Der Erzgebirgskreis hat die niedrigste Inzidenz des Landes – noch vor wenigen Wochen war der Kreis ein Corona-Hotspot. Quelle: Sebastian Willnow/dpa-Zentralbil

Rätselhafter Erzgebirgskreis: früher Corona-Hotspot, jetzt eine der niedrigsten Inzidenzen

Leipzig. Ende vergangenen Jahr galt der sächsische Erzgebirgs­kreis noch als Hotspot der Corona-Pandemie, im November überschritt die Region zwischen Eibenstock und Seiffen als erster Landkreis in Deutschland eine Sieben-Tage-Inzidenz von 2000. Damals wurden unter anderem über die niedrige Impfquote, die relativ dichte Besiedlung des Kreises und auch die Nähe zu Tschechien und der damit verbundene Pendlerverkehr als mögliche Ursachen genannt.

Und jetzt? Mittlerweile ist der Kreis mit 188,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sogar bundesweit auf Platz zwei der niedrigsten Inzidenzen. Wie ist das innerhalb von nicht einmal zwei Monaten möglich? Und das gleichzeitig bei der weiterhin niedrigsten Impfquote im Freistaat? Denn laut Gesundheits­ministerium ist noch nicht einmal die Hälfte der Bewohner und Bewohnerinnen des Erzgebirgskreises vollständig geimpft, während es im benachbarten Vogtlandkreis schon 74,7 Prozent der Menschen sind.

Gesundheitsministerium: Erzgebirgskreis hat günstigere Ausgangslage

Auf Anfrage der „Leipziger Volkszeitung“ bleibt das Landratsamt in Annaberg-Buchholz vorsichtig: „Die Infektionslage im Erzgebirgskreis ist seit geraumer Zeit vergleichsweise moderat.“ Wie lange sich dieser Trend fortsetzen werde, sei allerdings nicht zu prognostizieren. Die Behörden rechnen aber offensichtlich damit, dass die derzeit guten Werte nur eine Moment­aufnahme bleiben. „Es ist davon auszugehen, dass auch im Erzgebirgs­kreis die Infektions­zahlen in den nächsten Tagen und Wochen aufgrund der Omikron-Welle ansteigen werden“, heißt es aus dem Büro von Landrat Frank Vogel (CDU).

Das sächsische Gesundheitsministerium teilte auf Anfrage der Zeitung mit: „Durch die Maßnahmen der Corona-Notfall-Verordnung konnten die Anzahl der Neuinfizierten und die Belastung des Gesundheitssystems verringert werden.“ Die im November beschlossenen und derzeit noch gültigen Maßnahmen und die geografische Lage böten eine günstigere Ausgangslage bezüglich der Verbreitungsgeschwindigkeit von Omikron. Allerdings könnte auch das eine weitere Ausbreitung nicht verhindern. Schuld daran sei die mindestens doppelt so hohe Basis­reproduktions­zahl. Die Omikron-Variante breite sich vom Norden Deutschlands her aus und habe Sachsen deshalb noch nicht in dem Maße erreicht wie andere Bundesländer. Angesichts der zu erwartenden Welle an Infektionen sei darum weiterhin Vorsicht geboten.

In Sachsen liegt der Omikron-Anteil an Neuinfektionen laut Robert Koch-Institut mittlerweile bei 65 Prozent. „Von steigenden Inzidenzwerten sowie Hospitalisierungen in den kommenden Wochen ist auszugehen“, teilte das sächsische Gesundheitsministerium auf „LVZ“-Anfrage mit. Sorgen bereiteten deshalb die geringe Impfbereitschaft und damit auch geringe Impfquote im Erzgebirgskreis. Sachsen habe aktuell mit im Bundesvergleich niedrigen Infektionszahlen eine gute Ausgangsposition. „Diese soll nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden“, so das Ministerium.

RND/jle