QQHLWJ7KABBEBJJEYJHG5T5PAQ Quelle: RND

Grafiken zeigen, welche Produkte im Mai die Inflation in die Höhe getrieben haben

Die Inflationsrate betrug im Mai 2022 in Deutschland 7,9 Prozent, meldet das Statistische Bundesamt. Damit liegen die Preissteigerungen sogar noch etwas über dem Niveau im April 2022, in dem bereits die höchste Inflation seit der Wieder­vereinigung vor mehr als 30 Jahren gemessen wurde.

Grundlage für die Berechnung der Inflationsrate ist ein statistischer Warenkorb mit den wichtigsten Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs. Aus den Preisen dieser Produkte ermittelt das Statistische Bundesamt den sogenannten Verbraucher­preis­index, dessen monatliche Veränderung im Vergleich zum Vorjahresmonats als Inflationsrate bezeichnet wird.

Inflation in Deutschland: Preise für Heizöl explodieren

Im deutschen Warenkorb bildet die Netto­kalt­miete den mit Abstand größten Ausgaben­block. Zuletzt ist dieser um 1,4 Prozent gestiegen. Die fossilen Energieträger haben zwar jeweils einen weit geringeren Anteil an den gesamten Konsum­ausgaben, haben aber dennoch weit mehr zur Inflation beigetragen als die Mieten.

Die Preise für leichtes Heizöl beispielsweise stiegen um fast 95 Prozent, Dieselkraftstoffe um 46 Prozent und Flüssiggas sogar um 113 Prozent. Auch die Preise vieler Lebensmittel sind gestiegen: zum Beispiel Butter um 43 Prozent, tiefgefrorenes Obst um 24 Prozent und Eier um 25 Prozent. Viele Lebens­mittel­preise haben sogar im Vergleich zum ohnehin schon teuren April noch einmal deutlich angezogen.

Wie stark jede und jeder Einzelne von der Teuerung betroffen ist, hängt natürlich vom individuellen Konsum­verhalten ab. Wer kein Auto fährt, ist immun gegen die direkten Auswirkungen steigender Benzinpreise, und Eigentümer einer selbst bewohnten Immobilie sorgen sich naturgemäß weniger um die Mietentwicklung. Die Teuerung des persönlichen Warenkorbs lässt sich mit dem RND-Inflationsrechner ermitteln.

Wie die einzelnen Produktgruppen im Durchschnitt der Bevölkerung die Inflation verursacht haben, zeigt die folgende Grafik.

Ausgaben für Lebensmittel fallen im Budget des Durch­schnitts­bürgers weniger stark auf als größere Ausgaben etwa für das Tanken und Heizen. Allein die Kraftstoffe für das Auto haben deshalb mehr als 18 Prozent der aktuellen Teuerung verursacht. Weitere 11 Prozent entfallen auf Heizöl und mehr als 12 Prozent auf Gas. Fleischwaren tragen 3,8 Prozent zur gesamten Inflation bei, Molkereiprodukte und Eier 2,3 Prozent und Brot und andere Getreideerzeugnisse 2,0 Prozent.

Regierung schnürt Entlastungspaket

Die Bundesregierung hat im März ein Paket geschnürt, um die Menschen angesichts der stark gestiegenen Energie- und Spritpreise zu entlasten. Darin enthalten ist eine auf drei Monate befristete Senkung der Energiesteuer, die den Liter Benzin um 30 Cent und Diesel um 14 Cent günstiger machen soll. Zudem erhalten Arbeitnehmer einmalig 300 Euro Energie­zuschuss auf ihr Bruttogehalt und Familien pro Kind 100 Euro Bonus auf den Kinderfreibetrag.

Steigende Preise in Deutschland: angepasster Konsum

Bei der Interpretation der aktuellen Inflationsrate ist zu beachten, dass die Bürger ihr Geld nicht immer gleich ausgeben. Wenn die Bürger wegen des Kriegs in der Ukraine und den gestiegenen Preisen nun weniger Energie verbrauchen, können sie die Inflation in diesem Bereich für sich abmildern.

Für die statistische Erfassung spielt die Einschränkung des Konsums aber erst mal kein Rolle. Nur alle fünf Jahre werden die Produkte und Dienstleistungen im Warenkorb des Statistischen Bundesamts neu gewichtet. Vorübergehende Schwankungen im Konsum spiegeln sich deshalb in den amtlichen Zahlen nicht wider.

Teuerung in der EU verfehlt die Ziele

Doch selbst wenn die tatsächliche Inflation derzeit etwas geringer ausfallen sollte als die auf dem Papier, bewegt sich die Teuerung doch weit außerhalb des Bereichs, den die Europäische Union sich selbst zum Ziel gesetzt hat. Die Europäische Zentralbank strebt eine jährliche Teuerungsrate von 2 Prozent an.

Diese Zielmarke wird bereits seit Mai 2021 mit wachsendem Abstand überschritten. Der für die EZB-Geldpolitik maßgebliche harmonisierte Verbraucher­preis­index HVPI betrug im April einen Rekordwert seit Bestehen der Eurozone von 8,1 Prozent.

Der harmonisierte Wert für Deutschland, der sich leicht von der nationalen Rate unterscheidet, betrug im Mai 8,7 Prozent. Einige Länder Osteuropas wie Estland liegen deutlich darüber. Niedrigere Werte hat zum Beispiel Frankreich.

Von Johannes Christ/RND