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Am Mittwoch wurden 160 Covid-Patienten in Deutschland neu auf die Intensivstation aufgenommen. Die Zahl steigt wieder an.

Corona: Krankenhäuser merken die ersten Ausläufer der Herbst-Winter-Welle

Berlin. „Wir sind am Beginn einer Herbst-Winter-Welle“, sagte Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Freitag in der Bundespressekonferenz in Berlin. Die Inzidenzen steigen aktuell stark an: Im Vergleich zu dem Wert Anfang September hat sich die Zahl der Infizierten mehr als verdoppelt „Das bestätigen auch die Messungen im Abwasser“, sagt Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Diese Messungen fließen auch an das Pandemieradar des Robert Koch-Instituts (RKI) ein.

Knackpunkt Gesundheitspersonal

Mit Blick auf ihre Personalkapazitäten sieht die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) dieses Pandemieradar jedoch kritisch. Dort wird neben der Abwasserviruslast auch die Bettenbelegung bundesweit angezeigt. „Die Datenerhebung unterstützen wir, doch bei nur knapp 100 der insgesamt 1900 deutschen Krankenhäusern gibt es eine automatisierte Schnittstelle, um die vorhandenen Daten weiterzuleiten. Damit verlieren wir Zeit für die Patienten“, sagt Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Gesundheitsminister Lauterbach spricht davon, dass 1300 Kliniken bereits an das System angeschlossen seien. „Viel zu viel Ressourcen werden durch Bürokratie und Dokumentation gebunden, jeder Arzt und jeder Pfleger ist täglich drei bis vier Stunden damit beschäftigt“, beschreibt Gaß die Lage in den Kliniken.

Die kommenden Wochen in den Krankenhäusern

Die steigenden Inzidenzen machen sich derweil auch in den Notaufnahmen bemerkbar. „Am Mittwoch hatten wir eine deutliche Zunahme an Neuaufnahmen von intensivpflichtigen Covid-Patienten. 160 Neuaufnahmen in ganz Deutschland“, beschreibt Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). Es gebe weiterhin schwerkranke Corona-Patienten und weiterhin stürben auch viele der Intensivpatienten, so Marx. Er erwartet in den kommenden Wochen und Monaten einen Anstieg auf den Normalstationen, aber auch beim Personalausfall, durch eine Corona-Erkrankung oder Quarantäne. Ohne Mitarbeiter könne der reguläre Betrieb nicht aufrechterhalten werden. „Wir müssen uns also unbedingt um die Patienten kümmern, aber auch um diejenigen, die sie versorgen!“, so Marx.

Von Juliane Staretzek/RND