Die Schelde zieht sich durch Antwerpen. Die Stadt ist nicht so ruhig, wie sie auf diesem Foto aussieht. Quelle: dpa-tmn

Antwerpen ist zur Drehscheibe des Drogenmarkts geworden

Brüssel. Es ist ein Milliardengeschäft für die Drogenkartelle, und Europas zweitgrößter Hafen spielt darin eine bedeutende Rolle. Gerade haben Europol und die Europäische Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht wieder einmal Alarm geschlagen.

Mehr Kokain als je zuvor

Noch nie sei so viel Kokain im Hafen von Antwerpen beschlagnahmt worden wie im Jahr 2020, teilten die EU-Behörden in ihrem jüngsten Drogenreport mit. Insgesamt 70 Tonnen waren es, die den Fahndern an der Schelde in die Hände fielen.

Das kleine Belgien mit seinem großen Hafen in Antwerpen ist der wichtigste Brückenkopf für den Kokainschmuggel zwischen Lateinamerika und Europa geworden. Auf den Plätzen zwei und drei folgen Häfen in den Niederlanden und in Spanien.

Europaweit wurden 2020 insgesamt mehr als 216 Tonnen Kokain mit einem geschätzten Marktwert von 10,5 Milliarden Euro beschlagnahmt. Für 2021 erwarten die Experten der Europäischen Union noch höhere Zahlen.

Allerdings kann niemand sagen, wie viel Kokain tatsächlich auf den Kontinent kommt. Die beschlagnahmte Menge dürfte nur ein Bruchteil davon sein. Denn klar ist: Der Kokainmarkt boomt. 3,5 Millionen Menschen in der EU gaben an, im Jahr 2020 das weiße Pulver konsumiert zu haben. Nur die Zahl der Marihuanakonsumenten ist höher.

Schießerei auf offener Straße

Die Menschen in Antwerpen haben in den vergangenen Jahren erlebt, welche dramatischen Auswirkungen es hat, wenn die eigene Stadt zur Drehscheibe des Drogenschmuggels wird. Verfeindete Drogenbanden bekämpfen sich auf offener Straße. Ein Café wurde mit Schnellfeuergewehren beschossen. Unter dem Auto eines mutmaßlichen Drogenschmugglers zündeten Rivalen eine Handgranate.

Antwerpens Bürgermeister Bart De Wever sagte im vergangenen Jahr, es sei inzwischen so viel Geld im Spiel, dass er niemandem mehr trauen könne. Selbst scheinbar harmlose Geschäftsleute entpuppten sich bereits als Kriminelle. De Wever stand selbst schon unter Polizeischutz.

Der flämische Nationalist ist ein Verfechter eines sehr strengen Law-and-Order-Kurses. Doch gegen den Streit um die Drogenmilliarden scheint das nicht zu helfen.

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Von Damir Fras/RND