Solche Bilder erwarten den Fantasyfan 2022 bei Amazon Prime Video: Szene der noch namenlosen „Herr der Ringe“-Serie. Die erste Staffel entstand in Neuseeland, der Dreh der zweiten wird in Großbritannien erfolgen. Quelle: Amazon Studios/PA Media/dpa

„Herr der Ringe“: Das wissen wir über die spektakuläre Amazon-Produktion

Hand aufs Herz – Peter Jacksons „Der Herr der Ringe” ist immer noch das Königswerk des Fantasy-Kinos, oder? Wenn Zauberer und Pfeifenschmölker Gandalf mit seiner Kutsche samt magischem Feuerwerk in Hobbingen Einzug hält, von den Hobbit-Kindern gefeiert, von den Alten dagegen als „Störer des Friedens” misstrauisch beäugt wird, ist man im Nu wieder im Bann von Mittelerde. Manche empfinden Elijah Woods Frodo 20 Jahre nach dem Kinostart der Trilogie vielleicht als zuweilen allzu schmerzliche Heiligengestalt.

Die meisten aber brauchen alle paar Jahre ihre Tolkien-Droge und werfen die Filme treu in den Player. Die Jackson in den atemberaubenden, unberührt wirkenden Landschaften seiner Heimat Neuseeland gedreht hat.

Die erste Staffel entstand in Neuseeland

Und auch der Nachschub entstand – ohne Jacksons Beteiligung – im Land, wo Kiwi und Hamilton-Frosch einander Gute Nacht sagen. Die erste abgedrehte Staffel der neuen, noch namenlosen „Herr der Ringe“-Serie, die am 2. September 2022 beim Streamingdienst Amazon Prime Video Premiere feiern wird, wurde in Auckland und Umgebung gefilmt.

1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter drehten dort das Rad der Mittelerde-Geschichte um Tausende Jahre vor jene uns gut bekannten Zeit zurück, als Frodo den Ring zum Schicksalsberg brachte und das mörderische Schmuckstück samt Gierschlund Gollum im Lavasee versanken. Auch die zweite Staffel sollte dort entstehen.

Wird vom ersten Versuch einer Machtergreifung Saurons erzählt?

Ziemlich sicher geht es bei den vagen Inhaltsangaben von Amazon – eine Rückkehr des Bösen in Mittelerde, der sich bekannte und neue Charaktere stellen – auch um den früheren Versuch der Machtergreifung Saurons, der zu Beginn des ersten Jackson’schen „Herr der Ringe“-Films zu sehen ist. Man erinnert sich: Isildur schlug im Zweiten Zeitalter Sauron, dem Schmied (und damit Herrn) der Ringe, in höchster Bedrängnis den Einen Ring vom Finger.

Amazon Prime schnitt nun die Produktion der zweiten „Herr der Ringe“-Staffel aus dem Herzen Neuseelands. Die Nachproduktion der ersten „Ringe“-Runde wird noch bis Juni 2022 in Neuseeland stattfinden, die zweite Staffel aber wird danach in Großbritannien entstehen.

Das hat ja auch schöne Landschaften, gewiss, aber doch nicht ganz von der Majestät und Monumentalität, wie man sie von der anderen Seite der Weltkugel her kennt. Wird das große Epos jetzt kleiner und piefiger? Eher nicht: 465 Millionen Dollar hat Amazon in die erste Staffel investiert, heißt es. Bei solchen Summen ist reichlich Geld für täuschend echte, computergenerierte Brit-Settings drin. Aber „Herr der Ringe“-Fans sind naturverbunden. Sie fürchten zu viel CGI.

Amazon Prime Video will seine Präsenz in Großbritannien ausbauen

Der US-Streamingriese will seine Präsenz in Großbritannien ausbauen, vergrößert dort die Produktionsflächen. Außerdem kehrt der Stoff damit in seine Heimat zurück. „Wir möchten den Menschen und der Regierung Neuseelands für ihre Gastfreundschaft und ihr Engagement danken und dafür, dass sie der ‚Herr der Ringe‘-Serie einen unglaublichen Ort für den Beginn dieser epischen Reise zur Verfügung gestellt haben“, wurden staatstragende Worte von Vernon Sanders, Fernsehvize der Amazon Studios, verbreitet. Der Filmkommission Neuseelands dankte er auch.

Deren Chef, David Strong, bedankte sich für den Amazon-Dank mit dem Wort „Schande“. Darüber hinaus gab es auch den erwartbaren politischen Kokolores. Die Opposition in Wellington beschuldigte die Regierung, sie habe darin versagt, die Amerikaner im Land zu halten. Der Minister für die wirtschaftliche Entwicklung, Stuart Nash, wehrte sich, es habe sich um eine „kommerzielle Entscheidung“ von Amazon gehandelt.

Die Serie sollte nach der Pandemie Touristen locken

Was die Neuseeländer nicht tröstet. Denn die mit Steuermitteln (20 Prozent der Produktionskosten) geförderte Superserie, die 2000 Stellen im Land geschaffen hatte, sollte nach dem Abflachen der Pandemie Millionen Touristen an die Filmsettings locken. Wie es damals jeweils nach den „Herr der Ringe“- und den „Hobbit“-Filmen geschah. Wenn die Serie im Herbst 2022 in 240 Ländern startet, wird sie wahrscheinlich längst als britisch „konnotiert“ werden. Die Tolkien-Maniacs werden dann wohl vornehmlich Richtung Vereinigtes Königreich reisen. Königreich klingt ja auch irgendwie voll mittelirdisch.

Ende Gelände für Neuseeland.

Elijah Wood, der heilige Frodo, Peter Jacksons nimmermüder Ringträger, kommentierte die Entscheidung auf Twitter mit einem Emoji-Männchen, das sich mit der Hand vor die Stirn schlägt. Keine freundliche Geste, eher ein „seid ihr bekloppt“ vom berühmtesten Hobbit. Apropos: Der ersten Jackson-Film „Die Gefährten“ feierte in diesem Jahr sein 20-Jähriges. Ein Grund, ihn mal wieder über den Bildschirm flimmern zu lassen, oder?

RND/big