27.06.2022, Ukraine, Krementschuk: Auf diesem Foto, das aus einem Video des staatlichen ukrainischen Notdienstes stammt, versuchen Feuerwehrleute, den Brand in einem Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk zu löschen, das nach einem Raketenangriff in Flammen stand. Dabei seien Menschen ums Leben gekommen und weitere zum Teil schwer verletzt worden. Quelle: -/Ukrainian State Emergency Serv

Selenskyj meldet russischen Raketenangriff auf Einkaufszentrum in Ukraine – G7 verurteilen Anschlag

Krementschuk. Nach einem Raketenangriff auf ein Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Stadt Krementschuk sind nach offiziellen Angaben mindestens 13 Menschen ums Leben gekommen. Darüber hinaus seien rund 40 Menschen teils schwer verletzt worden, teilte der Gouverneur des Gebiets Poltawa, Dmytro Lunin, am Montagabend mit. Die Ukraine machte Russland für den Angriff verantwortlich. „Die Besatzer haben mit Raketen auf ein Einkaufszentrum geschossen, in dem mehr als Tausend Zivilisten waren“, schrieb Präsident Wolodymyr Selenskyj beim Nachrichtendienst Telegram.

Die Staats- und Regierungschefs der G7 verurteilten den Anschlag.

In einem Video, das unter anderem Selenskyj verbreitete, war das brennende Gebäude mit dicken dunklen Rauchwolken zu sehen. In unmittelbarer Nähe des Einkaufszentrums befinden sich mehrere Industrieanlagen, darunter eine Fabrik für Straßenbaumaschinen. Nach Angaben des Zivilschutzes waren 115 Feuerwehrleute mit 20 Löschwagen im Einsatz. Zum Abend wurde der Brand örtlichen Behörden zufolge gelöscht. Auf einem von Gouverneur Lunin bei Telegram verbreiteten Video war ein weitgehend ausgebranntes Gebäude zu sehen.

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Die Rakete war am Nachmittag in das Gebäude eingeschlagen. Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte zufolge sollen bei dem Angriff Luft-Boden-Raketen des Typs X-22 eingesetzt worden sein. Diese seien von Tu-22-Langstreckenbombern aus dem russischen Gebiet Kursk abgefeuert worden, hieß es. Der Sekretär des Sicherheitsrats, Olexij Danilow, sagte, dass eine zweite Rakete in ein örtliches Sportstadion eingeschlagen sei.

„Ein weiterer Akt des russischen Völkermords am ukrainischen Volk“

„Der Raketenangriff auf das Einkaufszentrum mit Menschen in Krementschuk ist ein weiteres Kriegsverbrechen der Russen“, schrieb Gouverneur Lunin. Das ukrainische Verteidigungsministerium spricht am Montagabend von einem „weiteren Akt des russischen Völkermords am ukrainischen Volk“.

Die Attacke wurde auch im Westen von ranghohen Politikern verurteilt. „Wir verurteilen den abscheulichen Angriff auf ein Einkaufszentrum in Krementschuk auf das Schärfste. Wir werden nicht ruhen, bis Russland seinen brutalen und sinnlosen Krieg gegen die Ukraine beendet“, schrieben etwa die Staats- und Regierungschefs der G7 in einem gemeinsamen Statement am Montagabend.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den Raketenangriff als „absoluten Horror“ bezeichnet. Man teile den Schmerz der Familien der Opfer und die Wut über eine solche Schmach, schrieb der Staatschef am Montagabend in einem Tweet. Das russische Volk müsse die Wahrheit sehen.

„Die Welt ist entsetzt über Russlands heutigen Raketenangriff, der ein belebtes Einkaufszentrum traf“, schrieb US-Außenminister Antony Blinken bei Twitter. Die USA würden die Ukraine weiter unterstützen und die Verantwortlichen für Gräueltaten zur Verantwortung ziehen. Auch der britische Premierminister Boris Johnson verurteilte den Beschuss des Einkaufszentrums. „Dieser entsetzliche Angriff zeigt erneut, zu welchem Ausmaß an Grausamkeit und Barbarei der russische Staatschef fähig ist“, sagte Johnson am Rande des G7-Gipfels in Elmau.

EU-Ratspräsident Charles Michel sprach von einem „schrecklich wahllosen“ russischen Raketenangriff. Die Einschüchterungstaktik Russlands werde aber nicht funktionieren, zeigte er sich bei Twitter überzeugt.

Auch deutsche Politiker haben den mutmaßlichen Raketenangriff verurteilt. „Was Russland in der Ukraine macht, ist nicht nur ein illegaler Angriffskrieg. Es finden schlimmste Kriegsverbrechen statt“, schrieb etwa der CDU-Politiker und Mitglied des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen, auf Twitter. Um diese Verbrechen zu stoppen, müsse man der Ukraine die Waffen liefern.

Auch der Fraktionsvorsitzende der FDP im Bundestag, Christian Dürr, zeigte sich entsetzt über den Anschlag in Krementschuk. „Jeden Tag fordert Putins Krieg in der Ukraine mehr Opfer. Wir werden an Waffen liefern, was wir können. Und es ist ein weiterer richtiger Schritt, dass die G7 neue Sanktionen gegen Russland und seine Rüstungsindustrie verhängt haben“, erklärte Dürr auf Twitter.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Monaten gegen die russische Invasion. Die Vereinten Nationen haben bisher über 4700 zivile Todesopfer erfasst, gehen aber wie die Regierung in Kiew von weitaus höheren Opferzahlen aus.

RND/dpa/hyd