen, diese Blackbox ein Stück weit transparent zu machen“, erklärte er die Idee des Projekts, das im Herbst schließlich grünes Licht vom Kultusministerium bekam.

Kein Vorwissen bei den Schülern

Die besondere Herausforderung in diesem Bereich: Die Kinder verfügen über keinerlei Vorwissen, sollen aber schon nach wenigen Unterrichtseinheiten die kleinen Roboter bedienen können. Doch gerade der praktische Umgang mit der Technik sei ein enormer Vorteil gegenüber allen theoretischen Einheiten. „Man lernt Dinge am besten, indem man sie tut. Das ist ein echter Vorteil für die Kinder an dieser Schule“, weiß auch Kreisrat Josef Nießen.

„Als ich von dieser Schule und diesem Projekt gehört habe, bin ich richtig neugierig geworden“, erklärte der niedersächsische Kultusminister Tonne. Die Herausforderungen für Bildungseinrichtungen seien zu Corona-Zeiten ohnehin schon hoch, da noch Zeit für Projekte zu finden, die über den eigentlichen Stundenplan hinausgehen, verdiene Lob. „Es ist sehr bemerkenswert, bei all der aktuellen Belastung noch eine Schippe drauf zu packen und das Rad wieder ein Stück weiter zu drehen“, so der Minister, der die Robotik-Vorführung der Schüler wissbegierig verfolgte.

Das Problem mit der Henne und dem Ei

Er wisse, wie schwierig es in diesem Bereich ist, neue Wege zu gehen. Als Kultusminister würden ihm immer wieder neue Vorschläge auf dem Tisch liegen, welche Fächer auf den Stundenplan gehören. Er erinnere sich an mindestens zehn Ideen, doch nur eine fand seine Zustimmung. „Bei Informatik ist es gesellschaftlich einfach notwendig, die Schüler da ranzuführen“, erklärte Tonne die Entscheidung, es ab dem Schuljahr 2023/24 als Pflichtfach mit aufzunehmen. Bei der Entscheidungsfindung sei man allerdings auf das „Henne-Ei-Problem“ gestoßen.

„Es gibt kaum Informatik-Lehrer, weil kein Lehrer ein Fach wählt, das noch gar nicht sicher auf dem Stundenplan steht“, so Tonne. Das Problem habe es auch an der Eckermann-Realschule gegeben, wo sich allerdings schnell eine Lehrkraft bereit erklärte, sich für den Robotik-Kurs weiterzubilden. Das freute besonders Schulleiter Andreas Neises, der von dem Projekt voll überzeugt ist. „Neben der Lust am Tüfteln sind im Robotik-Unterricht auch Englischkenntnisse und Teamgeist gefordert. Fähigkeiten, die auf dem Arbeitsmarkt immer gefragter sind“, so Neises, dem die Berufsorientierung seiner Schüler besonders am Herzen liegt. Mit diesem zukunftsorientierten Projekt geht der Schulleiter den Weg weiter, den die fast 100 Jahre alte Schule eingeschlagen hat: Tradition und Innovation zu verbinden.

Von Dominik Heuer

Hintergrund

Die Kooperation

Cornelsen Experimenta entwickelt als Teil der Cornelsen-Gruppe verschiedene Unterrichtsmaterialen für alle Jahrgänge von der Kita bis zur Sekundarstufe. Im Rahmen der Kooperation stellen die Experten der Winsener Realschule verschiedene Materialien und neu entwickelte Prototypen zum Experimentieren rund um den Bereich Robotik bereit.

Im Gegenzug geben Lehrer und Schüler regelmäßiges Feedback, um insbesondere den Lernroboter mit Blick auf den künftigen Einsatz im Schulalltag kontinuierlich weiterzuentwickeln.