Armin Laschet beim CSU-Parteitag: Dort bekam er – zumindest vordergründig – die Unterstützung von CSU-Chef Markus Söder, die er seit Langem gebraucht hätte. Quelle: Getty Images

Söder hätte dort übernehmen müssen, wo Laschet schwächelt

Berlin. Armin Laschet kann auch anders. Der in der Union als großer Integrator bekannte und als solcher auch lange geschätzte nordrhein-westfälische Ministerpräsident ist in der Lage, den politischen Gegner hart zu attackieren.

Seit Tagen liefert der Kanzlerkandidat der Union, was seine Kritiker in CDU und CSU – vor allem aber CSU-Chef Markus Söder – von ihm verlangen. Die im deutschen Wortschatz so abgegriffene klare Kante versucht er nun zu zeigen, sich in die Lok zu setzen und nicht in den Schlafwagen zu legen – oder was ihm sonst noch von der bayerischen Schwesterpartei geraten wurde.

Das Problem ist nur, Laschet wirkt dann nicht authentisch. Und er spielt auch nicht sauber, was im Wahlkampf allerdings allgemein kein Kriterium ist. Zumindest möchte Laschet etwa den Eindruck hinterlassen, selbst Umweltverbände hätten bei den Verhandlungen über den Kohleausstieg das Jahr 2038 als adäquat empfunden. Und die SPD schildert er als Totalausfall in der deutschen Geschichte, deren guten Ideen nur Dank der Union verwirklicht worden seien. Stichwort Nato-Doppelbeschluss.

Was Laschet aber viel mehr ausmacht, ist dies: Er kann Kompromisse. Was im Wahlkampf wie Selbstvergiftung wirkt, ist der Kitt für Koalitionen: zuhören, aufeinander eingehen, gemeinsam Lösungen finden, den anderen mal glänzen lassen. Da ist der Rheinländer Laschet in seinem Element. Damit führt er seit Jahren geräuschlos eine schwarz-gelbe Regierung in Düsseldorf trotz knapper Mehrheit.

Für die Union geht es in diesem Bundestagswahlkampf darum, ob sie es noch schafft, das Erbe von Angela Merkel anzutreten oder ob sie sich wegen einer Wahlniederlage zerlegen wird. Gestutzt auf die Oppositionsrolle könnte Laschet kaum Parteichef bleiben. Um die wenigen prestigeträchtigen Posten wie den Fraktionsvorsitz würde es ein Hauen und Stechen geben. Ein Generationenwechsel stünde an. Für die Jüngeren in der Union wäre das gar nicht mal die schlechteste Aussicht.

Hätte Markus Söder alles auf Wahlsieg gesetzt, hätte er Laschet helfen können. Der bayerische Ministerpräsident, der Klare-Kante-Mann, hätte den Part übernehmen müssen, bei dem Laschet schwächelt. Söder hätte nach seiner Niederlage im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur überhaupt erst einmal mit Laschet gemeinsam auftreten sollen.

Späte Unterstützung

Beim Parteitag in Nürnberg am Wochenende hatte er seine Hand gefasst und sie in die Höhe gerissen. Da war es, das Signal der Geschlossenheit. Zwei lächerliche Wochen vor der Wahl. Die Geste, auf die Laschet fünf Monate gewartet hatte.

Das Sofortprogramm, das Laschet am Montag vorgestellt hat, gehört zur ziemlich vermurksten Wahlkampfregie, erst auf den letzten Metern die Inhalte besser herauszustellen. Die Union wird nicht gewählt werden, weil sie die Pendlerpauschale „dynamisieren“ möchte oder KfW-Kredite allen Ernstes für unbürokratisch hält.

CDU und CSU würden gewählt, wenn sie Wählerinnen und Wählern die Sicherheit geben, dass sie als Schwesterparteien selbst stabil sind und den Kurs der Mitte halten.

Laschet hätte längst den am rechten Rand irrlichternden Bundestagskandidaten Hans-Georg Maaßen in die Schranken weisen müssen. Hier duckt er sich weg und hofft, dass der frühere Verfassungsschutzchef nicht ins Parlament kommt. Hier hätte Laschet aber als Parteichef mal „klare Kante“ zeigen können.

In Deutschland werden in der Mitte Wahlen gewonnen. Auch das ist Merkels Erbe. Und das will die SPD der Union nun streitig machen. Laschet klammert sich an diesen Strohhalm: In Niedersachsen hat die CDU entgegen der Umfragen die Kommunalwahl gewonnen. Für ihn ist das schon Motivation.

Von Kristina Dunz/RND