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Nach langer Pause kommt der zweite Teil des Science-Fiction-Abenteuers „Avatar“ in die Kinos. Regisseur James Cameron verrät der AP, wie es ihm damit geht. Quelle: Jens Kalaene/dpa

Regisseur James Cameron über „Avatar 2“: „Es war schwer, den Erwartungen gerecht zu werden“

New York. 13 Jahre nachdem James Cameron Science-Fiction-Fans in die kosmische Welt von „Avatar“ hat reisen lassen, kommt der ferne Mond Pandora fürs Kinopublikum endlich wieder in Sichtweite. Im Dezember startet der zweite Teil des Epos unter dem Titel „Avatar: The Way of Water“ auf den Leinwänden der Lichtspielhäuser. Die Produktion eines dritten Films ist auch schon weit gediehen, ein vierter ist in Vorbereitung. Und derweil sorgt Walt Disney mit einer aufgepeppten 4K-HDR-Neuauflage von „Avatar“ noch schnell für den passenden Vorgeschmack.

Mit der Nachrichtenagentur AP spricht Cameron über das Wiedersehen mit dem Original, die Erwartungen an die Fortsetzung und warum er beinahe aus dem „Avatar“-Geschäft ausgestiegen wäre.

AP: Erscheint Ihnen „Avatar“ lange her?

James Cameron: Manchmal kommt es mir wie gestern vor und dann fühlt es sich auch wieder wie mehr als ein Jahrzehnt an. Die Zeit ist schnell vergangen. Ich habe alle möglichen interessanten Dinge gemacht. Tiefseeforschung. Tauchbootbau. Vier Filme geschrieben. Jetzt „Avatar 2“ fertiggestellt, und wir sind mitten in der Nacharbeit an „Avatar 3“. – „Avatar“ ist mir also nie aus dem Kopf gegangen.

Als Sie sich „Avatar“ noch einmal angeschaut haben, wie hat er Ihnen gefallen?

Ich sehe eine Menge guter Arbeit von vielen guten Leuten, was das Produktionsdesign angeht, die visuellen Effekte, die bahnbrechenden Schritte, die damals unternommen wurden, um die Leistungen der Schauspielertruppe einzufangen, und die großartige Arbeit der Darstellerinnen und Darsteller. Es war schwer, den Erwartungen gerecht zu werden. Wir hatten damals die Messlatte für uns selbst sehr hoch gelegt, und diese Messlatte mussten wir auch diesmal mit den neuen Filmen erreichen. Ich habe unser VFX-Team die ganze Zeit erinnert: „Schaut euch die Insekten im Wald im ersten Film an. Wir hatten bessere Insekten!“

Die Kinobesuche haben in diesem Sommer wieder an Schwung gewonnen, aber es gab eine Spätsommerflaute. Wie sehen Sie die Lage des Kinos im Moment?

Es hat eine Widerstandsfähigkeit gezeigt, die wir wohl nicht erwartet hatten. Die Pandemie hat zu Recht alle verängstigt. Es gab eine Zeit, in der man praktisch sein Leben riskierte, um ins Kino zu gehen. Die Leute haben es trotzdem getan. Jetzt haben wir das Gefühl, dass wir über den Berg sind, oder dass das Problem zumindest beherrschbar ist. Wir erleben eine Wiederbelebung des Kinos. Wir sind aber nicht mehr da, wo wir vorher waren. Das Streaming hat einen Tribut gefordert. Die Pandemie hat einen Tribut gefordert. Wir sind wahrscheinlich 20, 25 Prozent unter dem Niveau vor der Pandemie. Ich denke, es wird ein sehr langer Weg sein, bis wir wieder da sind, wo wir vorher waren.

Im Laufe der Jahre haben einige argumentiert, dass „Avatar“ trotz seines Status als einspielstärkster Film aller Zeiten nicht so in der Kultur verankert ist, wie man es erwarten würde. Ärgern Sie sich über solche Äußerungen?

Ich denke, dafür gibt es einen bestimmten Grund, nämlich, dass wir nicht sofort einen weiteren Film in zwei oder drei Jahren nachschoben und dann noch einmal einen nach zwei oder drei Jahren. Wir haben nicht das Marvel-Spiel gespielt. Wir spielen hier ein längeres Spiel.

Ihre Filme haben mehr als sechs Milliarden Dollar eingespielt. Ich kann mir vorstellen, dass Sie kein Filmemacher sind, der vor der Premiere eines Films nervös wird.

Und ob ich das bin.

Und es hängt sehr viel von „The Way of Water“ ab.

Ja, es ist ein großes Stück. Es ist ein großer Einsatz. Und wir werden erst am zweiten oder dritten Wochenende wissen, wo wir stehen. Der Erfolg des ersten Films – da hatten wir einen ziemlich guten Start mit 75 Millionen Dollar. Aber heutzutage stellen die Eröffnungszahlen das mit dem Faktor zwei oder sogar drei in den Schatten.

Ich schätze, die Chancen stehen gut für Sie.

Das kann niemand sagen. Der Markt hat sich verändert. Es ist eine Sache, viel Geld einzufahren, aber eine andere, tatsächlich Gewinn zu machen. Dies ist eine Situation, in der wir abwarten und sehen müssen.

„Avatar“ war reich an ökologischem Subtext. In den 13 Jahren, die seitdem vergangen sind, hat sich vieles für das Klima und die Gesundheit des Planeten nur verschlechtert. Wie sehr hatten Sie das bei den Fortsetzungen im Kopf?

Sehr, sogar so sehr, dass ich mir die Frage gestellt und mit meiner Frau diskutiert habe, ob ich mit dem Filmemachen aufhören und an Nachhaltigkeitsthemen arbeiten sollte. Aber wir haben es geschafft, das parallel zum Filmemachen zu tun. Abgesehen davon sind die neuen „Avatar“-Filme aber auch nicht mehr eine Lektion zu Klima oder Umweltschutz, als es der erste war. Der erste war ein Abenteuer. Er fesselt auf der Ebene der Charaktere, auf der Ebene der Story. Ich denke, der Subtext ist eine hilfreiche Herangehensweise. Er ist da, aber er ist nicht das, was die Geschichte antreibt. Das haben wir auch bei den neuen Filmen im Hinterkopf behalten. – Ja, in „Avatar: The Way of Water“ geht es um die Weltmeere und unser Verhältnis zu den Ozeanen und die Tiere, die darin leben. Aber er wird von den Charakteren getragen.

RND/AP