Ein Flugzeug fährt im Jahr 2013 zu einer Startbahn am Flughafen München. (Archivbild) Quelle: Peter Kneffel/dpa

Flughäfen kommen aus dem Corona-Tal – wenn auch sehr langsam

München. Auf 5 Prozent des vor Ausbruch der Pandemie Üblichen war das Passagieraufkommen an deutschen Flughäfen im Höhepunkt der Corona-Krise gesunken. Seit Mai geht es beim zweitgrößten deutschen Airport im Erdinger Moos bei München wieder aufwärts.

„Der Flughafen München profitiert besonders von der aktuellen Entwicklung“, sagt zwar dessen Chef Jost Lammers. Aber die Tendenz ist für alle deutschen Flughäfen gleich. 1,9 Millionen Fluggäste waren es im Erdinger Moos diesen August. Das sind dreimal so viele wie im gesamten ersten Quartal 2021. Der laufende Monat soll den August noch übertreffen. Denn nicht nur Urlauber kommen zurück, sondern auch Geschäftsreisende, die für den Münchner Flughafen besonders wichtig sind.

Passagieraufkommen ist weiterhin niedriger

Vom Passagieraufkommen vor Ausbruch der Pandemie, als in Spitzenmonaten vier Millionen Fluggäste abgefertigt wurden, sind aber auch die Münchner noch weit entfernt. 40 bis 45 Prozent des Vorkrisenniveaus habe man mittlerweile erreicht, sagt Lammers. Auf der Langstrecke seien es erst 20 Prozent. Das wird sich ab November auch bessern, wenn wieder Flüge in die USA möglich sind. Bis Herbst rechnet Lammers mit einem Anstieg des Passagieraufkommens auf bis zu zwei Drittel des Vorkrisenniveaus. Fluggastzahlen wie im letzten Rekordjahr 2019 hält er aber frühestens 2024/25 wieder für möglich.

Verlässliche Prognosen seien schwer, weil niemand genau weiß, ob Geschäftsreisende einmal wieder wie früher in Flugzeuge steigen werden oder Videokonferenzen dauerhaft als Ersatz bleiben. Auch politisch ist die Zukunft unwägbar. In Frankreich hat die Regierung Kurzstreckenflüge im Land verboten, wenn eine Zugverbindung existiert. Ähnliches könnte eine neue Bundesregierung für Deutschland beschließen.

Personal hat Pandemie glimpflich überstanden

Das Personal des Flughafens München hat die auslaufende Pandemie indessen relativ glimpflich überstanden. Von einmal 7000 Kurzarbeitern, das sind drei Viertel des gesamten Personals, sind aktuell noch 4000 Betroffene übrig, sagt Lammers. Von einigen Hundert Beschäftigten habe man sich in der Pandemie über Vorruhestandsregeln getrennt. Es seien nur wenige Geschäfte am Flughafen in Insolvenz gegangen. Mit Nachmietern verhandle man bereits.

„Es ist wieder Leben da“, sagt Lammers sichtbar erleichtert über seinen Flughafen. Das gibt Raum für strategische Gedanken wie eine Anbindung des Münchner Flughafens ans Fernstreckennetz der Deutschen Bahn. Deren Fehlen sei ein Wettbewerbsnachteil zum größten deutschen Flughafen in Frankfurt und europäische Konkurrenten. Mit Unterstützung der Deutschen Lufthansa, die in München besonders aktiv ist, will Lammers das in den nächsten Jahren ändern.

Wirtschaftlich überwunden sei die Krise aber noch nicht, warnt er und blickt besorgt auf den Winter. Wenn Kurzarbeiterregelungen mit dem neuen Jahr auslaufen, könne das für seine Branche noch einmal schwierig werden. Lammers hofft auf eine Verlängerung für Kurzarbeiterregeln um drei bis sechs Monate.

Branchenübergreifend sei auch grünes Fliegen per alternativer Kraftstoffe, elektrischer oder Wasserstoffantriebe ein Schlüsselthema der nächsten Jahre. Eine Tankanlage für grüne Kraftstoffe habe sich der Flughafen München jedenfalls bereits zertifizieren lassen.

Von Thomas Magenheim-Hörmann/RND