Eine neue Impfung soll die Koalas schützen: Rund 400 der Beuteltiere werden über die kommenden Monate hinweg gegen Chlamydien geimpft. Quelle: University of the Sunshine Coast

Gefährliche Infektion: Australien impft Koalas gegen Chlamydien

Eine neue Impfung soll die Koalas schützen: Rund 400 der Beuteltiere werden über die kommenden Monate hinweg gegen Chlamydien geimpft, eine Krankheit, die die Koalas seit Jahren bedroht und ihr Überleben gefährdet.

Neben dem Klimawandel, Hundeangriffen, Waldrodung, Buschfeuern und Verkehrsunfällen gehört die bakterielle Infektion zu den größten Gefahren, denen die Beutler auf dem fünften Kontinent ausgesetzt sind. Der neue Impfstoff, der von der University of the Sunshine Coast in Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Australia Zoo Wildlife Hospital erarbeitet wurde, könnte laut Peter Timms, einem Mikrobiologen der australischen Universität, eine wichtige Rolle für das Überleben der Spezies darstellen. Denn im Südosten von Queensland und in New South Wales, beides Staaten im Osten von Australien, sind teils über 50 Prozent der Koalapopulation an Chlamydien erkrankt.

Vakzin: gutes Level an Schutz

„Es ist eine grausame Krankheit“, sagte Amber Gillett, die als Tierärztin im Tierkrankenhaus des Australia Zoos arbeitet. Sie würde Bindehaut- und Blasenentzündungen und manchmal sogar Unfruchtbarkeit verursachen, erklärte die Ärztin. „Obwohl viele Koalas mit Chlamydien mit herkömmlichen Antibiotika behandelt werden können, können einige Tiere aufgrund der Schwere ihrer Infektion nicht gerettet werden.“

Der neue Impfstoff hat inzwischen die ersten beiden Testphasen durchlaufen und hat sich dabei als sicher für die Beuteltiere erwiesen. Zudem erzeugt das neue Vakzin eine gute Antwort des Immunsystems und bietet so ein gutes Level an Schutz, wie die Forscher sagten. Bisher sind bereits 200 Koalas in acht kleineren Versuchsphasen geimpft worden. Die derzeitige, größer angelegte Kampagne sei nun bereits die dritte Phase, sagte Timms. Künftig sollen alle Tiere, die in das Tierkrankenhaus des Australia Zoos sowie in einige andere Tier- und Koalakrankenhäuser eingeliefert werden, mit einer Impfdosis versorgt werden. Zusätzlich dazu erhalten diese Tiere einen Mikrochip und das Krankenhaus wird alle Koalas registrieren, die in den folgenden zwölf Monaten aus irgendeinem Grund zurückkehren.

Koalazahlen um 30 Prozent gesunken

Die aktuelle Nachricht gibt wieder ein wenig Hoffnung, nachdem im September eine Meldung der Australischen Koalastiftung (AKF) schockierte. Laut dieser sind die Koalazahlen seit 2018 in ganz Australien um 30 Prozent zurückgegangen. Inzwischen leben laut der Organisation möglicherweise weniger als 60.000 Koalas in Australien – zwischen 32.000 und 58.000, so schätzt die AKF.

Laut der AKF ist der Bundesstaat New South Wales, in dem Sydney liegt, am schlimmsten betroffen. Dort sollen die Zahlen sogar um über 40 Prozent gesunken sein. Doch viele Koalaregionen in Australien verzeichnen laut der Stiftung einen Bevölkerungsrückgang. „Einige Regionen haben verbleibende Populationen, die auf nur noch fünf bis zehn Koalas geschätzt werden“, hieß es in einer Pressemitteilung. Die australische Regierung dagegen würde die Koalazahlen um ein Zehnfaches zu hoch einschätzen, sagen die Tierschützer.

Landschaften „wie der Mond“

Eine Anfrage beim Umweltministerium zeigte daraufhin, dass der Regierung derzeit gar keine aktuellen Daten vorliegen. Eine Sprecherin wies aber darauf hin, dass die Tiere bereits eine spezielle Förderung erhalten. Erst Ende November wurde ein Hilfspaket in Höhe von 18 Millionen Australischen Dollar oder umgerechnet über 11 Millionen Euro verkündet. Unter anderem sollen diese Gelder dafür verwendet werden herauszufinden, wie ernst die Lage eigentlich ist. Rund 2 Millionen Dollar fließen deswegen in eine Art Bestandsaufnahme – eine „Volkszählung“ der Koalas. Die australische Forschungsagentur Csiro soll dieses nationale Koalaüberwachungsprogramm bis Juni 2022 auf die Beine stellen, wie die Sprecherin des Umweltministeriums bestätigte. Erst dann wird es verlässliche Zahlen zum Bestand der Tiere geben.

Sicher ist jedoch, dass allein die schrecklichen Buschfeuer von 2019/20 zum Rückgang der Tiere beigetragen haben. Geschätzte 60.000 Koalas sollen laut der Tierschutzorganisation WWF bei den schweren Bränden ums Leben gekommen sein. Laut der Koalastiftung sind sie jedoch bei Weitem nicht der einzige Grund, warum Koalas immer seltener werden. „Wir haben einen drastischen Rückgang im Inland aufgrund von Dürre, Hitzewellen und Wassermangel für Koalas beobachtet“, sagte die Leiterin der Stiftung, Deborah Tabart. „Ich habe einige Landschaften gesehen, die wie der Mond aussehen – mit toten und sterbenden Bäumen.“ Außerdem seien vor allem im Osten des Landes große Waldflächen gerodet worden.

Von Barbara Barkhausen/RND