Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, gibt im Erzbischöflichen Haus ein Interview. Woelki bleibt im Amt. Diese Entscheidung von Papst Franziskus verlautete am Freitag aus Kirchenkreisen. Allerdings nehme Woelki auf eigenen Wunsch eine Auszeit von Mitte Oktober bis zu Beginn der Fastenzeit im kommenden Jahr. Quelle: Oliver Berg/dpa

Woelki gibt zu: „Ich habe Fehler gemacht“

Köln. Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bedauert die in seinem Bistum entstandene Vertrauenskrise und will darauf mit einer Auszeit reagieren. „Natürlich habe ich Fehler gemacht bei der Aufarbeitung. Ich habe Fehler gemacht mit Blick auf die Kommunikation, und dafür übernehme ich selbstverständlich die Verantwortung. Das tut mir leid, das bedaure ich“, sagte Woelki am Freitag in Köln. Bei einigen Betroffenen von sexuellem Missbrauch habe dies zu einer Retraumatisierung geführt. „Das tut mir aufrichtig von Herzen leid und weh. Das Ganze hat auch zu einer Vertrauenskrise im Bistum geführt. Auch das bedaure ich.“

Papst Franziskus hatte zuvor mitgeteilt, dass Woelki im Amt bleiben könne, auch wenn er „große Fehler“ gemacht habe. Woelki sagte, er habe vergangene Woche in Rom mit Franziskus gesprochen. „In diesem Gespräch hat mir der Papst deutlich gemacht, dass er sehr auf mich zählt, dass er auf mich baut.“ Er habe insbesondere die Entschiedenheit gewürdigt, mit der der Missbrauchsskandal im Erzbistum Köln von Woelki aufgearbeitet worden sei.

„Ich habe in dem Gespräch mit dem Heiligen Vater ihm dann auch schon von einem länger in mir gereiften Gedanken berichtet, nämlich dass ich gerne eine längere Auszeit nehmen würde, um die Geschehnisse und die Ereignisse der vergangenen Monate für mich einzuordnen“, sagte Woelki. In dieser Auszeit wolle er unter anderem überlegen, wie es künftig im Erzbistum Köln weitergehen solle. „Der Papst fand diesen Gedanken sehr gut, er hat mich darin unterstützt.“ Die Auszeit werde von Mitte Oktober bis Anfang März dauern.

Bätzing vorsichtig skeptisch

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat mit vorsichtiger Skepsis auf die Entscheidung von Papst Franziskus reagiert, den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki im Amt zu belassen, ihm aber gleichzeitig eine Auszeit zu gewähren. „Ich nehme die Entscheidungen des Heiligen Vaters entgegen und hoffe, dass der Prozess einer Aussöhnung im Erzbistum Köln anlaufen wird“, teilte Bätzing am Freitag in Bonn mit. „Ob dies innerhalb weniger Monate zu einer grundlegend veränderten Situation führen kann, vermag ich nicht zu beurteilen.“

Rom sei sichtlich darum bemüht, „Bewegung in die schwere Krisensituation im Hinblick auf das Vertrauen in die Führung des bischöflichen Amtes zu bringen, die das Erzbistum Köln schwer belastet und weit darüber hinaus auf die Kirche in unserem Land ausstrahlt“. Bätzing zog sodann folgenden Vergleich: „Die Entscheidung zu Kardinal Woelki erinnert mich in manchem an das römische Vorgehen im Blick auf meinen Amtsvorgänger in Limburg.“ Dieser, der sogenannte „Protzbischof“ Franz-Peter Tebartz-van Elst, war nach der Auszeit nicht mehr in sein Bischofsamt in Limburg zurückgekehrt, sondern hatte eine neue Funktion in Rom bekommen.

Weiter teilte Bätzing mit: „Was in der Note zur Entschiedenheit des Aufarbeitungswillens von Kardinal Woelki gesagt wird, trifft einerseits zu, andererseits lässt es angesichts der entstandenen Lage viele Betroffene ratlos und verletzt zurück.“ Die Entscheidungen aus Rom würden sehr kontrovers diskutiert werden, so Bätzing. „Vieles hängt jetzt davon ab, wie Kardinal Woelki die Auszeit gestalten wird. Es braucht – auch von ihm – Gesprächs- und Mediationsangebote, um Chancen und Perspektiven zu finden.“

RND/dpa