Baby gut, alles gut? Alexander Khuon als Michael und Anna Brüggemann als Dina in einer Szene des Films „Nö“. Quelle: -/FILMWELT/dpa

Beziehungsdramödie „Nö“: Wie wäre es, wenn wir uns trennen?

Dietrich Brüggemann lässt sich weder filmisch noch politisch in eine Schublade pressen. Sein Religionsdrama „Kreuzweg“ erhielt den Silbernen Bären fürs Drehbuch, seine grelle Neonazi-Farce „Hell“ verstörte brave Bürger. Als einer der Initiatoren der Aktion #allesdichtmachen fegte ein Shitstorm über ihn hinweg.

Mit dem Kinofilm „Nö“ begibt er sich nun auf emotionales Terrain, lotet Seelenzustände eines Paares über sieben Jahre hinweg aus: Schauspielerin Dina und Arzt Michael (Anna Brüggemann, Alexander Khuon) leben scheinbar glücklich vor sich hin. Eines Abends überlegt der Ehemann plötzlich laut, ob man sich nicht trennen sollte. Sie wolle ein Nest bauen, er fühle sich dazu noch nicht reif. „Nö“, sagt Dina, sie würden sich doch lieben, und ihnen seien die gleichen Dinge egal. Reicht das als Fundament?

In 15 Situationen und in unterschiedlichen zeitlichen Abständen begleitet Brüggemann die beiden, die zwei Kinder großziehen und immer auf der Suche sind – nach sich selbst und dem einstigen, lange verflossenen Hochgefühl. Schwesterherz Anna, die erneut am Buch beteiligt war, tanzt mit Khuon den Beziehungstango perfekt.

Amüsante Slapstickmomente und surreale Szenen lockern die Dialoglastigkeit auf. Die Generation der Thirtysomethings braucht lange, um das Scheitern einzusehen. Der Zuschauer ahnt aber, dass eine Ehe auf wackeligen Beinen steht, wenn ein paar Küsse bei der Zugfahrt die tollste Erinnerung sind – und diese dienten als Mittel, um Eindringlinge vom Abteil fernzuhalten.

„Nö“, Regie: Dietrich Brüggemann mit Alexander Khuon, Anna Brüggemann, 119 Minuten, FSK 12

Von Margret Köhler/RND